15.09.2009 13:09 |

Erzfeind steigt aus

Brau-Union gibt Ottakringer-Anteile ab

Bei der börsenotierten Wiener Ottakringer Brauerei steht die Trennung vom langjährigen Miteigentümer Brau-Union/Heineken unmittelbar bevor. Nach mehr als elf Jahren steigen mit 17. September die Erzrivalen der Wiener Privatbrauerei aus - eine Woche bevor die Fusion mit Vöslauer besiegelt werden soll. Den Anteil des ungeliebten Miteigentümers von 13,43 Prozent übernehmen die Wiener Haupteigentümerfamilien. "Heute ist ein Ottakringer Feiertag", erklärte Konzernchef Sigi Menz am Dienstag. In Wien und St. Pölten soll es ab 16 Uhr Freibier geben.

"Wer sich mit uns freut, ist für heute von 16 bis 19 Uhr herzlich in unsere Shops in Wien und St. Pölten eingeladen." Ab 18 Uhr will Menz selber in Wien den Zapfhahn bedienen. Mit Menz' Formulierungen findet der "Bierkrieg" mit dem Erzrivalen Brau-Union nach mehr als elf Jahren einen formvollendeten Abschluss. Ottakringer sei nun ganz in österreichischer Hand, hob der Wiener Braukonzern-Vorstand in einer Mitteilung hervor.

Unliebsamen Teilhaber losgeworden
Die Brau-Union Österreich AG - zu ihr zählen Marken wie Schwechater, Kaiser, Zipfer, Gösser, Wieselburger, Puntigamer; die Mehrheit an der AG hält der niederländische Heineken-Konzern - war seit mehr als elf Jahren an dem Wiener Privatbraukonzern beteiligt. Dem vom Ottakringer-Vorstand als "Kriegserklärung" gewerteten Einstieg war damals ein familieninterner Streit von Ottakringer-Granden vorangegangen.

Die Brau Union hielt 172.454 Stammaktien und 4.370 Vorzugsaktien an Ottakringer. Aktuell beläuft sich das Aktienpaket auf 13,4 Prozent des Grundkapitals. Zu Börsekursen vom Montag wäre der Anteil damit 17 Millionen Euro wert. Über den Ausstiegs-Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Beschleunigt wurde die Trennung vom Vorhaben der Ottakringer, mit Verschmelzung der Wassersparte in den börsenotierte Bierkonzern doppelt so schwer zu werden. Ottakringer und Vöslauer gehören bisher über eine von den Familien Wenckheim und Menz dominierte Familienholding zusammen. Diese Familien-Holding greift auch die frei gewordenen Aktien auf, baut damit ihre Mehrheit noch einmal aus - auf dann rund 92,46 Prozent.

Anleger befürchteten "Verwässerung" durch Vöslauer-Fusion
Der Ausstieg wird per 17. September vollzogen. Und damit vor der Sonder-Hauptversammlung bei der Ottakringer, die am 21. September die Mineralwasserfirma Vöslauer durch Verschmelzung unter ihr Börsedach nimmt. Und somit noch bevor der dem Streubesitz zugerechnete Anteil der Brau-Union auf 6,2 Prozent Prozent verwässert worden wäre.

Um das Austauschverhältnis für diese Bier-Wasser-Fusion wird seit Wochen gestritten. Anlegerschützer formierten sich schon, drohten mit Klagen. Eine Überbewertung der Wassersparte und "Verwässerung" der Minderheitsaktionäre war kritisiert worden. Minderheitsaktionäre fürchteten, aus dem Unternehmen gedrängt zu werden, wenn der Streubesitz (zurzeit 24 Prozent inklusive Brau-Union/Heineken) unter 10 Prozent fällt. Die Ottakringer-Spitze hat im Vorfeld aber "Squeeze out"-Ängste zerstreut.

Brau-Union-Anteil war "schlechtes Bonbon"
Um die Trennung verhandelt haben Ottakringer-Chef Sigi Menz und für Heineken-Zentraleuropa-Chef Nico Nusmeier und seine österreichischen Vorstandskollegen seit Monaten. "Jetzt mit Vöslauer hat es eine neue Entwicklung gegeben", sagte Nusmeier. Der Heineken-Manager bestätigte, dass er einmal an einem Mehr an Ottakringer interessiert war. Wettbewerbsgesetze und europäisches Übernahmerecht sprachen dagegen, ebenso das Beharren der Ottakringer-Braufamilien Wenckheim und Menz auf der Mehrheit ("Unverkäuflich") und schließlich eigene Markt- und Markenüberlegungen.

"Ottakringer ist ein gutes Unternehmen, aber wir kamen keinen Schritt weiter", sagte Nusmeier. Dass der langjährige Brau-Union-Anteil für Ottakringer eine "poison pill" war, die die Wiener Brauer daran hinderte, andere - strategische - Partnerschaften zu finden, spielt Nusmeier heute herunter: "Vielleicht ein schlecht schmeckendes Bonbon, aber keine poison pill."

Nachdem der Rivale Heineken als bisheriger qualifizierter Minderheitsaktionär ab Donnerstag draußen ist, wäre Ottakringer frei für eine andere strategische Partnerschaft, heißt es in der Branche. "Derzeit kein Thema. Wir sind weiter nicht verkäuflich", sagte Menz namens der Eigentümerfamilien.

Zweitgrößte Privatbrauerei Österreichs
Die Ottakringer Brauerei hat mehr als 200 Mitarbeiter und setzt rund 80 Millionen Euro im Jahr um. Sie beschreibt sich als "zweitgrößte Privatbrauerei Österreichs".

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