"Schellack-CD"

Teilchenphysik rettet alte Schallplatten

Wissenschaft
22.04.2004 13:38
Unglaublich, wozu Atomphysik alles zu gebrauchen ist! Wissenschaftler in Kalifornien haben eine unschätzbare Entwicklung für Musikliebhaber zu Wege gebracht, mit der ein Stück verloren geglaubte Musikgeschichte zu retten ist: Sie tasten Schellack-Platten berührungslos ab.
Das Lawrence Berkeley National Laboratory hateine Technik entwickelt, die den Forschern erlaubt digitale Kopienvon alten Platten zu schaffen, ohne die zerbrechlichen Plattenzu beschädigen. Das berichtet das Magazin Nature.
 
Schellack-CD?
Die Technik benutzt einen Lichtsensor, der ursprünglichentwickelt wurde, um den Weg von subatomaren Teilchen, wie sogenannten Bosonen, zu verfolgen, um Bilder von der Spur der Platteeinzufangen. Daraus kann ein Computer dann die Aufnahme rekonstruieren.Hintergrundgeräusche werden ausgefiltert, das Ergebnis isteine fehlerfreie Digitalversion. Grob vereinfacht sind Schellcksso mit CDs zu vergleichen, die ja per Licht abgetastet werden.
 
Die Forscher haben bereits eine Kopie von MarianAndersons Darbietung von "Nobody Knows the Trouble I´veSeen" aus dem Jahr 1947 geschaffen, ohne Kratzer, Knackgeräuscheund Röhrenrauschen. Gewöhnliche Remastering-Technikenverwenden zum Abtasten der Platte eine Tonabnehmernadel, um siedann digital zu speichern. Aber das kann die empfindlichen Wachs-,Schellack- oder Vinyl-Originale beschädigen, sagt Carl Haber,der das neue Projekt leitet.
 
Die neue Methode ist berührungsfrei. Das bedeutetnicht nur, dass die Platten bewahrt werden können, sondernauch dass bereits beschädigte Platten gerettet werden können,da mithilfe der neuen Methode die einzelnen Stücke einergebrochenen Platte digital wieder zusammengesetzt werden können.Schellack-Platten haben die unangenehme Eigenschaft, dass siezerspringen, wenn sie zu Boden fallen.
 
Museen sind begeistert
"Es eröffnet eine Menge Möglichkeiten", begeistert sich Mark Roosa, Direktor der Kongress-Bibliothekin Washington DC. Dieses System würde es erlauben, die Vergangenheitzurück zu gewinnen. Es sei ein bisschen Archäologie.Roosa hofft, die Technik würde Sound von den Anfängender Aufnahme im späten 19. Jahrhundert retten. Historikerkonnten sogar die Worte von Thomas Edison hören, dem Vaterdes aufgenommenen Sounds, sagt Roosa. Edison wird die erste Aufnahmeüberhaupt zugeschrieben, als er "Mary Had a Little Lamb"in das Mundstück seines 1877 erfundenen Aluminium-Tonaufzeichnungsgerätrezitierte.
 
Aber nicht nur Historiker könnten davon profitieren;die neue Methode könnte als Kopierer für Aufnahmen eingesetztwerden, hofft Haber. Die Aufnahmen in Computerdateien so wie dasweltweit benutzte mp3-Format zu konvertieren, könnte siefür einen öffentlichen Gebrauch ohne die Notwendigkeiteines speziellen Equipments eröffnen, argumentiert Haber.Berührungsfreie Rekonstruktionen würden einen großenNutzen für die Bewahrung der eine Mio. Platten in der britischenNationalbibliothek darstellen. Die Bibliothek hat ein Arsenalvon Plattenspielern, aber die meisten Aufnahmen sind einfach zuzerbrechlich um sie zu spielen. Scannen ist die einzige Methode,um sie wiederzuerlangen.
 
pressetext.at
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