Fr, 17. August 2018

Villa d’Este

29.05.2018 11:20

In alter Schönheit: Concorso d’Eleganza 2018

Immer Ende Mai trifft sich eine höchst exklusive Oldtimer-Szene am Comer-See, um den Concorso d’Eleganza Villa d’Este zu zelebrieren. Dem Besucher bleibt vor lauter automobilen Schönheiten der Mund offenstehen.

Schampus, Schrimps und schräge Schlapphüte, Damen in eleganten Kleidern, Männer in weißen Hemden und breiten Hosenträgern. Drum herum automobile Kostbarkeiten, wie sie nur selten auf dieser Welt anzutreffen sind, geparkt auf perfekt gepflegtem Rasen zwischen bunten Blumenbeeten, altem Baumbestand, penibel geharkten Kieswegen und großartigen Villen aus Belle-Époque-Zeiten.

Hollywood lässt grüßen
Willkommen auf dem Concorso d’Eleganza Villa d’Este, dem alljährlich im Mai stattfindenden Schönheitswettbewerb für Autos und Motorräder im Garten des Luxushotels Villa d’Este im kleinen Ort Cernobbio am Comer See. Hier trifft sich die Créme de la Créme der Oldtimer-Szene, eine illustre Schar gleichgesinnter Multimillionäre, die ihr altes wie rares Blech der Öffentlichkeit präsentiert. Und wie das bei Feierlichkeiten häufig so ist, stand auch dieser Event unter einem Motto. Dieses Mal hieß es „Hollywood on the Lake“. Schließlich rollten nicht nur manche der heutigen Oldtimer einst über die Kinoleinwand und erlangten Weltruhm, sondern auch die Villa d’Este und der Comer See dienten Regisseuren als Drehort. Dass allerdings von den 51 ausgestellten Fahrzeugen nur sechs in engerer Beziehung zu Hollywood standen, stört hier angesichts der restlichen Schönheiten niemand, zu einmalig ist deren Existenz, zu faszinierend ihre Geschichten.

Da steht für über 40 Jahre das berühmteste Auto von James Bond bei einem Film-Fan im Wohnzimmer, bis ein gewisser Harry Yeaggy aus Ohio davon hört, mit dem Besitzer handelseinig wird und ihm den Aston Martin DB5 für die nicht eben bescheidene Summe von 4,5 Millionen Dollar abkauft. „Der Kaufpreis ging danach an eine Charity-Stiftung“, sagt Harry, und freut sich, zwar nicht im „Auftrag Ihrer Majestät“ unterwegs zu sein, aber exakt in jenem DB5 zu fahren, mit dem Sean Connery in „Goldfinger“ seine Verfolger abschüttelte.

Gleich neben dem legendären Aston Martin parkt der Delage D8-120. Wohl kein anderes Auto war so häufig in Filmen und Musicals eingebunden, umlackiert und über den Teich transportiert worden wie dieses elegante Cabriolet von 1939. Zu sehen war der Delage beispielsweise im Musical „Ein Amerikaner in Paris“ mit Gene Kelly und Nina Foch, hier allerdings in Babyblau, weil der Filmgesellschaft das Bordeaux-Rot nicht gefiel. Auch James Cagney benutzte - einmal mehr als Gangsterboss - dieses seltene französische Achtzylinder-Modell als Gefährt.

Mehr Geschenk als Filmheld war der von Ghia mit einer neuen Karosserie versehene Cadillac Serie 62. Was Männer so alles tun, um bei einer Frau zu landen oder sie um Verzeihung zu bitten? Frei nach dem Motto „Je teurer das Präsent, desto eher knickt die Gnädigste ein“. Prinz Aly Khan versuchte es 1953 bei seiner Ex-Gemahlin und Schauspielerin Rita Hayworth. Der hochelegante Wagen ist heute im Besitz des Petersen Automotive Museums in Los Angeles.

Ähnliche Motive dürfte Elvis Presley gehabt haben als der „King of Rock ‘n’ Roll“ seiner Filmpartnerin Ursula Andress einen BMW 507 übergab, heute mehrere Millionen Euro wert. Die Schweizer Schauspielerin, besser bekannt als erstes „Bond-Girl“, spielte mit ihm in der Musikkomödie „Fun in Acapulco“. Ursprünglich wollte Elvis der Dame einen Cadillac schenken, Frau Andress aber war der Ami-Schlitten zu groß und überladen. Markant an diesem 507 von 1958 sind die dünnen Rohr-Stoßstangen, angefertigt von George Barris, jenem berühmten Filmauto-Veredler von Hollywood. Ihm verkaufte Andress den 507 später.

