20.04.2004 10:53 |

Ägypten

Archäologen machen Jahrhundertfund

Bei Ausgrabungen im ägyptischen Nildelta sind deutsche Wissenschaftler nach eigenen Angaben auf einen Jahrhundertfund gestoßen. Gemeinsam mit ägyptischen Kollegen hätten sie in Tell Basta einen "Bilinguae-Stein" aus dem Jahre 238 vor Christus entdeckt.
Ein vergleichbarer Stein sei seit rund 120 Jahrennicht mehr gefunden worden. In den grauen Granit sei in zwei Sprachen- allerdings in drei Schriften - ein Dekret von König PtolemaiosIII. Euergetes II. gemeißelt. Der Fund entspreche in seinerArt dem "Stein von Rosette", der 1799 die Entzifferung der altägyptischenHieroglyphen ermöglicht hatte.
 
Der Bilinguae-Stein ist 99 Zentimeter hoch, 84 Zentimeterbreit und 65 Zentimeter tief. Er wurde bei den seit 13 Jahrenlaufenden Ausgrabungen in einer Tempelanlage der antiken StadtBubastis entdeckt. In den Stein waren ursprünglich drei Schrifteneingemeißelt - neben Griechisch und Demotisch (volkstümlicheHieroglyphen-Schrift) das ältere Hieroglyphisch. 40 Prozentsind erhalten. Das Grabungsareal wird Tell Basta genannt und liegtetwa 90 Kilometer nordöstlich von Kairo. "Es war ein Zufallsfund",sagte Grabungsleiter Christian Tietze, der an der UniversitätPotsdam arbeitet. Der Stein - ein Fragment einer Stele - sei nebender vor zwei Jahren entdeckten Statue einer Gemahlin von RamsesII. gefunden worden.
 
Das in den Bilinguae-Stein gemeißelte Dekreterlangte nach den Worten Tietzes Berühmtheit wegen der darinveranlassten Reform des ägyptischen Kalenders, die allerdingserst rund 250 Jahre später unter Cäsar vollzogen wurde.Außerdem sind in den 24 demotischen und 67 griechischenTextzeilen die Wohltaten des Königs Ptolemaios festgehalten.Dabei geht es laut Tietze unter anderem um seine Maßnahmenzur Linderung einer Hungersnot durch Getreide aus Syrien, Phönizienund Zypern. "Er dokumentierte die Macht und die Wohltaten vonPtolemaios III.". Die Abschriften des Steines werden derzeit wissenschaftlichbegutachtet.
 
Bubastis war im 8. Jahrhundert vor Christus HauptstadtÄgyptens. Die Tempelanlage, in der die Grabungen laufen,wurde laut Tietze vermutlich um die Zeitenwende durch ein Erdbebenzerstört; ihre Existenz ist seit 200 Jahren bekannt.
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