"Krone": Die Hypo hat also deutlich mehr als eine Milliarde Euro in den Sand gesetzt – ein Wahnsinn. So eine Summe übersteigt schon die Vorstellungskraft vieler. Wann hat das Land als Miteigentümer von dem Finanzdebakel erfahren?
Harald Dobernig: Ich wusste schon, dass es nicht gut ausschaut und dass es 2009 wieder ein Minus gibt. Aber von über einer Milliarde Euro Verlust hat man mich auch erst am Dienstag informiert, wie alle anderen.
"Krone": Merkwürdig. Immerhin gehört Kärnten immer noch rund 13 Prozent der Bank.
Harald Dobernig: Die Wahrheit ist, dass wir wohl einen Vertreter im Aufsichtssrat haben, der aber nur Zuhörer bei der Bayern LB ist. Mehr Einfluss besteht da nicht mehr.
"Krone": Sind Sie froh darüber?
Harald Dobernig: Natürlich! Der Preis und der Zeitpunkt, zu dem wir die Bank verkauft haben, war ja nicht der blödeste.
"Krone": Die deutsche Justiz glaubt, er sei sogar zu hoch gewesen und ermittelt!
Harald Dobernig: Nein, nein, wir hatten Gutachten, das war schon okay so. Ich schließe aus, dass da was falsch gelaufen ist – genauso wie ich nicht glaube, dass Kärnten von dem Minus direkt betroffen ist.
"Krone": Das Land haftet bei der Hypo mit 20 Milliarden Euro.
Harald Dobernig: Das ist nur eine theoretische Ausfallsbürgschaft, die Kärnten für die alte Landesbank abgegeben hat. Die wird niemals schlagend – denn wenn die Hypo in Konkurs müsste, würde sie als Systembank (die Hypo Group Alpe Adria gehört zu den sechs systemrelevanten und wichtigsten Großbanken Österreichs, Anm.) verstaatlicht werden.
"Krone": Wer ist Ihrer Ansicht nach schuld an dem Desaster?
Harald Dobernig: Einer allein wird's nicht sein. Da möchte ich mir anschauen, wer wann welches Geschäft verpatzt hat. Jetzt jemanden den Kopf runterzureißen, bringt nichts.
"Krone": Neo-Vorstand Pinkl?
Harald Dobernig: Leistet gute Arbeit. Er muss jetzt schauen, dass er eine g'scheite Geschäftsstrategie auf die Beine stellt.
"Krone": Ex-Boss Kulterer – es heißt ja, seine Osteuropaexpansion sei das Problem?
Harald Dobernig: Möglich. Für mich ist die Hypo eine Regionalbank, die zu schnell gewachsen ist. Daher wohl zu viel Risiko bei Krediten eingegangen ist. Dazu die Krise.
"Krone": Bekommen Sie denn Detailinformationen der Bank?
Harald Dobernig: Am Montag fliege ich zu einer außerordentlichen Sitzung nach München. Da erwarte ich schon Aufklärung.
"Krone": Die Hypo wird dagegen Geld von Ihnen erwarten.
Harald Dobernig: Keinen Cent! Das habe ich schon gesagt. Finanzminister Pröll wurde bereits um Staatshilfe gebeten – das Land kann sich aber nichts mehr leisten, wird auch bei einer Kapitalerhöhung auf keinen Fall mitziehen.
"Krone": Wie geht's dem Kärntner Zukunftsfonds bei der Hypo?
Harald Dobernig: Der hat damit nichts zu tun. Die fixen 624 Millionen Euro liegen sehr konservativ veranlagt in fünf Tranchen. Die schlechteste davon wird jährlich ausgetauscht.
von Kerstin Wassermann ("Kärntner Krone")








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