"Eine große Sünde"

Australien bereut Misshandlung von Kindern in Heimen

Ausland
16.11.2009 10:57
Mit einer bewegenden Rede hat sich der australische Premier Kevin Rudd für die jahrzehntelange Misshandlung und Vernachlässigung von einer halben Million Kinder in Heimen entschuldigt. Australien bereue "die absolute Tragödie verlorener Kindheiten", sagte Rudd am Montag vor rund tausend Opfern im Parlament in Canberra. Und auch der britische Premier Gordon Brown wird sich bei den über 130.000 britischen Kindern entschuldigen, die bis 1967 aus ihren Familien gerissen und in Ex-Kolonien verschifft wurden.

"Wir sind heute zusammengekommen, um die Entschuldigung unserer Nation anzubieten, um ihnen, den 'vergessenen Australiern', und denen, die als Kinder ohne ihre Zustimmung zu unseren Ufern geschickt wurden, zu sagen, dass es uns leid tut."

Der Premier bat die rund 500.000 sogenannten "vergessenen Australier" und deren Angehörige um Verzeihung für die Vergehen der Behörden zwischen den 30er- und 70er-Jahren. Viele Kinder, oft von britischen Einwanderern, wurden damals aus ihren Familien herausgerissen oder unverheirateten Müttern weggenommen. In den staatlichen und kirchlichen Einrichtungen wurden sie oft seelisch, körperlich und sexuell missbraucht. 

"Dies ist eine hässliche Geschichte"
Laut einer Studie des Senats aus dem Jahr 2004 litten viele Kinder auch unter Vernachlässigung und Erniedrigungen. Oft wurden ihnen Essen, Bildung und medizinische Versorgung vorenthalten. "Dies ist eine hässliche Geschichte. Die Wahrheit ist, dass eine große Sünde begangen wurde", sagte Rudd, der sich bereits im Februar 2008 in einer vielbeachteten Geste bei den Ureinwohnern des Landes, den Aborigenes, entschuldigt hatte.

130.000 britische Kinder weggeschickt
Auch der britische Premierminister Gordon Brown will sich Anfang nächsten Jahres dafür entschuldigen, dass sein Land bis 1967 zehntausende Kinder zum Teil ohne Einverständnis ihrer Eltern in frühere Kolonien geschickt hat. 

Insgesamt brachten spezielle Agenturen damals mehr als 130.000 britische Kinder zwischen drei und 14 Jahren nach Australien, Kanada, Neuseeland, Südafrika und in das heutige Simbabwe - angeblich um ihnen dort ein besseres Leben zu ermöglichen (im rechten Bild zehnjährige Zwillingsbrüder 1950 in Liverpool, kurz vor ihrer Abreise nach Neuseeland). Ein Grund für diese Politik war nach Angaben von Opferverbänden, dass in den Kolonien "weiße Briten" angesiedelt werden sollten.

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