Mi, 18. Juli 2018

Psychische Beschwerden

22.06.2018 06:00

Der große Kummer kranker Kinder

Wer ein chronisches Leiden hat, kämpft oft auch mit seelischen Problemen. Diese Sprösslinge brauchen Hilfe, wie häufig die ganze Familie im Umgang mit der Situation. Dann haben die Kinder die Chance auf ein erfülltes, erfolgreiches Leben.

Ein begabter, siebenjähriger Bub mit Diabetes Typ 1 zeigt aggressives und ungehorsames Verhalten gegenüber Mitschülern und Lehrern. Ein fünfjähriges Mädchen mit einer seltenen Stoffwechselerkrankung (Hyperinsulinismus), das häufig Blutzucker messen und regelmäßig essen muss, weigert sich ab dem vierten Lebensjahr, Nahrung zu sich zu nehmen und muss schließlich vollständig über eine Sonde ernährt werden. Diese beiden Kinder leiden nicht nur unter einer chronischen Erkrankung, sondern auch unter psychischen Problemen.

Neben schweren Krankheiten wie Krebs, Stoffwechselstörungen, chronischen Darmentzündungen, Krampfanfällen, aber auch seltenen Formen wie Mukoviszidose werden die seelischen Befindlichkeiten kleiner Patienten allerdings leicht übersehen. Unerkannt führen diese aber zu ernsten sozialen Schwierigkeiten - vom Ausschluss bei sozialen Aktivitäten in der Gruppe oder Schule bis hin zu Isolation, Aggression, Depression, Rauswurf aus der Schule und damit einhergehendem Verlust von Zukunftschancen und -hoffnungen. Betroffene Sprösslinge weisen deshalb ein zwei- bis dreimal höheres Risiko auf, an einer Depression bzw. einer anderen psychischen Störung zu erkranken als gesunde. Jedes Zehnte dieser Kinder hat Kopf- oder Bauchschmerzen oder ist durch Schwindel und Erschöpfung beeinträchtigt.

„Krankheitsbedingte Veränderungen im Jugendalter verändern das Alltagsleben der gesamten Familie“, betont Univ.-Prof. Dr. Susanne Greber-Platzer, Leiterin der Universitätsklinik für Kinder und Jugendheilkunde. „Alltägliche Tätigkeiten wie Essen, Ankleiden oder Körperpflege werden mitunter zur Qual. Viele müssen strenge Diät halten, Broteinheiten berechnen, Medikamente einnehmen, beim Waschen und Anziehen aufliegende Gefäßzugänge, einen künstlichen Darmausgang oder Dialysekatheter achten. Traumatisierend wirkt auch Haarverlust unter Chemotherapie.  Besonders schwer verständlich sind sportliche Einschränkungen und das Verbot, an Schulausflügen teilzunehmen.“

Ein negativer Kreislauf kommt in Gang: Die Familie verzweifelt, die Kinderwerden schlechter in der Schule, beim Sport und fehlen bei den Hobbys. Prof. Greber-Platzer: „Die Freunde versuchen oft, die Betroffenen zunächst einzubinden, irgendwann können diese aber das Tempo nicht mehr mithalten. Es kommt in jedem Bereich zum begründeten Versagen, zum Verlust des Selbstwertgefühls bis hin zu Verhaltensauffälligkeiten oder Depressionen.“ Professionelle Hilfe ist hier - und auch bei den eingangs erwähnten Kindern - angezeigt. Sie kommt etwa von der „Pädiatrischen Psychosomatik“ an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien. Die Experten orientieren sich an der ganzheitlichen Sicht des kleinen Patienten, der Familie und des Umfelds. Die Behandlung erfolgt in Kleingruppen mit klaren Bezugspersonen und bezieht Inhalte aus der Medizin, Psychologie, Psychotherapie, Pflege, Pädagogik, Heilstättenschule und Sozialarbeit ein.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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