Zu selten gemeldet

Jede dritte Frau in der EU wird Opfer von Gewalt

Ausland
03.03.2026 12:55
Porträt von krone.at
Von krone.at

Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet, findet zunehmend im digitalen Raum statt und wird von den Institutionen, die sich eigentlich mit ihrer Bekämpfung und Prävention befassen sollten, übersehen – und auch zu selten gemeldet: Laut der am Dienstag veröffentlichten „EU-Umfrage zu geschlechtsspezifischer Gewalt“ der EU-Grundrechteagentur und des Instituts für Gleichstellung leidet jede dritte Frau in der EU unter körperlicher und/oder sexueller Gewalt.

Gewalt in Paarbeziehungen, psychische Gewalt, wirtschaftliche Gewalt und Cybergewalt gehören laut Bericht zu den am weitesten verbreiteten Formen, würden jedoch am wenigsten wahrgenommen. Das Ausmaß der nicht gemeldeten Gewalt zeige, dass die Systeme nicht angemessen funktionierten. Die EU-Agentur für Grundrechte (FRA) und das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) forderten die Entscheidungsträgerinnen und -träger in der EU in einer gemeinsamen Pressekonferenz in Brüssel daher auf, Recht, Politik und Praxis an die Erfahrungen von Frauen anzupassen.

FRA-Direktorin Rautio: „Verletzung der Grundrechte“
„Gewalt gegen Frauen ist eine Verletzung der Grundrechte“, erklärt FRA-Direktorin Sirpa Rautio. „In der gesamten EU werden die Rechte der Frauen auf Würde, Sicherheit und Gleichstellung nach wie vor in großem Umfang verletzt. Wenn Missbrauch normalisiert, verschleiert oder ignoriert wird, spiegelt dies ein systemisches Versagen bei der Wahrung von Rechten wider. Die Mitgliedstaaten haben klare Verpflichtungen, Gewalt zu verhindern, Opfer zu schützen und den Zugang zur Justiz zu gewährleisten – und diese Ergebnisse zeigen, dass noch immer dringender Handlungsbedarf besteht.“

Österreich nur knapp unter EU-Schnitt
Jede zehnte Frau in der EU wurde von ihrem Partner laut Bericht bereits körperlich angegriffen und verletzt, Österreich liegt mit 8,6 Prozent aller Frauen nur knapp unter dem EU-Schnitt. 6,6 Prozent EU-weit und 4,9 Prozent in Österreich hatten Angst, ihr Partner könnte sie umbringen. Ebenfalls jede zehnte Frau gibt an, in ihrem Leben bereits Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein (Österreich: 8,7 Prozent). Am höchsten ist diese Zahl mit fast 22 Prozent in Schweden, am niedrigsten mit 2,3 Prozent in Bulgarien. Dies könnte daran liegen, dass in den skandinavischen Ländern mehr Gewaltverbrechen angezeigt werden.

Beziehungstaten seltener gemeldet
Europaweit werden Beziehungstaten seltener gemeldet als Gewalt durch Nicht-Partner: Nur 6,1 Prozent der Frauen in der EU zeigten körperliche oder sexuelle Misshandlung durch ihren Partner bei der Polizei an, gegenüber 11,3 Prozent, wenn sie von Nicht-Partnern angegriffen wurden. Fast die Hälfte der Opfer von Vergewaltigungen meldet Angriffe durch Fremde wegen Schamgefühl oder Selbstvorwürfen nicht. Angst vor Vergeltungsmaßnahmen des Täters und die Überzeugung, dass die Polizei nicht helfen könne, sind weitere Gründe.

  Von psychischer Gewalt durch ihren Partner berichtete ein Drittel aller Frauen. Dazu gehören Demütigungen, Eifersucht, Einschüchterungen oder kontrollierendes Verhalten. Österreich liegt hier mit 36,9 Prozent etwas über dem EU-Durchschnitt. Auch die Digitalisierung spielt laut Studie eine immer größere Rolle: 8,5 Prozent der europäischen Frauen wurden im Internet gestalkt und 7 Prozent der berufstätigen Frauen wurden online sexuell belästigt. Der Aufenthaltsort jeder zehnten Frau wurde von ihrem Partner überwacht oder verfolgt.

„Wenn Frauen nicht darauf vertrauen können, dass Institutionen sie schützen, müssen wir uns fragen, was sich ändern muss – und nicht, was Frauen zusätzlich tun sollten“, betont EIGE-Direktorin Carlien Scheele. „Diese Ergebnisse sind ein Fahrplan für Regierungen: Prävention, frühzeitiges Eingreifen, spezialisierte, geschlechtersensible und opferzentrierte Dienste müssen zum Standard werden und dürfen keine Option bleiben.“ Die Umfrage wurde gemeinsam von Eurostat, FRA und EIGE durchgeführt und basiert auf über 114.000 Interviews, die zwischen September 2020 und März 2024 geführt wurden.

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