Sa, 15. Dezember 2018

„Polizeischutz prüfen“

22.06.2018 09:43

Innenminister droht Mafia-Kritiker Saviano

Der italienische Schriftsteller und Journalist Roberto Saviano, der mit seinem Bestseller „Gomorrha“ international bekannt geworden ist, hat sich einen neuen mächtigen Feind gemacht: Italiens neuer Innenminister, Matteo Salvini, will die Notwendigkeit des Polizeischutzes für den Schriftsteller, der seit Erscheinen seines Mafia-kritischen Romans mit dem Tode bedroht wird, überprüfen lassen. Anlass für Salvinis recht unverhohlene Drohung war ein Artikel im britischen „Guardian“, in dem Saviano die Flüchtlingspolitik Italiens kritisiert hatte.

Seit mehr als zehn Jahren wird Saviano von der Mafia bedroht. Ihm werde „mindestens einmal pro Woche“ sein Tod angekündigt, sagte der 38-Jährige vor Kurzem in einem Interview. Sein 2006 publizierter Doku-Roman „Gomorrha“ über die Machenschaften der Mafia wurde zum Weltbestseller, der fürs Kino verfilmt wurde und auch als Vorlage für eine erfolgreiche Fernsehserie dient (siehe Video oben). Der globale Erfolg hat aber seinen Preis: Saviano steht seit dem Erscheinen des Buches unter Polizeischutz. Einen Schutz, dem ihn jetzt aber ein neuer mächtiger Feind nicht mehr gewähren will: Italiens neuer Innenminister.

Noch keinen Monat als stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister im Amt, nutzt Matteo Salvini, Chef der rechten Lega, seine Machtposition in vollen Zügen: Vor allem im Visier Salvinis sind Flüchtlinge. Sein harter Kurs in Sachen Migration kommt bei der italienischen Wählerschaft offenkundig gut an. Salvinis Lega segelte in Umfragen zuletzt auf Rekordhoch und überragt sogar die Fünf-Sterne-Bewegung, mit der sie eine Regierungskoalition in Rom gebildet hat.

Saviano kritisiert Italiens „Krieg gegen Migranten“
Und nun, so berichtet der britische „Guardian“, will er den Polizeischutz für Roberto Saviano auf den Prüfstand bringen. Hintergrund: Saviano zählt zu den schärfsten Kritikern der italienischen Gesellschaft, der sich in den letzten Wochen lautstark über die Flüchtlingspolitik seiner Heimat empörte. Erst vor wenigen Tagen hatte der streitbare Schriftsteller in einem Text für den „Guardian“ Italiens „Krieg gegen Migranten“ heftig kritisiert. Ein Krieg, der ihn „um die Zukunft seines Landes“ fürchten lasse, so der 38-Jährige - der im Vorjahr aufhorchen ließ, als er Großbritannien als das „korrupteste Land der Welt“ bezeichnete.

Die Reaktion aus Rom folgte prompt: Am Donnerstag verkündete der Innenminister im italienischen Fernsehen, die Zeit sei gekommen, die Kosten für Savianos Polizeieskorte zu überprüfen - um zu bewerten, wie „die Italiener ihr Geld ausgeben“. Denn, so der Lega-Chef weiter, Saviano sei auch immer wieder für längere Zeit im Ausland, und überhaupt müsse die Bedrohungslage gegen den Schriftsteller geklärt werden, so Salvini.

Aus der Politik folgten empörte Reaktionen, von einer „inakzeptablen Bedrohung“ für einen Mann, der die gefährlichsten Netzwerke des Landes offengelegt habe, ist die Rede. Ein Politiker der Demokratischen Partei kündigte gar an, notfalls seine eigene Polizeieskorte zu opfern, damit der Innenminister Saviano nicht weiter drangsaliere. Und Ex-Innenminister Marco Minniti unterstrich gegenüber „La Repubblica“, dass es „strenge und transparente Verfahren“ für den Einsatz von Polizeischutz gebe - die nicht von den persönlichen Ansichten eines Politikers beeinflusst werden können.

„Er ist ein Trottel“
Und Saviano selbst? Der Schriftsteller hatte sich in der Vergangenheit immer wieder die Rückkehr zu einem normalen Leben gewünscht, ein Leben ohne Polizeischutz. Zu den Drohungen des Innenministers erklärte er nun aber gegenüber dem „Guardian“, dies sei ein Kampf, den er nicht führen wolle. „Ich suche nicht das Martyrium: Vergiss es!“, so Saviano. „Aber ich habe auch keine Angst vor Salvini ... Er ist ein Trottel.“

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