Nach 24 Stunden

Mutmaßlicher Bombenleger ergibt sich

Ausland
20.08.2009 18:58
Nach einem aufreibenden Nervenkrieg hat sich der Bombenleger von Viernheim im deutschen Bundesland Hessen widerstandslos der Polizei ergeben. Als der Mann nach 24 Stunden Belagerung am Donnerstagvormittag vor die Haustür trat, hatte er zuvor stundenlang Sprengsätze in seiner Wohnung entschärft, wie die Polizei am Donnerstag in Viernheim berichtete. In der Wohnung sei eine Vielzahl von Waffen und Sprengstoff gefunden worden. Der 44 Jahre alte Installateur und Ex-Wachmann eines Munitionsdepots der US-Armee habe zudem in einer anderen Wohnung im benachbarten Weinheim ein Kilogramm TNT gelagert.

Als Motiv vermuten die Ermittler die allgemeine Perspektivenlosigkeit des einschlägig vorbestraften und verschuldeten Mannes. Er sei seit dem Jahr 2000 geschieden und habe nur wenige Freunde. Gegen ihn liefen in der Vergangenheit zwei Vollstreckungsverfahren, bei denen es aber nur um 250 Euro ging. Dass Mittwoch früh der Gerichtsvollzieher kommen sollte, sei möglicherweise der letzte Auslöser für die Verzweiflungstat gewesen. Nach Informationen von "bild.de" behauptet der Handwerker jedoch, dass ihm mehrere Kunden Geld schulden. Zudem soll es um Mietstreitigkeiten gehen.

"Zugesagt, sich am Donnerstag zu ergeben"
Der Mann hatte sich bereits Mittwoch früh der Polizei am Telefon zu erkennen gegeben und sei mit ihr im ständigen Kontakt gestanden. Noch am Mittwochabend habe er zugesagt, sich am nächsten Morgen zu ergeben. Er wurde am Donnerstag vernommen und sollte spätestens am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden, sagte Oberstaatsanwalt Gerd Neuber.

Mann als Militärfan bekannt
Die Ermittler beschuldigen den als Militärfan bekannten Mann, der früher Wachmann in einem US-Munitionslager war, des mehrfachen Mordversuches und Herbeiführens einer Explosion. Polizei-Einsatzleiter Harald Schneider vermutete, dass der Sprengstoff aus seiner Dienstzeit bei der US-Armee stamme. Das sei aber noch nicht geklärt. Der Ex-Soldat wurde 1987 und 1991 wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und wegen des verbotenen Umgangs mit explosiven Stoffen zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt.

Zwei Sprengsätze gezündet
Der 44-Jährige wird verdächtigt, am Mittwoch an zwei Häusern im südhessischen Viernheim und im baden-württembergischen Weinheim mehrere Sprengsätze gezündet und damit großen Sachschaden verursacht zu haben. Während es in Weinheim bei Sachschaden blieb, gab es bei dem Anschlag in Hessen Verletzte: Ein 32-jähriger Mann und seine 31 Jahre alte Ehefrau schlugen eine Scheibe ein, um mit den sieben und neun Jahre alten Kindern fliehen zu können. Das Ehepaar zog sich Schnittverletzungen zu, der Bub und das Mädchen erlitten einen Schock. 

Anrainer nach Aufgabe erleichtert
Am Donnerstagvormittag ging die Zermürbungstaktik der Polizei schließlich auf – der 44-Jährige ergab sich. Die Nachbarn in der beschaulichen Wohngegend atmeten auf. Seit Mittwochmorgen hatte der Ausnahmezustand geherrscht. "Gott sei Dank", sagte Maria Nägel, die in dem von der Polizei abgesperrten Bereich wohnt. "Meine Tochter hat mir gerade zugerufen: ‘Sie haben ihn!‘."

Anrainer Manfred Lang (63) zeigt Verständnis dafür, dass die Polizei die Wohnung des Mannes nicht stürmte. Die Polizei war davon ausgegangen, dass der 44 Jahre alte Handwerker weiteren Sprengstoff in der Wohnung hatte. "Deshalb hat es halt auch so lange gedauert."

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