Herzversagen

Südkoreas Ex-Präsident Kim Dae Jung gestorben

Ausland
18.08.2009 07:55
Der Vorkämpfer für die Demokratie in Südkorea und die Aussöhnung mit dem kommunistischen Norden ist tot: Der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete langjährige Oppositionsführer und ehemalige Staatspräsident Kim Dae Jung starb am Dienstag im Alter von 83 Jahren. Er erlag in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Seoul, in dem er seit Mitte Juli behandelt wurde, einer Lungenembolie und mehrfachem Organversagen, wie Klinikchef Park Chang Il bekanntgab.

Die Frau des Friedensnobelpreisträgers, drei Söhne und frühere enge Mitarbeiter waren in seinen letzten Minuten an seiner Seite. Regierung und Opposition würdigten in übereinstimmenden ersten Reaktionen den Toten als eine der bedeutendsten Führungspersönlichkeiten in der Geschichte des Landes, die ihr ganzes Wirken in den Dienst von Menschenrechten und Demokratie gestellt habe.

"Sonnenscheinpolitik" eingeleitet
Kim Dae Jung, der 1981 als inhaftierter Regimegegner in der Todeszelle den österreichischen Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreis zugesprochen bekommen hatte, hat als Kämpfer für Demokratie und Menschenrechte Hausarrest, Gefängnis und Anschläge er- und überlebt. Unter der Militärdiktatur zum Tode verurteilt, war er nach der Demokratisierung von 1998 bis 2003 Staatspräsident. Nach eigener Darstellung inspiriert von der Ost-Politik Willy Brandts Anfang der 1970er-Jahre, leitete er die sogenannte Sonnenscheinpolitik gegenüber dem kommunistischen Norden ein und reiste 2000 zu einem Treffen mit Machthaber Kim Jong Il nach Pjöngjang, wofür ihm im gleichen Jahr der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde.

Politische Karriere 1954 gestartet
Der gläubige Katholik begann seine politische Karriere bereits 1954 als Gegenkandidat des ersten südkoreanischen Präsidenten Syngman Rhee. Unter den Diktaturen der Generäle Park Chung Hee (1961-79) und Chun Doo Hwan (1980-88) wurde er brutal verfolgt. Ein schwerer Autounfall, der eine dauerhafte Behinderung und Gehbeschwerden zur Folge hatte, ging offenbar auf das Konto des südkoreanischen Geheimdienstes KCIA. 1973 wurde Kim Dae Jung von Geheimdienstagenten aus seinem japanischen Exil verschleppt, nach seiner Darstellung, um ihn auf hoher See zu töten. 

Washington protestierte massiv, die US-Streitkräfte schickten einen Hubschrauber, der tief über dem Schiff kreiste. Der Plan wurde vereitelt. 1980 zum Tod verurteilt, durfte Kim nach Umwandlung der Strafe in 20 Jahre Haft 1982 in die USA ausreisen. Nach der Demokratisierung konnte er heimkehren, um nach erfolglosen Kandidaturen 1987 und 1992 Ende 1997 zum Präsidenten gewählt zu werden.

Vorwürfe der Korruption nach der Amtszeit
Nach dem Ende der Amtszeit Kim Dae Jungs wurde bekannt, dass Gelder des Hyundai-Konzerns illegal an Nordkorea geflossen waren und Personen aus dem Umfeld des Ex-Präsidenten hohe Summen angenommen hatten. Es wurde ihm auch verschiedentlich vorgeworfen, von Nordkoreas Nuklearwaffenprogramm gewusst, seine Informationen aber verheimlicht zu haben.

Kim Dae Jungs unmittelbarer Nachfolger Roh Moo Hyun, der sich im Mai das Leben genommen hat, setzte die "Sonnenscheinpolitik" fort. Seit dem Amtsantritt des konservativen Präsidenten Lee Myung Bak 2007 wurde diese jedoch ausgesetzt. Der Tonfall ist wieder wesentlich schärfer geworden - nicht zuletzt wegen der nordkoreanischen Atom-und Raketentests. 

Kim Dae Jung setzte sich noch im Jänner für die Aussöhnung mit dem Norden ein. "Der Süden und der Norden waren im vergangenen halben Jahrhundert nie frei von Angst und gegenseitigem Misstrauen - nicht einmal für einen Tag", sagte er vor Journalisten. "Wenn wir zusammenarbeiten, dann werden beide Koreas Frieden und wirtschaftlichen Wohlstand genießen können." Angesichts der "schmerzhaften und tragischen" gemeinsamen Geschichte, müssten beide Landesteile zusammenarbeiten, um Frieden und Sicherheit auf der Halbinsel zu erreichen.

Obama würdigt Verdienste Kim Dae Jungs
US-Präsident Barack Obama würdigte Kim Dae Jung als "mutigen Vorkämpfer für die Demokratie und die Menschenrechte". Präsident Kim habe "sein Leben riskiert, um eine politische Bewegung zu gründen und zu führen, die eine entscheidende Rolle bei der Schaffung eines dynamischen demokratischen Systems auf der koreanischen Halbinsel gespielt hat", hieß es in einer am Dienstag vom Weißen Haus veröffentlichten Stellungnahme Obamas.

Kims Verdienste um sein Land, seine "unermüdlichen Bemühungen" für einen Frieden in Korea und seine persönlichen Opfer für die Freiheit blieben unvergessen, betonte der US-Präsident. Im Namen des amerikanischen Volkes spreche er Kims Familie und dem koreanischen Volk sein Mitgefühl aus.

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