Tote auf Dosen

Katastrophale Zustände in größter US-Einfrier-Klinik

Ausland
03.10.2009 12:56
Allein die Vorstellung, sich nach dem Tod einfrieren zu lassen, um durch die Medizin irgendwann wiederbelebt werden zu können, klingt für viele nach Geldverschwendung. Doch das Geschäft mit der Kryonik boomt. Ein Buch offenbart jetzt, wie in Einfrier-Instituten wirklich gearbeitet wird. Zumindest in der größten derartigen Klinik scheint jeglicher Respekt vor den Toten zu fehlen.

Der Buchautor Larry Johnson hat im Jahre 2003 acht Monate für die "Alcor Lebensverlängungsstiftung" gearbeitet und danach weiter über das Institut recherchiert. Seine Erlebnisse fasst er in Buch "Frozen: My Journey Into the World of Cryonics, Deception and Death" zusammen.

Johnson berichtet über katastrophale hygienische Zustände und makabre "Späße" der Mitarbeiter des Instituts, das Menschen nach ihrem Tod mithilfe flüssigen Stickstoffs auf minus 190 Grad Celsius kühlt und bis zur "Wiederauferstehung" in Metall-Boxen lagert. Laut eigenen Angaben ist die Firma "World leader" in Sachen Kryonik.

Kopf auf Thunfischdosen gelagert
Als prominentes Beispiel führt Johnson den US-Baseballstar Ted Williams an, der sich nach seinem Tod 2002 im Alter von 83 Jahren einfrieren ließ. Williams Leiche sei nach dem Einfrieren geköpft worden, obwohl er ein "full body freezing" garantiert bekommen habe. Der Kopf des Baseballstars ruhe in einer tiefgekühlten Metallkiste auf einer leeren Thunfisch-Dose, deren Inhalt zuvor die "Hauskatze" des Instituts verspeist habe, schreibt der Arzt.

Als Williams Kopf einmal in einen anderen Kühlbehälter übersiedelt werden musste, versuchte ein Mitarbeiter der Klinik die festgefrorene Dose mit einer schweren Beißzange abzuschlagen. Er hatte erst beim zweiten Schlag Erfolg. "Überall im Raum lagen gefrorene Stückchen von Williams Kopf", schreibt Johnson. Nicht einmal Frankenstein könne diese Leichenteile wieder zusammenflicken.

Mitarbeiter ließen sich mit Williams-Leiche fotografieren
Johnson bestätigt in seinem Buch auch einen Bericht der US-Zeitung "Sports Illustrated", wonach Williams Sohn John Henry Teile der sterblichen Überreste seines Vaters "abzweigte", um sie als DNA-Souvenirs an Fans zu verkaufen. Er sei damals selbst die Quelle für die Story gewesen. John Henry Williams, der vor fünf Jahren an Leukämie gestorben ist, habe mit dem Einfrier-Institut diesen Deal ausgehandelt und die gewünschten "Reliquien" des Baseball-Säulenheiligen ausgehändigt bekommen.

Eine weitere makabre Szene aus "Frozen" wirft einen düsteren Schatten auf die Mitarbeiter der Klinik. Während der Präparation von Williams' Leiche sollen Mitarbeiter Erinnerungsfotos von sich und dem Toten gemacht haben. Er habe die Bilder mit eigenen Augen gesehen, auf denen Mitarbeiter den durch das Einfrieren bizarr verzerrten Gesichtsausdruck Williams' nachäfften, so Johnson.

Klinik dementiert und droht mit Klage
Die betroffene US-Klinik reagierte mit einem wütenden Dementi auf Johnsons Buch und droht dem Autor mit Klagen. "Wir weisen jegleiche Anschuldigung, insbesondere den Vorwurf der Leichenschändung, von uns." Man werde "mit allen rechtlich möglichen Mitteln zurückschlagen", hieß es.

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