Übernahme-Poker
Zukunft von Opel weiter ungewiss
Die Bundesregierung habe seitens der Spitze des Unternehmens-Managements das "ganz klare Interesse signalisiert bekommen, dass man eben gerade diesen Investorenprozess weiter vorantreiben will", sagte Guttenberg im ZDF. Die Bundesregierung bleibe gesprächsbereit. Es gehe jetzt darum, "die Dinge zu klären". Guttenberg äußerte die Hoffnung, bald zu einem "tragfähigen Ergebnis" zu kommen. Der Minister schloss jedoch nicht aus, dass sich die Verhandlungen bis nach der Bundestagswahl hinziehen könnten. Er zeigte gleichzeitig Verständnis für das Interesse von GM, die Bindungen zu Opel zu erhalten. Dies sehe das Konzept des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna unter anderem auch vor, sagte Guttenberg.
Teile des GM-Verwaltungsrats wollen an Opel festhalten
GM hatte nach dem Treffen mit Vertretern von Bund und Ländern in Berlin bestätigt, dass Teile des Verwaltungsrats an Opel festhalten wollen. Ein Verbleib der deutschen Tochter im Mutterkonzern wäre eine Kehrtwende, nachdem es zuletzt nur noch um die Frage gegangen war, ob GM Opel an Magna oder den belgischen Finanzinvestor RHJ International verkauft. Die deutsche Bundesregierung favorisierte bisher Magna, GM dagegen RHJI.
Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, ließen Vertreter der Bundesregierung bei den Gesprächen am Dienstag erstmals Bereitschaft erkennen, einem Verkauf an RHJI zuzustimmen. Voraussetzung sei, dass der Finanzinvestor einen international agierenden Konzern aus der Automobilbranche als "strategischen Partner" präsentiert.
EU-Industriekommissar Günter Verheugen forderte die Bundesregierung zu größerer Zurückhaltung auf. Die Verantwortung für die Zukunft der europäischen GM-Unternehmen liege immer noch beim Eigentümer und könne nicht ersetzt werden durch das "Handeln einer Regierung", sagte Verheugen dem "Hamburger Abendblatt". Es sei zudem "riskant, wenn so komplexe Unternehmensentscheidungen in die Zwänge eines Wahlkampfs geraten".
Kritik von Opposition und Gewerkschaften
Kritik kam auch von der Opposition. "Die Bundesregierung hat der deutschen Öffentlichkeit eine Einigung vorgeheuchelt, die keine war", sagte Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel forderte in der "Berliner Zeitung", die Regierung müsse GM zu einer schnellen Entscheidung drängen und notfalls dafür sorgen, dass deutsches Steuergeld aus dem Unternehmen wieder an den Staat zurückfließt.
Bei den Gewerkschaften stieß ein möglicher Verbleib Opels bei GM auf scharfe Kritik. Dies werde den Autobauer die Werke Antwerpen, Bochum und Eisenach kosten, sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz der "Berliner Zeitung". Der "Welt" sagte Franz, sollte es keine Loslösung Opels von GM geben, werde die Belegschaft die geplanten Arbeitnehmerbeiträge zur Sanierung des Unternehmens in Höhe von 1,5 Milliarden Euro nicht aufbringen. "Nur Geld aufzutreiben, das dann bei GM verbrannt wird, wie in der Vergangenheit, das wird es mit uns nicht geben."
Insolvenzverfahren in Rekordzeit
Der ehemals weltgrößte Autobauer GM hatte vor wenigen Wochen – gestützt durch milliardenschwere Hilfen der US-Regierung – sein Insolvenzverfahren in der Rekordzeit von 40 Tagen durchlaufen und will nun an die Größe vergangener Tage anschließen. Die Europatochter mit jährlich 1,5 Millionen verkauften Wagen ist dabei höchst willkommen.
Betriebsrat warnt vor Werksschließungen
Der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz hat vor Werksschließungen gewarnt, sollte GM den deutschen Autobauer behalten. "Das Zukunftskonzept von GM für Opel sieht unter anderem die Schließung von Eisenach, Bochum oder Antwerpen vor, außerdem drastischen Personalabbau und die Kappung von Investitionen", sagte Franz der Tageszeitung "Die Welt". Dafür werde die Belegschaft "keinen einzigen Cent" bereitstellen.
Die Konzepte von GM für Opel seien nicht zukunftsweisend, sagte Franz der "Berliner Zeitung". Die Opel-Arbeiter würden gegen die Pläne des US-Konzerns "mit allen Mitteln" vorgehen. Der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werks, Rainer Einenkel, sagte am Mittwoch im Radiosender WDR5, Berichte, wonach GM Opel nun nicht mehr verkaufen, sondern in Eigenregie weiterführen wolle, seien "sehr ernst zu nehmen". Allerdings sei der US-Konzern vermutlich nicht mehr in der Lage, den deutschen Autobauer alleine weiterzuführen und brauche einen Investor.
Rückkauf finanziell kaum zu stemmen
Der Plan, Opel zu behalten, hat allerdings einen Haken – GM fehlen für den Rückkauf die finanziellen Mittel. Zunächst müsste der US-Konzern 1,5 Milliarden Euro aufbringen um den in Deutschland von Bund und Ländern gewährten Überbrückungskredit abzulösen. Danach müsste GM weitere Milliarden für die Sanierung des Autobauers aufbringen. Derzeit hält eine Treuhandgesellschaft 65 Prozent an Opel, 35 liegen bei GM.
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