Sa, 20. Oktober 2018

4200 in der Stadthalle

21.06.2018 09:31

Ex-Beatle Ringo Starr: Rüstiger Pensionärentreff

Sieben Jahre nach seinem letzten Österreich-Gastspiel gab sich die Beatles-Legende Ringo Starr mit seiner „All Starr Band“ noch einmal die Ehre in der Wiener Stadthalle. Der Gig der Kultmusiker geriet zu einer Nostalgierevue der guten Laune, ging aber auch ohne besondere Höhepunkte über die Bühne.

Auch wenn man in seiner eigenen Band über viele Jahre hinweg maximal die Nummer vier in der Rangliste war, lässt sich mit entsprechendem Kultfaktor immer noch zugkräftig touren. Beatles-Drummer-Legende Ringo Starr ist und war bekanntermaßen nie Feingeist hochklassiger Popmusik, hat die wirklich memorablen, kräftigen Hymnen der 60er-Jahre seinen Kollegen überlassen, entführt mit seiner „All Starr Band“ nach siebenjähriger Österreich-Abwesenheit aber dennoch respektable 4200 Fans in die gut abgehangene Wiener Stadthalle. Wer es sich leisten konnte, einen Obolus von 1500 Euro aufwärts zu zahlen, konnte sich im Vorfeld in der Galerie Fine Arts einen „handsignierten Ringo“ sichern - immerhin ist der 77-Jährige seit einigen Jahren auch profilierter Künstler.

Riege der Star(r)s
Starr und seine insgesamt sechs Mitmusiker zählen insgesamt 464 Lenze, lassen sich optisch aber nichts anmerken. Nur Bassist und 10cc-Legende Graham Gouldman nimmt man die über 70 ab, ansonsten erinnern nur die mitgebrachten Wasserflaschen daran, dass man es hier großteils mit rüstigen Pensionären zu tun hat, deren Viten sich aber nicht im Glanze des Beatles verstecken müssen. Neben Gouldman sorgte etwa Keyboard Gregg Rolie als jeweiliges Gründungsmitglied von Santana und Journey für Musikgeschichte, Gitarrist Colin Hay veredelte als Frontmann von Men At Work die frühen 80er-Jahre-Radios mit Top-Hits am laufenden Band und Steve Lukather ist mit Toto ohnehin unregelmäßiger Stammgast in hiesigen Gefilden.

Genau diese Karrieren sind auch der Mittelpunkt der illustren Combo, denn wer sich eine Anhäufung legendärer Beatles-Hits erwartet, wird enttäuscht. Vielmehr dürfen sich die jeweiligen Musiker ausleben und ihre eigenen, wirklich großen Hits noch einmal aufleben lassen - stilecht von einem Beatle an den Stöcken begleitet. Fit und agil ist Ringo auch im gesetzten Alter, dazu mit einer knabenhaften Figur ausgestattet, mit der er Mick Jagger Konkurrenz machen könnte. Nur stimmlich ist Ringo gewohnt holprig. Der große Sänger war er nie, doch nach einem durchaus adäquaten Beginn mit dem Carl-Perkins-Song „Matchbox“ und seiner Eigenkomposition „It Don’t Come Easy“ wackelt die Leistung mit Fortdauer des Konzerts beträchtlich. „Als ich zu den Beatles kam, schrieb ich viele Songs -keiner davon wurde aufgenommen, bis zu diesem“, scherzt er, um kurz darauf mit „Don’t Pass Me By“ Zeltfestschunkelatmosphäre heraufzubeschwören.

Beatles vs. Zeppelin
Der guten Stimmung tut das natürlich keinen Abbruch, qualitativ hochwertig geht aber anders. Auch beim Shirelles-Song „Boys“ (dem ersten von den Beatles eingespielten Song, auf dem Ringos Live-Stimme zu hören war) und „I Wanna Be Your Man“ setzt der Brite lieber auf anspruchslose Leichtfüßigkeit und singt mit beeindruckender Selbstsicherheit an den geraden Tönen vorbei. Wirklich souverän ist Ringo dafür an seinem Hauptarbeitsgerät, dem Schlagzeug, und als galanter Witzeerzähler. „Wenn ihr diesen Song hier nicht kennt, dann seid ihr wirklich in der falschen Venue und solltet lieber bei Led Zeppelin sein“, merkt er vor „Yellow Submarine“ launig an, nur um den Song dann doch mit einem kurzen Ausschnitt des Zeppelin-Evergreens „Stairway To Heaven“ zu starten.

Dass es auch anders geht, das zeigen ihm seine Mitstreiter. Allen voran Colin Hay, der auch im Alter von 64 noch mit engelsgleicher Stimme ausgestattet ist und die kultigen Men-At-Work-Hits „Down Under“  und „Who Can It Be Now?“ mit beeindruckender Brillanz durch die Halle schmettert - da verneigt sich auch so mancher Fan in ehrfurchtsvoller Demut. Auch 10cc-Songs wie „Dreadlock Holiday“ oder „The Things We Do For Love“ hört man in Österreich selten bis nie und sorgen für dementsprechende Hochstimmung. Dazu glänzt Warren Ham am Saxofon, werden aus dem Publikum selbstgebastelte „Love & Peace“-Schilder in die Höhe gereckt und leben die Musiker den Rock’n’Roll-Geist mit gefärbten Haaren und einer beneidenswerten Bühnenjuvenilität, die ansteckend wirkt.

Nostalgie-Revue
Ringo selbst macht sich auf der Bühne immer wieder rar. Während „I’m Not In Love“ oder dem mit herrlicher Jam-Session ausgedehnten Santana-Hit „Black Magic Woman/Gypsy  Queen“ gönnt er sich gar eine Pause im Backstage, die Schlussverbeugung nach 105-minütiger Hitstafette überlässt er dann ganz den anderen. Wie schon zu seinen Beatles-Zeiten funktioniert Ringo am besten als begleitender Rhythmiker, der das Rampenlicht lieber denen überlässt, die sich darin auch in qualitätsvollem Glanz zu bewegen wissen. So geht der Hit-Abend harmlos und ohne besondere Vorkommnisse zu Ende. Zum für ein (vielleicht) letztes Mal Legendenschauen und im-Teich-der-Nostalgie-schwimmen reichte es allemal. Und kultige Men-At-Work-Songs gibt es so bald wohl auch nicht mehr zu hören…

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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