22.03.2018 16:13 |

„Er hat mich gequält“

Mann bei Ehestreit mit Essigsäure überschüttet

Die angeklagte 55-Jährige ist so hager und blass, dass der Kärntner Richter Christian Liebhauser immer wieder besorgt hinschaut und sie Cola für den Kreislauf trinken lässt. Glaubt man ihr, hat sie ein Ehedrama hinter sich, das letztlich in einer Säureattacke gegen den Mann gipfelte. Er dagegen meint, alles sei gut gewesen.

Ein Beispiel für gelungene Integration ist das bosnische Ehepaar nicht. Obwohl es seit Jahrzehnten in Österreich lebt, sind die Deutschkenntnisse minimal. Wie da ohne Dolmetscher überhaupt ein Polizeiprotokoll zustande gekommen ist, bleibt rätselhaft. Fakt ist aber, dass die 55-Jährige den Noch-Gatten mit 80-prozentiger Essigsäure überschüttet hat. „Er hat mich immer beleidigt, beschimpft, ich konnte irgendwann nicht mehr“, sagt sie. „Wir waren leider nie gut darin, so wie andere Menschen miteinander zu reden.“

„Lassen Sie sich scheiden!“
Das Opfer, das von einem Ehemartyrium nichts wissen will, hatte Glück und konnte den Kopf drehen - so blieb es bei Verbrennungen einzelner Hautpartien. Im Gesicht, vor allem an den Augen, hätte die Säureattacke schlimm ausgehen können, weshalb Staatsanwältin Tina Frimmel-Hesse den Versuch einer absichtlich schweren Körperverletzung angeklagt hat - darauf stehen bis zu zehn Jahre Haft.

Richter Liebhauser folgt dem zwar, findet mit 18 Monaten teilbedingter Haft aber einen Mittelweg. Für die verhärmte Frau gibt es noch einen Tipp: „Lassen Sie sich scheiden!“ Nicht rechtskräftig.

Kerstin Wassermann, Kronen Zeitung

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