Neuer Machtfaktor

Ex-Warlord Dostum nach Afghanistan heimgekehrt

Ausland
17.08.2009 15:19
Der umstrittene afghanische General Abdul Rashid Dostum ist am Sonntag aus dem türkischen Exil nach Afghanistan zurückgekehrt. Er wurde auf dem Flughafen von Kabul von Anhängern begeistert begrüßt. Dabei werden Dostum schwere Menschenrechtsverletzungen zu Beginn des Kriegs in Afghanistan vorgeworfen. Der einstige Milizführer soll für den Tod von bis zu 2.000 gefangenen Taliban vor acht Jahren verantwortlich sein. Dostum, dessen Miliz damals Teil der mit den USA verbündeten Nordallianz war, hat die Anschuldigungen freilich stets zurückgewiesen.

Präsident Hamid Karzai ernannte Dostum 2005 zum Stabschef der Streitkräfte. Im vergangenen Jahr war er von diesem Posten, der vor allem symbolischen Charakter hat, abgelöst worden, weil gegen ihn der Verdacht bestand, einen politischen Rivalen bedroht zu haben. Vor kurzem ist er aber von Karzai wieder eingesetzt worden. Karzai hofft offenbar, damit bei der Präsidentenwahl am kommenden Donnerstag Stimmen der usbekischen Minderheit zu bekommen, der Dostum angehört.

Eingesetzt, abgesetzt, zurückgeholt
Dostum ist dabei nicht der einzige Mann, dessen Unterstützung Karzai nun zu akzeptieren gedenkt, obwohl er diesen in den vergangenen Jahren sorgsam aufs Abstellgleis befördert hatte. Zu diesen Männern gehört auch Energieminister Ismail Khan. Vor Jahren hatte Karzai den ehemaligen Guerillakommandanten eigens nach Kabul geholt, um ihn von seinem mächtigen Posten als Gouverneur der westafghanischen Provinz Herat zu stoßen. Auch bei den Tadschiken, den mongolisch-stämmigen Hazara und Karzais eigener Bevölkerungsgruppe – den mit 40-Prozent-Bevölkerungsanteil dominierenden Paschtunen – baut Karzai auf ehemalige Warlords.

Gefährlicher Machtpoker Karzais?
Viele Afghanen und ausländische Diplomaten fürchten nun, dass sich Karzai dabei auf einen gefährlichen Machtpoker einlässt: Schließlich dürften die ehemaligen Guerillas eine Gegenleistung für ihre Loyalität verlangen – und sich damit einflussreiche Posten sichern. So erhebt der Publizist Mohammad Qasim Akhgar schon jetzt schwere Vorwürfe: "In Karzais nächster Regierung werden mit Sicherheit einige Menschenrechtsverletzer, Kommandanten und Kriegsherren sitzen." Posten würden nach dem Anteil der Stimmen vergeben, die sie Karzai bei der Wahl einbringen. "Ich glaube, das ist eindeutig eine abgemachte Sache."

Mujaheddin-Einfluss geht auf 1980er-Jahre zurück
Der Einfluss dieser Mujaheddin geht auf ihren vom Westen geförderten Kampf gegen die Besatzung durch die Sowjetunion in den 1980er-Jahren zurück. Nach dem Ende der von Moskau gestützten Regierung im Jahr 1992 bekriegten sie sich selbst, Zehntausende starben. Nachdem sie den USA 2001 beim Sturz der Taliban halfen, bekamen viele von ihnen führende Positionen in Karzais Regierung. Sie lieferten sich Machtkämpfe und brachten es zu beträchtlichem Wohlstand, manifestiert durch marmorne Paläste in Kabul. Unter dem Druck des Auslands hatte Karzai einige von ihnen durch unabhängigere Politiker ersetzt. Doch nun könnten sie zurückkehren.

Heftige Kritik an Allianz
Und das, obwohl diese Allianz auf harsche Kritik seitens der UNO und der USA stößt. "Unser Sonderbeauftragter hat in der Vergangenheit wiederholt erklärt, dass das Land mehr kompetente Politiker und weniger Kriegsherren braucht, um voranzukommen", sagte Aleem Siddique, Sprecher der UNO-Mission am Hindukusch. Auch ein US-Regierungsvertreter äußerte in Washington "schwere Bedenken" über die Rolle Dostums, dem Misshandlungen und Massaker während des Bürgerkriegs vorgeworfen werden. Der Ruf des Vier-Sterne-Generals des ehemaligen pro-sowjetischen Regimes werfe die Frage auf, ob er nicht für massive Menschenrechtsverletzungen strafrechtlich verfolgt werden müsse.

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