Blindes Gemetzel
157 Tote bei Demo im afrikanischen Guinea
Thierno Maadjou Sow, der Präsident einer Guineanischen Menschenrechtsorganisation, schätzte die Zahl der Verletzten auf 1.250. Die BBC berichtete zuletzt von 125 Toten. Die Opposition warf der Führung vor, Leichen verschwinden zu lassen, um das Ausmaß des Massakers zu verschleiern.
Wie erst jetzt bekannt wurde, hatten die Sicherheitskräfte bereits am Montag das Feuer auf Zehntausende Gegner der seit Ende 2008 nach einem unblutigen Putsch an der Macht befindlichen Militärregierung eröffnet. Sie wollen vermeiden, dass Juntachef Oberst Moussa Dadis Camara im nächsten Jahr bei der Präsidentenwahl antritt.
Augenzeugen berichten von Vergewaltigungen
Augenzeugen berichteten der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass Soldaten außerdem Frauen vergewaltigt hätten. Demonstranten sollen mit Bajonetten und Messern erstochen worden sein. Camara räumte ein, dass Sicherheitskräfte bei dem Einsatz gegen die Demonstranten vereinzelt die Kontrolle über das Geschehen verloren hätten. Er bestritt jedoch, dass es zu Vergewaltigungen gekommen sei. Die BBC zitierte einen Augenzeugen mit den Worten: "Ich sah, wie mehrere Frauen ausgezogen und in Militärlastwagen gehievt wurden. Ich weiß nicht, was ihnen zugestoßen ist." Oppositionsanhänger Mouctar Diallo berichtete im französischen Radiosender RFI von grausamen Details.
EU zeigt sich "geschockt"
Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana verurteilte die gewaltsame Auflösung der Oppositionskundgebung scharf. Er rief die Militärregierung zur Zurückhaltung und zur sofortigen Freilassung festgenommener Oppositioneller auf, wie es in einer am Dienstag in Brüssel veröffentlichten Erklärung hieß. Die Führung des Landes müsse nun für einen "friedlichen und demokratischen Übergang" sorgen.
EU-Entwicklungskommissar Karel De Gucht zeigte sich "geschockt und zutiefst betrübt". Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Genau wie De Gucht forderte auch die Kommission der Afrikanischen Union, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. In einer Stellungnahme verurteilte die Organisation die Gewalt "gegen unbewaffnete Zivilisten" und "weitere schwere Verletzungen der Menschenrechte". Die Behörden müssten die Meinungs- und die Versammlungsfreiheit respektieren und politische Parteien zulassen.
ECOWAS fordert Rückzug der Soldaten
Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS betonte, Militärherrschaft sei keine Lösung für die Probleme Afrikas. Ihr Politischer Direktor, Abdelfatau Musah, forderte in einem Rundfunkinterview, die Soldaten in Conakry müssten umgehend in ihre Kasernen zurückkehren. Oberst Moussa Camara müsse außerdem klarstellen, dass er nicht bei den Wahlen im kommenden Jänner kandidieren werde. Die ECOWAS hatte nach dem Putsch die Mitgliedschaft Guineas ausgesetzt.
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