So, 19. August 2018

Hundert Verletzte

25.01.2018 14:41

Zugunglück in Mailand fordert mindestens drei Tote

Bei der Entgleisung eines Pendlerzugs vor den Toren Mailands sind Donnerstagfrüh drei Menschen ums Leben gekommen, vorherige Angaben zu den Todeszahlen wurden am Nachmittag korrigiert. Laut einer vorläufigen Bilanz der Rettungskräfte wurden weitere 100 Menschen verletzt und werden teilweise noch in Mailänder Krankenhäusern behandelt. Zwei Hubschrauber flogen die Verletzten in Spitäler.

Der Zug der lombardischen Bahngesellschaft Trenord entgleiste bei der Ortschaft Pioltello östlich von Mailand. Der Zug mit 350 Personen an Bord, vor allem Studenten und Pendler, war um 5.30 Uhr in Cremona in Richtung Mailand abgefahren. Das Unglück ereignete sich kurz vor 7 Uhr. Im dritten Waggon wurde die höchste Anzahl an Verletzten gemeldet. Zwei Waggons waren in einem 90-Grad-Winkel verkeilt.

Bei einem der Waggons waren einige Räder etwa zwei Kilometer lang nicht auf den Schienen, verlautete es aus der für die Bahninfrastruktur zuständigen Bahngesellschaft Rete Ferroviaria Italiana (RFI). Einer der drei betroffenen Waggons kollidierte dann mit einem Strommast, woraufhin der Zug entgleist sei.

"Strukturversagen des Bahngleises"
RFI-Sprecher Vincenzo Macello sprach von einem "Strukturversagen des Bahngleises".
Die Ermittler konnten auch den Lokführer bereits befragen. "Er hat uns wichtige Informationen geliefert, doch bis jetzt können wir noch keine klaren Angaben zu dem Unfall machen", sagte die Mailänder Staatsanwältin Tiziana Siciliano.

"Zug hat zu zittern begonnen"
Laut Zeugenaussagen hatte der Zug zunächst heftig gewackelt, als ob er über Geröll fahre. Nach einer heftigen Bremsung sei er dann entgleist. "Plötzlich hat der Zug zu zittern begonnen. Wir haben Lärm gehört und die Waggons sind entgleist", berichtete ein Passagier. Feuerwehrmannschaften arbeiteten stundenlang, um Fahrgäste aus den Trümmern des Pendlerzugs zu befreien.

Das Unglück ereignete sich auf einer der meistbefahrenen Strecken des lombardischen Bahnnetzes, auf der pro Tag rund 500 Züge rollen. Als Folge des Unfalls kam es zu erheblichen Problemen im lombardischen Bahnverkehr. Die Bahnlinie nach Brescia wurde geschlossen, Hochgeschwindigkeitszüge auf der Achse Mailand-Rom konnten nicht abfahren. Auch im Straßenverkehr rund um den Unglücksort gab es Behinderungen.

Eine der schlechtesten regionalen Bahnlinien Italiens
Laut dem Umweltschutzverband Legambiente ist die Strecke Cremona-Mailand als eine der schlechtesten regionalen Bahnlinien Italiens bekannt. "10.000 Pendler fahren täglich in langsamen und überfüllten Zügen, die durchschnittlich 17 Jahre alt sind", kritisierte Legambiente in einer Presseaussendung.

Das Bahnunglück entfachte heftige Diskussionen über die Sicherheit von Italiens regionalem Bahnverkehr, der in den vergangenen Jahren aus Spargründung einer starken Kostenrationalisierung unterzogen wurde. "Wir müssen unsere Anstrengungen für mehr Verkehrssicherheit verstärken", so der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala auf Facebook. "Schluss mit den Träumen von großen Bauwerken wie der Hängebrücke über die Meeresenge zwischen Sizilien und dem Festland. Wir müssen an die Infrastruktur denken, die die Menschen täglich für ihre Arbeit nützen." Der Bahntransport sei die Gegenwart und die Zukunft des Landes und müsse gestärkt werden. Er forderte einen Sonderplan der Regierung zur Stärkung der Bahninfrastruktur.

Der italienische Premier Paolo Gentiloni versprach empfindliche Strafen, sollte es Verantwortliche für das Unglück geben. Die Verkehrssicherheit müsse oberste Priorität sein. Ex-Premier Silvio Berlusconi sagte, dass Italien stärker in die Infrastruktur investieren müsse. Die Kluft gegenüber Ländern wie Spanien und Frankreich sei groß. "Man muss verhindern, dass sich solche Unfälle wieder ereignen", so Berlusconi.

Schwerstes Zugunglück seit 2016
Es handelt sich um das schwerste Zugsunglück in Italien seit Juli 2016. Damals waren beim Zusammenstoß zweier Passagierzüge in der süditalienischen Region Apulien 23 Menschen ums Leben gekommen. Auch damals handelte es sich um zwei regionale Züge.

 krone.at
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