Afghanistan-Angriff
Bundeswehr empört über Verhalten der US-Armee
Nach Ansicht deutscher Militärs sei der Bericht eine "bodenlose Frechheit", berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung". Entgegen üblichen Verfahren habe das siebenköpfige NATO-Untersuchungsteam von US-General Stanley McChrystal einem US-Journalisten erlaubt, die Ermittlungen zu verfolgen. "Das stinkt zum Himmel", sagte ein Bundeswehr-Angehöriger dem deutschen Blatt. "Offensichtlich ist Oberst Klein das Bauernopfer, um das deutsche Engagement in Afghanistan zu diskreditieren."
Die "Washington Post" hatte unter Berufung auf ein NATO-Erkundungsteam berichtet, Klein habe den Angriff auf Grundlage von nur einer Quelle befohlen. Die ISAF wies den Bericht mit Verweis auf noch laufende Ermittlungen inzwischen zurück.
In den vergangenen Jahren hätten sich zwischen den Verbündeten viele Verstimmungen aufgebaut, nicht zuletzt wegen der oft von deutscher Seite getätigten Kritik an dem militärischen Vorgehen der USA. "Das ist die Retourkutsche", heißt es jetzt dort. Zudem gebe es das Gerücht, dass die USA die Deutschen aus Kunduz "herausekeln wollten".
Steinmeier und Merkel fordern rasche Untersuchung
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat indes eine rasche internationale Untersuchung des von der Bundeswehr angeordneten Luftangriffs in Afghanistan gefordert. Der Vorfall müsse "schnellstmöglich und rückhaltlos" aufgeklärt werden, so Steinmeier. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte eine zügige und umfassende Aufklärung des Vorfalls. Dazu müsse schnell ein NATO-Untersuchungsteam bereitgestellt werden, das auch aufklären solle, ob es zivile Opfer gegeben habe, sagte Merkel. "Wenn es zivile Opfer gegeben hat, dann werde ich das natürlich zutiefst bedauern." Die gesamte Strategie der Bundeswehr sei darauf ausgerichtet, Vertrauen bei der Bevölkerung zu erreichen.
Steinmeier erklärte, es müsse deutlich gemacht werden, dass alles getan werde, um zivile Opfer zu vermeiden. Dies sei auch wichtig, um das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung zu gewinnen. "Wir werden die Taliban nur besiegen, wenn wir die Unterstützung der afghanischen Bevölkerung haben und gemeinsam gegen den Terrorismus vorgehen", sagte Steinmeier.
Kritik an Verteidigungsminister Jung
Die oppositionellen Grünen erhoben schwere Vorwürfe gegen den deutschen Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) wegen dessen Informationspolitik nach dem NATO-Luftangriff. Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei warf Jung "absolutes Versagen" vor. Jung unterschätze völlig die politisch-psychologische Wirkung des verheerenden Angriffs in Kunduz, sagte Nachtwei. Jung müsse "so rückhaltlos, so glaubwürdig und vor allem so schnell wie möglich die Hintergründe aufhellen". Jetzt seien "offene und konkrete Worte" des Verteidigungsministers ebenso gefragt wie eine "deutliche Entschuldigung an die Adresse der Familien der Opfer."
Noch immer herrscht Unklarheit über genaue Opferzahl
Nach Angaben der Internationalen Afghanistan-Truppe ISAF sollen die Ermittlungen zum Beschuss von zwei von den Taliban gekaperten Tanklastzügen in der nordafghanischen Provinz Kunduz umgehend beginnen. Die Bundeswehr beziffert die Zahl der Toten auf "mehr als 50" und schließt zivile Opfer aus. Die "Washington Post" berichtete unter Berufung auf ein NATO-Erkundungsteam von 125 Toten, von denen mindestens zwei Dutzend keine Aufständischen sein sollen. Die Provinzregierung in Kunduz wiederum spricht von 54 Toten, darunter sechs Zivilisten.
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