Tragödie in Russland
Über 100 Tote und 130 Verletzte bei Brand in Nachtklub
Die Bevölkerung der etwa 1.400 Kilometer östlich von Moskau am Ural gelegenen Stadt wurde aufgerufen, Blut zu spenden. Feuerwerkskörper hatten während einer Feier zum achtjährigen Bestehen des Lokals zu der Katastrophe geführt.
Feuerwerkskörper stecken Decke in Brand
Nach Angaben des regionalen Sicherheitsministers Igor Orlow hatte die Zwischendecke aus Plastik in dem Klub gegen 2.15 Uhr Ortszeit Feuer gefangen, als bei einer Bühnenshow Feuerfontainen in die Höhe sprühten. Ein Video, das das russische Fernsehen ausstrahlte, bestätigte dies. Das Lokal habe daraufhin laut Orlow sofort in Flammen gestanden. In Panik hätten die Gäste versucht, ins Freie zu gelangen. Der Klub habe keine Fenster und nur einen Ausgang gehabt, hieß es.
Auch bei dem panischen Gedränge vor dem Ausgang habe es zahlreiche Verletzte gegeben. Zeugen berichteten, dass vor allem Angestellte und deren Freunde und Angehörige an der Feier in dem Lokal teilgenommen hätten. Die meisten Opfer erlitten Brandwunden und Rauchgasvergiftungen. Am Morgen befanden sich noch 85 Verletzte in kritischem Zustand. Bei den Opfern handelte es sich nach offiziellen Angaben überwiegend um junge Leute. Auf Fernsehbildern waren verbrannte Leichen zu sehen, die vor dem niedergebrannten Gebäude aufgereiht waren.
Regierung schließt Terrorakt aus
Der russische Regierungschef Wladimir Putin ordnete noch in der Nacht die Bildung einer Ermittlungskommission unter Führung von Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu an. Der Sprecher der örtlichen Ermittlungsbehörden, Wladimir Markin, schloss einen Anschlag aus. "Hier stellt sich nicht die Frage nach einem Terrorakt. Dies ist ein Verstoß gegen die Brandschutzbestimmungen", sagte Markin. Die Polizei nahm zwei der Besitzer des Lokals inzwischen fest. Einer der Verdächtigen habe in einem ersten Verhör dementiert, das Lokal durch einen leichtsinnigen Umgang mit Feuerwerkskörpern in Brand gesetzt zu haben.
Erst vor einer Woche waren in Russland bei einem Bombenanschlag auf die Zugstrecke Moskau-St. Petersburg mindestens 26 Menschen ums Leben gekommen. Daher hatte es nach der Explosion in Perm zuerst auch Spekulationen über einen möglichen terroristischen Hintergrund gegeben.
Neben Schoigu flogen auf Anordnung von Kremlchef Dmitri Medwedew auch Innenminister Raschid Nurgalijew und Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa nach Perm. "Die Minister sollen vor Ort die Hilfsleistungen koordinieren", sagte Medwedews Sprecherin Natalia Timakowa.
Mit einer Maschine aus Moskau traf am Morgen neben Ärzten und Psychologen auch Gerät zum Transport der Verletzten in Perm ein. Mindestens zehn der Schwerverletzten sollten zur Behandlung nach Moskau gebracht werden.
Laxer Umgang mit Brandschutzvorschriften
Die Katastrophe unterstreicht auf grausame Weise den laxen Umgang mit Brandschutzvorschriften in Russland. Jährlich kommen in dem Land 18.000 Menschen bei Bränden ums Leben. Bei einer sogenannten "Feuerschau" in einem Moskauer Club gab es vor zwei Jahren zehn Todesopfer, in der sibirischen Stadt Omsk kamen bei einem Brand in einem Club vor einem Jahr vier Menschen ums Leben.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.