Ein berühmter Erst-Besitzer findet sich auch in Papieren des seinerzeit schnellsten Serienautos der Welt, des Ferrari 500 Superfast. Ihn bestellte sich der Schauspieler Peter Sellers, bekannt als der trottelig erscheinende Inspektor Jacques Clouseau im Film „Der rosarote Panther“. Gebaut wurde der elegante Ferrari nur 36 Mal.

Das Sammeln historischer Autos hat sich im Laufe der vergangenen Jahre als äußerst gutes Investment erwiesen. Das spiegeln nur zu gut die weltweit wichtigsten Auktionen für Oldtimer wider. Aus zwei werden drei, aus fünf werden acht und aus zehn schnell auch 15 Millionen Euro und mehr, abhängig vom Zustand, dem Design, der Marke und den damals produzierten Stückzahlen. Manche der gezeigten Kostbarkeiten sind nur in wenigen Einheiten in Handarbeit entstanden, manche wirklich einmalig. Wie zum Beispiel der Jaguar XK 120, italienisch eingekleidet von Battista „Pinin“ Farina in Turin. Der einflussreiche US-Autoimporteur Max Hoffman hatte den Wagen gekauft und zum Komplettumbau zu dem Karosserieschneider gebracht. Bevor der Jaguar XK 1955 in die USA verschifft wurde, drehte er sich noch kurz im Rampenlicht des Genfer Autosalons.

Monetäre Tatsachen interessieren die Besitzer jedoch nicht wirklich. Geld hat man ohnehin genug, klassische Fahrzeuge dafür gibt es meist zu wenig, selbst wenn bereits eine gut bestückte Sammlung, verteilt auf Garagen, Hallen und ausrangierte Flugzeughangars herumsteht und die Oldtimer von einem Team in Festanstellung gepflegt oder repariert werden. „Wer einmal sein Objekt der Begierde gefunden und es in jahrelanger Arbeit liebevoll restauriert hat, hängt am Haken und wird süchtig“, sagt Stefan Behr von BMW Klassik, „dann beginnt die weltweite Suche nach weiteren Schätzen.“

Auf gängigen Internet-Plattformen werden „Infizierte“ meist nicht mehr fündig. Der Markt, mittlerweile ein Milliarden-Dollar-Business, liegt in den Händen von Händlern, Maklern und Sammlern. „Die Szene kennt sich untereinander. Fast jeder weiß, welche Autos wo in welchem Besitz sind“, sagt Experte Behr. Auf einschlägigen Auktionen oder Treffen wie im Garten der Villa d’Este sieht man sich und tauscht Tipps und Erfahrungen aus und macht auch vielleicht das eine oder andere Geschäft.

Auch Oldtimer waren mal Neuwagen
Bereits seit 1929 richtet das renommierte Luxushotel diese exklusive automobile Veranstaltung aus. Damals allerdings standen Neuwagen zur Ansicht bereit. Seit 2006 ist BMW als offizieller Ausrichter und Schirmherr mit von der Partie und zeigt in jedem Jahr neben berühmten historischen Modellen aus der über 100-jährigen Unternehmensgeschichte auch das eine oder andere Concept Car.

In diesem Jahr gaben die Münchener mit der Studie M8 Gran Coupé einen Hinweis auf das für 2019 angekündigte Topmodell der neuen 8er-Baureihe. Der Wagen stand allerdings schon im März auf dem Genfer Autosalon. Sein „rollendes“ Debüt feierte dagegen der Rolls-Royce Cullinan. Das mächtige Luxus-SUV mit obligatorischem Zwölfzylinder fand bei der betuchten Klientel am Comer See viel Zuspruch. Von Rolls-Royce hieß es, dass bereits 1000 Bestellungen vorlägen. Damit dürfte sich der Cullinan zum Bestseller der britischen Edelmarke entwickeln. Dass er allerdings auch in 30 oder 40 Jahren einer der Stars auf dem Concorso d’Eleganza im Garten der Villa d’Este sein wird, ist eher nicht anzunehmen.

(SPX)

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