29.08.2009 17:04 |

"Danke, Toni!"

Sportwelt nahm Abschied von Skilegende Sailer

In einer zweistündigen Trauerfeier im Zielgelände der Hahnenkammrennen ist am Samstag der am Montag im Alter von 73 Jahren verstorbene Skistar Toni Sailer feierlich verabschiedet worden. Anschließend zog der Trauerkondukt von Sailers "Wohnzimmer" durch Kitzbühel, zum Friedhof, wo der Skistar im engeren Familienkreis beigesetzt wurde. Rund tausend Trauernde, darunter viel Prominenz aus der Sportwelt, der Politik und Wirtschaft begleiteten bei strömenden Regen "den schwarzen Blitz aus Kitz", den österreichischen Jahrhundertsportler.
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"Ohne Sailer ist Kitzbühel nicht mehr das Kitzbühel was es einst war", sagte Anderl Molterer, der extra zum Begräbnis seines Freundes aus Amerika angereist war. "Er war ein Superbursche und wir haben immer viel gelacht. Ich wünsche ihm jetzt alles Gute." Molterer bildete mit Sailer, der mit drei Olympischen Goldmedaillen 1956 in Cortina Geschichte geschrieben hatte, Fritz Huber, Ernst Hinterseer, Hias Leitner und dem bereits verstorbenen Christian Pravda das "weiße Wunderteam".

Es waren Generationen von erfolgreichen Skirennläufern zum Abschied des Skiidols in Kitzbühel erschienen. Neben den vier noch lebenden Mitgliedern des Wunderteams begleiteten auch Franz Klammer (Abfahrtsolympiasieger 1976) und Leonhard Stock (Olympiasieger 1980) den schlichten Holzsarg, den ein großes Bouquet roter Rosen schmückte, durch die Gamsstadt.

"Danke, Toni!"
Die französische Skilegende Jean Claude Killy, der es 1968 in Grenoble als bisher einzigem Athleten gelang, die drei Goldmedaillen Sailers bei Winterspielen einzustellen, sprach über die Galionsfigur des alpinen Skisportes: "Du warst der größte Skifahrer aller Zeiten. Du warst das Licht und bist das Licht, das uns in die Zukunft blicken lässt. Danke, Toni."

Salzburgs Weihbischof Andreas Laun, der mit Kitzbühels Stadtpfarrer Michael Struzynski den Trauergottesdienst leitete, sagte in Anspielung auf den strömenden Regen: "Jemand sagte zu mir, selbst der Himmel weint. Aber das stimmt nicht ganz, der Himmel hat jetzt unseren Toni mit Freude aufgenommen." Zum Abschluss des Trauergottesdienstes sang Hubert von Goisern einen berührenden Jodler, Sailers Lieblingsmusik.

Mehr als nur ein Sportler
In allen Reden wurden Sailers Verdienste um den alpinen Skisport, aber auch dessen menschliche Seite und Kraft gewürdigt. Sportminister Norbert Darabos meinte, es sei gänzlich unmöglich, angemessene Worte zu finden, für Sailers Leistungen um den Sport, aber auch für den Menschen Sailer: "Trotz des Wissens um seine Krankheit, blickte er immer nach vorne und nicht zurück. Seine Bescheidenheit war ein Zeichen seiner Größe."

Peter Schröcksnadel führte als Präsident eine große Abordnung des österreichischen Skiverbands (ÖSV) an. Für die aktuelle Mannschaft, die derzeit auf Trainingslager in Chile weilt, kamen stellvertretend Hermann Maier und Nicole Hosp zu den Begräbnisfeierlichkeiten. "Toni hat Leistungen für Österreich erbracht, die es nie mehr wieder gab. Durch Toni hat Österreich die Kompetenz im Skisport gewonnen. Die Wirtschaft und viele Hoteliers müssen hinaufblicken und danke sagen", verwies der ÖSV-Präsident, der als Jugendlicher am Radio hing, um Sailers Erfolge zu verfolgen, auf den alpinen Boom, den Sailer losgetreten hat.

In den Reden wurde aber auch Sailers Rolle als Idol betont. Ein Idol, das im Nachkriegs-Österreich den Menschen Hoffnungen gab, das viele Generationen prägte. "Er war mehr als nur ein erfolgreicher Sportler", sagte Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler.

Für den internationalen Skiverband (FIS) reiste Präsident Gian Franco Kasper extra von Vancouver (CAN) an, um von einem langjährigen Weggefährten Abschied zu nehmen. "Sailer war einer der wenigen Sportler, die bereit waren, nach der Karriere dem Skisport etwas zurück zu geben", meinte der Schweizer in Anspielung darauf, dass Sailer bis zu seinem Tod Vorsitzender des Alpin-Komitees in der FIS war. "Er war der Philosoph des alpinen Skisportes und ein Visionär, der immer den Wald und nicht einzelne Bäume sah. Er wird in der FIS für immer unvergessen bleiben."

Doch nicht nur Skifahrer wie Stephan Eberharter, Fritz Strobl, Harti Weirather mit Gattin Hanni Wenzel oder der deutsche Olympiasieger Markus Wasmeier gaben Sailer das letzte Geleit. Auch sein langjähriger Golffreund Franz Beckenbauer. "Er war immer lustig und fröhlich, auch in den letzten Jahren trotz seiner schweren Krankheit", meinte der "Kaiser". "Er wird mir als Freund immer in Erinnerung bleiben."

Berührende Worte von Sailers Familie
Im Anschluss an die Eucharistiefeier und die Reden zog der Trauerkondukt durch die Gamsstadt. Vorne weg die Abordnungen der Vereine, hinter der Kutsche die Familie angeführt von Sailers zweiter Frau Hedi, die von Sailers Sohn Florian an der Hand geführt wurde.

Der jüngere Bruder Rudi Sailer erzählte von der Privatperson und bedankte sich in berührenden Worten bei Sailers Witwe. "Hedi, Du hast mit Deiner Liebe Tonis Leben um viereinhalb Jahre verlängert. Danke schön." Und mit Tränen in den Augen und fast erstickter Stimme rief er Toni zu: "Ich sitze immer noch auf meinem Platz im Rasmushof, du wirst aber jetzt niemals mehr vorbeikommen, mich abzuholen. Vergelt's Gott, Toni!"

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