Wende vor 20 Jahren
So feierte Deutschland das “Fest der Freiheit”
Auch die Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens und Russlands sowie US-Außenministerin Hillary Clinton ergriffen das Wort, nachdem sie durch das Brandenburger Tor marschiert waren. US-Präsident Barack Obama wurde per Videobotschaft eingeblendet. "Es konnte keine deutlichere Zurückweisung der Tyrannei und keine stärkeres Zeichen für Freiheit geben", sagte er. Österreich wurde durch Kanzler Werner Faymann vertreten.
Die Bilder vom "Fest der Freiheit" findest du oben!
Höhepunkt der Feier war ein symbolischer Mauerfall: 1.000 überdimensionale Dominosteine wurden auf einer Strecke von zwei Kilometern zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor vom ehemaligen polnischen Präsidenten Lech Walesa und dem ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Miklos Nemeth umgestoßen. Die Steine waren von Menschen in aller Welt künstlerisch gestaltet worden.
Sarkozy: "Berliner haben Mauer der Schande zerstört"
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sagte, am 9. November 1989 habe die ganze Welt nach Berlin geschaut. "Es waren die Berliner, die die Mauer der Schande zerstört haben. Diese Mauer, die alle für unzerstörbar hielten, sie haben sie niedergerissen." Der russische Präsident Dmitri Medwedew wies darauf hin, dass die Wende in der Sowjetunion durch die Politik der Perestroika und des Glasnost vorbereitet wurde: "Von diesen Veränderungen hat ganz Europa profitiert. Der Eiserne Vorhang wurde überwunden und die Grenzen wurden überwunden." Clinton betonte: "Wir wissen, dass Millionen von Herzen hinter jenen standen, die wirklich die Mauer niederrissen."
Merkel und Gorbatschow überqueren Grenzstreifen Bornholm
Den ganzen Tag über fanden in Berlin Andachten, Aktionen und Empfänge statt. Merkel überquerte den ehemaligen Grenzstreifen zusammen mit dem früheren Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, an der Bornholmer Straße. Dort wurde die Mauer vor 20 Jahren zuerst geöffnet, und auch Merkel gelangte damals zusammen mit Tausenden anderen DDR-Bürgern nach West-Berlin.
Die Kanzlerin sprach von der "Erfüllung eines Traums". Er sei aber auch eine Verpflichtung, Verantwortung bei der Lösung von Konflikten weltweit zu übernehmen. Merkel mahnte zu weiteren Anstrengungen zur Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost-und Westdeutschland: "Die deutsche Einheit ist noch nicht vollendet."
Köhler: "Nicht alle Hoffnungen haben sich erfüllt"
Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler nannte den Mauerfall bei einem Empfang für die Staatsgäste im Schloss Bellevue eine Epochenwende zu Freiheit und Demokratie. "Im Nachhinein können wir viele Gründe für die friedliche Revolution benennen, aber sie bleibt auch ein Wunder." Wie Merkel forderte er die Europäer auf, das Glück der Wende als Verpflichtung zur Verantwortung in der Welt zu begreifen. "Denn nicht alle Hoffnungen der euphorischen Zeit nach 1989 haben sich erfüllt." Es habe sich gezeigt, dass der Ost-West-Konflikt Probleme wie Armut, Hunger und Unterentwicklung nur in den Hintergrund gedrängt habe.
Heftiger Streit um Darstellung des Mauerfalls
Pünktlich zum 20. Jahrestag des Mauerfalls ist in Deutschland aber auch ein heftiger Streit entbrannt. "Wer hat Anteil am Mauerfall - und wer nicht?" lautet die Frage, die die Emotionen hochgehen lässt. Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), selbst aus dem Osten stammend, monierte, dass die Darstellung des Mauerfalls im Rückblick in manchen Fällen schief gerate. So sei es falsch, wenn Altkanzler Helmut Kohl (CDU) als derjenige hingestellt werde, dem Deutschland die Einheit zu verdanken habe, sagte Thierse im Bayerischen Rundfunk. "Nein, die Ostdeutschen haben die Mauer eingedrückt, damit hat Helmut Kohl nichts zu tun."
Walesa: "Papst bei Mauerfall wichtiger als Gorbatschow"
Unter den Ehrengästen der Feierlichkeiten ist derweil ein ähnlicher Streit entflammt. Der ehemalige polnische Präsident Lech Walesa bestritt, dass der Mauerfall vor allem dem ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow zu verdanken sei. Es sei "eine Lüge", dass Gorbatschow die Mauer zu Fall gebracht habe, sagte der Friedensnobelpreisträger am Montag dem polnischen Fernsehsender tvn24. Viel wichtiger sei die Rolle des damaligen Papstes Johannes Paul II. und der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc gewesen, die Walesa anführte. "Es macht mich heute traurig, dass Helden aus denen gemacht werden, die keine waren", sagte Walesa.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.