Fr, 19. Oktober 2018

Schlüsselkarte gehackt

27.04.2018 08:47

Zugang zu Millionen Hotelzimmern offen

Forscher der finnischen Sicherheitsfirma F-Secure haben eine massive Lücke in den Zugangssystemen weltweit operierender Hotelketten entdeckt, das von Angreifern kompromittiert werden kann, um sich Zugang zu allen Räumen zu verschaffen. Die Schwachstelle wurde in der Software des Schließsystems Vision by VingCard gefunden - eine Lösung, die weltweit Millionen Zimmer in hochrangigen Hotels sichert.

Die Sicherheitsexperten nutzten bei ihrem Angriff gewöhnliche elektronische Schlüsselkarten des Hotels. Diese waren teilweise längst abgelaufen, ausgemustert oder dienten lediglich dem Zugang zu Garagen oder Abstellräumen. Anhand der Informationen auf dem Schlüssel konnten die Experten jedoch einen Hauptschlüssel mit Zugangsberechtigungen generieren, um so jeden Raum im Gebäude öffnen zu können. Der Angriff blieb völlig unbemerkt und lies auch keine Spuren zurück.

„Sie können sich sicherlich vorstellen, was eine Person mit bösartigen Absichten alles anstellen könnte, wenn er mit einem Generalschlüssel, der im Grunde kinderleicht generiert wurde, jedes Hotelzimmer betreten kann“, so Tomi Tuominen von F-Secure. Allerdings: „Uns ist momentan niemand bekannt, der diesen speziellen Angriff in der Realität durchführt.“

Durch Versuch und Irrtum zum Erfolg
Das Interesse der F-Secure-Forscher am Hacking von Hotelschlössern wurde bereits vor etwa 15 Jahren geweckt, als der Laptop eines Kollegen während einer Sicherheitskonferenz in Berlin aus einem Hotelzimmer entwendet wurde. Als die Experten den Diebstahl meldeten, wies das Hotelpersonal die Beschwerde zurück, da es weder Zeichen eines gewaltsamen Eindringens noch Beweise für unbefugten Zugriff in den Zutrittsprotokollen gab.

Die Forscher beschlossen, dem Problem auf den Grund zu gehen und nahmen eine Hotellösung unter die Lupe, die für Qualität und hohe Sicherheitsstandards bekannt ist. Erst bei einer Untersuchung des gesamten Systemdesigns wurde deutlich: Werden mehrere kleinere Schwachstellen kombiniert, kann ein Angriff durchgeführt werden. Die Analyse dauerte mehrere tausend Stunden und einige Trial-and-Error-Versuche, um letztlich zum Erfolg zu führen.

„Kreativ kombiniert“
„Wir wollten herausfinden, ob es möglich ist, das elektronische Schloss zu knacken, ohne Spuren zu hinterlassen“, ergänzt F-Secure-Spezialist Timo Hirvonen. „Die Entwicklung eines wirklich sicheren Zutrittskontrollsystems ist sehr schwierig, weil es eine Vielzahl von Kleinigkeiten gibt, die zu beachten sind. Als wir verstanden hatten, wie das System konzipiert wurde, tauchten zunächst scheinbar harmlose Mängel auf. Wir haben diese dann kreativ kombiniert, um eine Methode zur Erstellung von Generalschlüsseln zu entwickeln.“

Hersteller Assa Abloy hat inzwischen ein Update mit Sicherheits-Bugfixes veröffentlicht, um das Problem zu beheben. „Wir bitten jede Einrichtung, die diese Software nutzt, das Update so schnell wie möglich einzuspielen“, mahnt F-Secure.

 krone.at
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