Fr, 19. Oktober 2018

Unfaire Vergabe:

02.07.2018 17:28

Wohnbauförderung in knapp zwei Minuten weg

Es war nur ein Hauch - nicht einmal zwei Minuten - und die Fördergelder für Häuslbauer sind vergeben. Klingt fast wie Lotterie. 52 haben gewonnen. Mehr Spielraum gibt es bei Sanierungen und Wohnungen.

Daniel Eder, zweifacher Vater aus Neukirchen, ist bitter enttäuscht: „Ich war gut vorbereitet und bin um punkt neun Uhr am Computer gesessen“, erzählt der Antragsteller, der jetzt mit einem „Leider nein“ zurecht kommen muss. Als er die Daten eingeben wollte, kam es zu einem kurzen Systemausfall. Dann funktionierte die Seite zwar wieder, aber und 9.02 Uhr waren bereits 52 Antragsteller schneller als er. Den Baustart muss der Oberpinzgauer jetzt wohl verschieben: „Wir wollten im November beginnen. Jetzt darf ich aber nur bis zu Kellerplatte gehen. Das wäre für den Kran ein zu langer Leerlauf“, ist er so wie viele andere Häuslbauer enttäuscht.

Für heuer sind auch alle Fördergelder schon ausgeschüttet. Nächste Chance gibt es erst wieder im Jänner 2019.

So viele Anträge wurden gestellt

52 Häuslbauer kamen mit ihrem Antrag durch. Nach knapp zwei Minuten war alles weg. Auch begehrte Plätze auf den Wartelisten waren im Nu vergeben.  Beim Eigentum (Wohnungen) war mit 204 Anträgen genug Raum für alle da. Bei den Sanierungen  gab es mit 202 Anträgen für Häuser bis zu zwei Wohnungen und 940 bei größeren Wohnungen ebenso genug Spielraum.

An der Vergabe-Form hagelt es jede Menge Kritik. Landerätin Andrea Klambauer (NEOS) hat das Ressort neu übernommen und verspricht Verbesserungen für 2019 (siehe Interview).

„Ein totales Fiasko“, ärgert sich der Niedernsiller Gemeindepolitiker Markus Steiner (FPS).

Viele enttäuschte Häuslbauer

Er zeigt schon beim letzten Antrags-Tag im April auf, dass Häuslbauer zum Teil Firmen engagieren, damit sie zum Zug kommen. Auch jetzt meldeten sich wieder Hilfesuchende bei ihm: Ein Häuslbauer stellte seinen Antrag von einer öffentlichen Institution aus, weil dort das Internet schneller ist. Viele andere bereiten die Daten als Word-Dokument vor und drücken dann nur noch auf Kopieren.

„Es ist völlig untragbar, das Geld in dieser Art zu vergeben“, schimpft auch SP-Wohnbausprecher Roland Meisl und fordert drei Punkte. Die Einkommensgrenzen sollen überarbeitet werden: „Im Moment gibt es kaum jemanden, der nicht hineinfällt.“ Außerdem seien soziale Kriterien (wie etwa die derzeitige Lebenssituation) oder das Vermögen im derzeitigen Vergabemodus überhaupt nicht relevant. Meisl kritisiert: „Es zählt nur, wer schneller ist.“

Die VP gesteht Mängel am Online-System ein. „So erfreulich die große Nachfrage ist, so nachvollziehbar ist der Ärger von Antragstellerinnen, die durch das derzeitige System nicht zum Zug kommen“, verspricht VP-Wohnbausprecher Wolfgang Mayer ebenfalls Verbesserungen.

Sabine Salzmann
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 krone.at
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