Kein Ende der Gewalt

Selbstmordattentat in Pakistan fodert Dutzende Tote

Ausland
02.11.2009 08:53
Ein mutmaßlicher Taliban-Selbstmordattentäter hat in der pakistanischen Großstadt Rawalpindi mindestens 35 Menschen mit in den Tod gerissen und weitere 45 Personen teils schwer verletzt. Der Motorradfahrer hat sich vor einer staatlichen Bank in die Luft gesprengt, bei der Regierungsangestellte, Militärs und Angehörige der Sicherheitskräfte zu dem Zeitpunkt ihr Gehalt abholten.

Viele der Opfer seien auch ältere Menschen, die ihre Pension in der Bank abholen wollten, erklärte die Polizei am Montag. Der Angreifer habe demnach zunächst eine Handgranate auf die Schlange stehenden Menschen vor der Bank geworfen und dann den Sprengstoff gezündet, der anscheinend in seinem Motorrad versteckt gewesen sei. Bei der Detonation seien ein in der Nähe liegendes Hotel sowie mehrere Autos beschädigt worden, die an einer Ampel warteten. Der Tatort liegt auch wenige hundert Meter vom Armee-Hauptquartier der südasiatischen Atommacht entfernt, das erst vor drei Wochen Ziel eines Taliban-Angriffs war.

Die pakistanische Regierung verurteilte das Attentat, betonte aber, die Offensive in Süd-Waziristan an der afghanischen Grenze werde fortgesetzt. Der erneute Anschlag in der Nähe des Machtzentrums des Militärs schürt die Furcht davor, die Atomwaffen des Landes könnten in die Hände der Islamisten fallen. Die Armee geht derzeit in der Unruheregion Süd-Waziristan gegen Extremisten vor. Diese reagierten zuletzt immer wieder mit Anschlägen auf die Offensive.

Regierung setzte kurz zuvor Kopfgeld auf Taliban-Führer aus
Die Regierung hatte unmittelbar vor dem neuerlichen Anschlag ein Kopfgeld auf die Führungsriege der Taliban ausgesetzt. Bis zu fünf Millionen Dollar wurden für ihre Ergreifung - tot oder lebendig - ausgelobt. "Diese Menschen sind definitiv Mörder der Menschlichkeit und verdienen eine abschreckende Bestrafung", hieß es Montag früh in einer Anzeige, die in den Medien veröffentlicht wurde. Daneben waren Bilder des Taliban-Anführers Hakimullah Mehsud und sieben weiterer hochrangiger Kommandanten zu sehen. "Helfen Sie der Regierung von Pakistan, damit diese Menschen ihre gerechte Strafe bekommen!" Für Mehsud, seinen leitenden Berater Wali-ur-Rehman und seinen Cousin Qari Hussain Mehsud, der als "Mentor der Selbstmordattentäter" bekannt ist, wurde ein Kopfgeld von jeweils rund 400.000 Euro festgesetzt.

Das Militär hatte bei seinem Vormarsch in Süd-Waziristan erst vor kurzem Kotkai, den Geburtsort Hakimullah Mehsuds und die Heimat Hussain Mehsuds eingenommen. Derzeit rückt sie auf weitere Hochburgen der Taliban im Grenzgebiet zu Afghanistan vor. Am Montag gab die Armee bekannt, sie habe eine der Taliban-Hochburgen in Süd-Waziristan, den Ort Kanigurram, "vollkommen von Terroristen gesäubert".

UNO setzt Entwicklungshilfe im Nordwesten des Landes aus
Die Vereinten Nationen reagierten am Montag auf die Sicherheitslage: Die langfristige Entwicklungshilfe im Nordwesten werde ausgesetzt, teilte UNO-Sprecherin Amena Kamaal in Islamabad mit. In den Stammesgebieten und der Nordwest-Provinz liege der Fokus künftig auf humanitärer Hilfe und anderen dringend erforderlichen Einsätzen. Welche Programme von der Entscheidung betroffen sind, stand zunächst nicht fest. Vor vier Wochen waren bei einem Selbstmordanschlag auf das Büro des Welternährungsprogramms (WFP) in der Hauptstadt Islamabad mindestens fünf Menschen getötet worden. Bei einem Anschlag auf ein Hotel in Peshawar wurden im Juli elf Menschen getötet, darunter fünf UNO-Mitarbeiter.

Bei einer Serie von Anschlägen starben in Pakistan in den vergangenen zwei Jahren fast 2.400 Menschen, die in der Mehrzahl der Taliban-Organisation Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) zugeschrieben werden. Erst der vergangenen Woche wurden bei einem Autobombenanschlag auf einem Markt in der Großstadt Peshawar im Nordwesten des Landes mindestens 118 Menschen getötet.

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