"Attacke bestellt"

Stein-Wurf gegen Topolanek inszeniert?

Ausland
25.08.2009 13:22
Eine Stein-Attacke gegen den Chef der tschechischen konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) und ehemaligen Premier Mirek Topolanek am vergangenen Freitag im südmährischen Hustopece nimmt ein neues Ausmaß an: Medienspekulationen zufolge hat die ODS den Zwischenfall selbst inszeniert, um sich als "Opfer" vor den vorgezogenen Parlamentswahlen im Oktober zu präsentieren. Auslöser dieser Spekulationen war die Aussage eines der vier Täter, wonach "hier die Möglichkeit besteht, dass die Attacke seitens des Teams von Herrn Topolanek" bestellt worden sei. Topolanek hat das aber bestritten.

Die Tageszeitung "Lidove noviny" schrieb, dass der Vorfall einen "bizarren Hintergrund" habe. In diesem Zusammenhang berichtete das Blatt, dass die ODS selbst über den Zwischenfall sofort in einer Presseaussendung informierte und nur wenige Minuten nach der Attacke professionell gemachte Fotos des verletzten ODS-Chefs lieferte.

Täter stellten sich selbst der Polizei
Alle vier Täter, die höchstens für eine Ordnungswidrigkeit bestraft werden können, stellten sich unterdessen freiwillig der Polizei, wollten dazu aber keine Informationen geben. Nur einer von ihnen kommunizierte mit Medienvertretern. Er beschwerte sich darüber, dass der Auftraggeber, dessen Identität er nicht kenne, ihm und seinen Komplizen nur einen Teil der vereinbarten Summe bezahlt habe. Sie hätten Topolanek aber nur mit Eiern und nicht mit Steinen beworfen.

Topolanek betrachtet den Zwischenfall sowie dessen Zuschiebung an die ODS als eine "gesteuerte Provokation". "Man wird das alles bestimmt weiter spielen. Sie (die Täter, Anm.) werden aussagen, dass die Attacke von Marek Dalik (Topolaneks Freund und Berater, Anm.) bestellt wurde", erklärte der ODS-Chef.

"Wünschen keine Attacken von Provokateuren"
Der Hauptrivale Topolaneks, der Chef der Sozialdemokraten (CSSD), Jiri Paroubek, kritisierte den Zwischenfall neuerlich und betonte, die CSSD wünsche einen anständigen und auf Programme orientierten Wahlkampf. "Wir wünschen keine Attacken von Provokateuren auf den Wahlkampfversammlungen. Auch wünschen wir nicht, dass die Politiker mit Steinen oder Eiern beworfen werden", betonte Paroubek, der mit seinen Parteikollegen vor den Juni-Europawahlen zum Ziel einer beispiellosen Eier-Attacke wurde.

Die Attacke gegen Topolanek hatte sich am Freitag im Schwimmbad in Hustopece ereignet, wo sich der Ex-Premier im Rahmen seiner Wahlkampf-Fahrradrundfahrt durch Südmähren im August aufhält. Nachdem er seine Teilnahme an einem Volleyball-Spiel beendet hatte, wurde er von einer Menschenmenge mit Steinen und Eiern beworfen und erlitt eine leichte Kopfverletzung, die vor Ort behandelt wurde.

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