Di, 11. Dezember 2018

Stelzer im Interview

06.04.2018 09:01

„Gab Augenblicke, da blieb die Welt kurz stehen“

Zwar sind Thomas Stelzer kaum graue Haare gewachsen, sein erstes Jahr als LH hatte es aber dennoch in sich. Mit der „Krone“ sprach er auch über Themen abseits der täglichen Politik

Vom Gefühl, wie schnell ist Ihr erstes Jahr vergangen?
Wie ein Huscher, die Zeit ist ja förmlich dahingerast.

Hört sich an, als wären Sie ziemlich fremdbestimmt.
Die Intensität ist um ein Eck höher geworden. Es gibt viele fixe Termine, Anlässe, Anfragen und Besprechungen. Das war mir aber im Vorhinein bewusst, und ich mache es sehr gerne. Während des Tages bin ich jetzt meist in einem halbstündigen Rhythmus eingetaktet.

Graue Haare sind Ihnen offenbar keine gewachsen.
Ich habe das Glück, dass man meine grauen Haare nicht sieht, obwohl es manche Situationen gab, die an den Nerven zerrten.

Bevor Sie im Vorjahr Landeshauptmann wurden, sagten Sie mir, Kinder sind genauso wichtig wie Staatsgeschäfte. Ist es Ihnen gelungen, einen Tag pro Woche für die Familie zu reservieren?
Wir haben uns Rituale, wie das gemeinsame Frühstück, bewahrt. Via Handy oder WhatsApp bin ich untertags so gut wie fast immer erreichbar. Und das ist mir sehr wichtig, weil man sonst den Bezug verliert. Auch am Wochenende versuche ich immer, mir für uns Freiräume zu schaffen.

Bleibt weiterhin Zeit, Ihre Anzüge selbst zu bügeln?
Ja, die halte ich nach wie vor selbst in Schuss und bügle sie täglich in der Früh auf.

Respekt, nur - wie schaffen Sie das zeitlich?
Das geht wirklich sehr schnell, praktisch ruckzuck, wenn Sie wollen, schule ich Sie gerne einmal ein

Oje, jetzt wechseln wir das Thema. Lassen Sie uns lieber über die Gebühren für die Kindergartennachmittagsbetreuung reden. Die Einführung hat viel Staub aufgewirbelt, würden Sie wieder so vorgehen?
Die Kritik und die Demonstrationen vor dem Landhaus haben mich nicht kalt gelassen. Man hinterfragt die Dinge. In diesem Fall bin ich der Meinung, dass es richtig war, weil wir unser Budget nicht auf Kosten einer Gruppe neu aufgestellt haben. Jeder Bereich soll beitragen. Eher nicht so optimal war, dass wir die Gebühr so zügig und rasch eingeführt haben.

Wenn wir schon beim Sparen sind, mein Kollege und „OÖ-Krone“-Politikchef Werner Pöchinger hat Sie diesbezüglich als eine Art „schwäbische Hausfrau“ bezeichnet. Ärgert Sie so ein Vergleich?
Nein, wenn dahintersteht, dass ich in der Politik genauso agiere wie jede Privatperson handeln muss. Dann fasse ich es als Kompliment auf. Über die Wortwahl kann man aber durchaus noch diskutieren (lacht).

Ein Blick zurück auf die letzten zwölf Monate: Worauf sind Sie als Landeshauptmann denn besonders stolz?
Dass wir die angekündigten Ziele, wie keine neuen Schulden zu machen, Schritt für Schritt umsetzen, weil davon viele profitieren.

Und auf welche Erfahrung hätten Sie gerne verzichtet?
Dass man mehr als vorher - durchaus auch persönlich - angefeindet wird. Das gehört offenbar zum Geschäft, da muss man drüberstehen. Es gab allerdings auch recht herbe Schicksalsschläge

Darf ich fragen, was Sie damit konkret meinen?
Das tragische Unglück bei dem Zeltfest im Innviertel mit zwei Todesopfern. Oder, als in Linz die Eltern eines unserer Spitzenbeamten ermordet worden sind. Das sind Augenblicke, da bleibt kurz einmal die Welt stehen.

Erst kürzlich war Innenminister Herbert Kickl in Oberösterreich. Einer Ihrer Wünsche an ihn war mehr Polizei. Hat das eventuell mit dem Doppelmord in Linz zu tun?
Das kann durchaus im Unterbewusstsein eine Rolle gespielt haben. Aber auch andere Dinge haben dazu geführt, dass wir die Sicherheitsmaßnahmen in öffentlichen Gebäuden verstärken. Wir dürfen einfach nicht zu leichtfertig mit gewissen Tendenzen, die es bei uns eben auch gibt, umgehen.

Besteht Anlass zur Sorge?
Nein, wir sind ein Wohlfahrtsstandort, haben ein gut funktionierendes Sicherheitssystem, eine ausgezeichnete Polizei. Wir müssen jedoch auch zeigen, dass uns das etwas wert ist. Ganz im Sinne von Prävention und damit niemand auf blöde Gedanken kommt.

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