Das Positivste vorweg: 28.600 Zuschauer sorgten in der ausverkauften HYPO-Arena in Klagenfurt für eine tolle Kulisse, die es selbst bei Länderspielen in Wien nicht alle Tage gibt.
Eine tolle Kulisse, die zum Abschluss ihrer Teamkarriere auch Martin Hiden (36) und Ivica Vastic (39) in vollen Zügen genossen: Sie durften zu Beginn noch einmal ins ÖFB-Teamtrikot schlüpfen, die Hymne mitsingen und den Ehrenankick vornehmen, danach wurde es aber ernst.
Auch für Jürgen Macho - der derzeit vereinslose Tormann durfte in den ersten 45 Minuten das ÖFB-Gehäuse hüten. Beim ersten gefährlichen Schuss der Afrikaner wäre Macho freilich chancenlos gewesen, Superstar Samuel Eto'o verfehlte aus 17 Metern das rechte Kreuzeck hauchdünn (9.).
Schwacher Elfer von Scharner
Den optimalen Start für die (nur) zu Beginn schnell spielenden und Gefährlichkeit ausstrahlenden Österreicher vermasselte ausgerechnet Kapitän Paul Scharner: Yasin Pehlivan wurde im Strafraum von Jean Makoun am linken Bein getroffen, den darauffolgenden Elfmeter schoss Scharner zu schwach und zentral, sodass Goalie Carlos Kameni wenig Mühe hatte, mit der linken Hand zu parieren (14.).
Salzburg-Legionär Tchoyi bereitet 0:1 vor
Die Strafe für diese Nachlässigkeit folgte exakt eine Viertelstunde später. Salzburg-Legionär Somen Tchoyi setzte sich auf der linken Seite mühelos gegen György Garics durch, bei seiner Hereingabe stellte sich der "Ex-Kärntner" Manuel Ortlechner äußerst ungeschickt an, sodass der hinter ihm lauernde Pierre Webo den Ball problemlos an Macho vorbei über die Linie schieben konnte (28.). Ortlechner hatte von Constantini überraschend den Vorzug gegenüber den Deutschland-Legionären Christian Fuchs und Andreas Ibertsberger erhalten.
Scharner muss noch vor der Pause vom Feld
Damit war die Partie zugunsten der ballsicheren und technisch klar überlegenen Kameruner gekippt. Auch beim 0:2 sah die ÖFB-Defensive nicht gut aus. Nach einem sehenswerten Doppelpass zwischen Eto'o und Achille Emana parierte Macho zwar den Emana-Schuss, den Abstauber verwertete Webo jedoch mühelos (35.). Noch vor dem Wechsel war die Partie für Scharner beendet, Constantini brachte für ihn Leitgeb ins Spiel (40.). Nach einem kurzen Wortwechsel mit Constantini verschwand Scharner, dessen Einsatz wegen einer Verhärtung der Oberschenkelmuskulatur fraglich gewesen war, in der Kabine.
Österreich bleibt auch in Durchgang zwei harmlos
Vor Beginn der zweiten Spielhälfte gab es auf beiden Seiten zahlreiche weitere Wechsel, bei Österreich kamen zunächst Helge Payer, Sebastian Prödl und Christian Fuchs und etwas später Stefan Maierhofer (61.) und Debütant Christopher Trimmel (67.) ins Spiel. Bei Kamerun blieb Eto'o 65 Minuten auf dem Platz und wurde danach von den Fans mit riesigem Applaus verabschiedet. Wirklich gefährlich wurde Österreich in keiner Phase mehr, ein Freistoß und ein Fernschuss von Jakob Jantscher (52., 83.) über das Tor bedeuteten die größte Gefahr für Kameruns Tor.
Pfeifkonzert im Klagenfurter Stadion nach dem Abpfiff
Auf der anderen Seite rettete Payer gegen Albert Meyong-Ze (77.) und Daniel Ngom Kome (78.), Emana schoss alleine vor dem ÖFB-Tor über die Latte (84.). Für Österreich war es im dritten Länderspiel gegen Kamerun die erste Niederlage, bis Mittwoch hatte es zwei Remis (1:1 und 0:0) gegeben. Nach dem Schlusspfiff gab es von den Rängen ein Pfeifkonzert.
Österreich - Kamerun 0:2 (0:2)
Klagenfurt, Wörtherseestadion, SR Olsiak (SVK), 28.600 Zuschauer
Tore: Webo (28., 35.)
Österreich: Macho (46./ Payer) - Ortlechner (46./ Fuchs), Schiemer, Dragovic, Garics (46./ Prödl) - Jantscher, Pehlivan, Scharner (40./ Leitgeb), Hölzl (67./ Trimmel) - Hoffer (61./ Maierhofer), Janko
Kamerun: Kameni - Bassong (82./ Binya), Bikey (46./ Nguemo), Nkoulou, Geremi - Emana, Mbia, Webo (46./ Enoh), Makoun (46./ Chedjou), Tchoyi (46./ Ngom Kome) - Eto'o (65./ Meyong-Ze)
Stimmen zum Spiel
Marc Janko (ÖFB-Stürmer): "Wir haben es nicht verstanden, nach vorne einen konstruktiven Spielaufbau zu betreiben. Kamerun hatte einen günstigen Spielverlauf. Nach dem von uns verschossenen Elfmeter sind sie 2:0 in Führung gegangen, dann sind wir nur noch im Kreis gelaufen."
Paul Scharner (ÖFB-Kapitän): "Ich habe den Elfmeter geschossen, weil ich Verantwortung übernehmen wollte. Leider ist das gründlich in die Hose gegangen. Das nehme ich auf meine Kappe. Hätte ich getroffen, wäre der Spielverlauf sicher anders gewesen. Heute hat es einfach nicht funktioniert. Unsere junge Truppe braucht Zeit, wir wollen uns für die Zukunft entwickeln."
Dietmar Constantini (ÖFB-Teamchef): "Einen positiven Spielverlauf haben wir durch den zu locker geschossenen Elfer von Scharner hergeschenkt. Ich war mit Scharner unzufrieden, aber das weiß er auch. Es ist unprofessionell, wenn man einen Elfmeter so schießt. Viele Weltklassespieler haben schon Elfer verschossen, aber das war einfach zu locker. Wenn man gegen so eine Klassemannschaft dann 0:2 hinten liegt, läuft man nur mehr hinterher. Zufrieden war ich einmal mehr mit Dragovic, dem Jüngsten. Er hat mir sehr gut gefallen. Wir müssen in Zukunft zweikampfstärker spielen."
Paul Le Guen (Kamerun-Teamchef): "Wir haben ein gutes Spiel abgeliefert. Die ersten zehn Minuten waren zwar etwas wackelig, aber der Sieg geht absolut in Ordnung. Wir hätten sogar noch das eine oder andere Tor mehr schießen können. Bei den Österreichern hat es nach dem vergebenen Elfer einen Vertrauensverlust gegeben. Dann konnten wir ihrer Offensivkraft genug entgegensetzen und haben nichts mehr zugelassen."
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