Truppen-Aufstockung
NATO schickt 7.000 weitere Soldaten nach Afghanistan
Die von der NATO geführte Afghanistan-Schutztruppe ISAF, die derzeit über 83.500 Soldaten verfügt, wird damit im kommenden Jahr um mindestens 37.000 Mann verstärkt. Mit dieser Verstärkung wird die Forderung des ISAF-Kommandanten und US-Generals Stanley McChrystal, der 40.000 zusätzliche Soldaten angefordert hatte, bereits fast erfüllt. Die 7.000 Soldaten werden laut Rasmussen von 25 jener Staaten gestellt, die an der ISAF beteiligt sind.
Der Oberbefehlshaber der NATO in Europa, US-Admiral James Stavridis, hält sogar die Zusage von mehreren tausend weiteren Soldaten für möglich, wie er gegenüber der Nachrichtenagentur AP sagte. Rasmussen und Stavridis äußerten sich nach Beratungen mit den Außenministern aller 43 an der ISAF beteiligten Länder. Mit dabei war außerdem Südkorea, das der ISAF bisher nicht angehört, aber die Entsendung von bis zu 500 Soldaten nach Afghanistan erwägt.
Frankreich und Deutschland unter Zugzwang
Deutschland gerät ebenso wie Frankreich durch die Zusagen seiner Verbündeten zunehmend unter Zugzwang, seine Engagement zu verstärken. Außenminister Guido Westerwelle lehnte es ab, vor der internationalen Afghanistan-Konferenz Ende Jänner in London über eine Verstärkung des deutschen Militärs zu sprechen. Anders als die republikanische Vorgängerregierung schlug US-Außenministerin Hillary Clinton milde Töne an. Sie äußerte Verständnis dafür, dass einige Verbündete zu Hause politisch noch nicht so weit seien, öffentlich neue Zusagen abzugeben. Ein NATO-Diplomat sagte, die künftige stärkere Orientierung der US-Amerikaner weg vom Militäreinsatz hin zum zivilen Aufbau mache es den Europäern leichter, den Vereinigten Staaten zur Seite zu stehen.
Rasmussen betonte, die NATO müsse alles tun, um die Ausbildung von Soldaten und Polizisten voranzutreiben. Nur dann sei es möglich, die Verantwortung für die Sicherheit in Teilen des Landes bereits im kommenden Jahr an die afghanischen Sicherheitskräfte zu übertragen. "Übergabe bedeutet nicht Abzug", sagte Rasmussen. "Wir werden die Afghanen nicht alleine lassen, damit sie wieder in die Hände von Terroristen und Extremisten fallen. Das wird nicht passieren." Er fügte hinzu: "Es gibt keinen Zweifel, dass es schwierig wird. Niemand sollte sofortige Ergebnisse erwartet. Aber mit dem richtigen Herangehen und den richtigen Ressourcen können wir Erfolg haben."
Mangel an Ausbildnern für afghanische Streitkräfte
Nach Darstellung der ISAF herrscht ein enormer Mangel an Ausbildnern für die afghanischen Sicherheitskräfte. So würden für die Schulung der afghanischen Streitkräfte insgesamt 103 internationale Ausbildner-Teams benötigt, 41 mehr, als bis dato zur Verfügung stünden, sagte ISAF-Sprecher Eric Tremblay am Donnerstag. Ein Ausbildner-Team besteht nach seinen Angaben aus rund 25 ausländischen Soldaten. Allein für diese Aufgabe würden demnach rund 1.000 Mann mehr benötigt.
Der britische Außenminister David Miliband erklärte, "ein erheblicher Teil" der von seiner Regierung angekündigten 500 Mann Verstärkung solle als Militärausbildner eingesetzt werden. Finnland will nach Angaben seines Außenministers Alexander Stubb die Zahl der in Afghanistan eingesetzten Militärausbildner von 120 auf bis zu 145 erhöhen. Auch bei der Polizeiausbildung klaffen gewaltige Lücken.
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