Di, 17. Juli 2018

Zu Besuch in Sellrain

08.07.2018 06:27

Nach Jahrhundert-Unwetter verheilen die Wunden

Drei Jahre sind seit der verheerenden Verwüstung von Sellrain nach einem Jahrhundert-Unwetter vergangen. Erst vor wenigen Wochen erhielt Bürgermeister Georg Dornauer die letzten Abrechnungen über die millionenschweren Verbauungen. Mit der „Krone“ sprach er über das neue Sicherheitsgefühl im Ort und zog ein Fazit über die Entschädigung für Betroffene.

„Wohin können wir spenden?“, fragten unzählige Anrufer schon am ersten Tag nach der Katastrophe. „In kurzer Zeit kamen 1,1 Millionen Euro zusammen“, ist der damalige Vize-Bürgermeister und nunmehrige Ortschef Dornauer noch immer erstaunt und dankbar.Vom Benefizabend bis zum KleinspenderDie Liste der Spender ist lang und reichte von 13.000 Euro von den Tiroler Schützen über 11.000 Euro durch ein Benefizkonzert der Aldranser Musik bis hin zum Einzelspender, der 10 Euro von seiner kleinen Pension abzweigte.

Gewaltige Spendenflut
Schon ein Jahr später hatte das Land 1,7 Millionen Euro aus dem Katastrophenfonds an die privaten Geschädigten ausgezahlt. „Ersetzt wurden 50 statt 40 Prozent der einzelnen Schäden“, erklärt Dornauer. Einen Teil trugen auch die Versicherungen bei - „das waren oft Beträgte zwischen 7000 und 10.000 Euro“. Übrig blieb eine Finanzierungslücke von 25 bis 30 Prozent, die mit den erwähnten Spenden auf 100 Prozent aufgefüllt werden konnte. Fazit: Alle Töpfe zusammen reichten in der Regel aus, um arge finanzielle Nachwehen für die Betroffenen zu verhindern. „Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer kontrollierte zum Abschluss die Spendenvergabe. Es wurde alles für gut befunden, das sollten die Tiroler wissen“, betont Dornauer.

30 Millionen € Schaden an der Infrastruktur
Die Schäden an der Gemeinde-Infrastruktur dürften sich insgesamt auf rund 30 Millionen Euro summieren. Allein die Landesstraße war an 15 Stellen auf insgesamt 330 Metern Länge unterbrochen, die Sanierung verschlang fast 10 Millionen Euro. Die Melach wurde teils auf 15 Meter Breite aufgeweitet, ein neuer Uferweg war der positive Nebeneffekt der Flut. „Mein Dank gilt LH Platter und den Landesräten Geisler und Tratter“, sagt Dornauer, er habe keine Nachteile erfahren, nur weil Sellrain unter „roter“ Gemeindeführung steht.

Seigesbach soll nie mehr zur Gefahr werden
Eine Großbaustelle ist und bleibt der Seigesbach, der 2015 die Wurzel des Übels war. In einem 60.000 m³ großen Geschiebebecken wurde beim vorgestrigen „Krone“-Lokalaugenschein noch immer gebaggert. In den kommenden Jahren werden im steilen Oberlauf insgesamt 27 Sperren errichtet. Irgendwann, so hofft man im Ort, wird nur noch der aus der Melach geborgene mächtige Gedenkstein an das Jahrhundert-Unwetter erinnern.

Andreas Moser
Andreas Moser

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