Entführt und getötet
Wieder Menschenrechtlerin in Russland ermordet
Erst Mitte Juli war die Menschenrechtsaktivistin Natalja Estemirowa in Grosny verschleppt und wenig später in Inguschetien ermordet aufgefunden worden. Die 50-Jährige arbeitete für Memorial und war mit der 2006 ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja befreundet, die ebenfalls über die Verhältnisse in Tschetschenien recherchiert hatte.
Junges Pärchen offenbar erschossen
Sadulajewa, die Leiterin der russischen Menschenrechtsorganisation "Lasst uns die Generation retten", und ihr Ehemann Dschabrailow, ebenfalls ein Mitarbeiter der Organisation, seien einen Tag nach ihrer Entführung tot aufgefunden worden, bestätigte Memorial-Mitarbeiter Alexander Tscherkassow der Nachrichtenagentur AFP. Aus Kreisen des tschetschenischen Innenministeriums hieß es, die beiden Entführten seien in Grosny mit Schusswunden im Kofferraum ihres Autos gefunden worden. Das junge Paar war erst Mitte Zwanzig und hatte kurz zuvor geheiratet.
Verwirrung bei der Polizei
Sadulajewa und ihr Mann waren nach Memorial-Angaben am Montagnachmittag von fünf bewaffneten Männern aus dem Büro ihrer Organisation in Grosny verschleppt worden. Dann seien die Täter in das Büro zurückgekommen und hätten ein Mobiltelefon und das Auto des Mannes mitgenommen. Die Behörden teilten daraufhin mit, es lägen keine Hinweise auf eine Entführung vor. Laut Augenzeugen wären beide ohne Gewaltanwendung in das Auto gestiegen. Die Polizei leitete dennoch eine Untersuchung ein.
Engagierte Menschenrechtler
Die humanitäre Organisation "Lasst uns die Generation retten" setzt sich besonders für minderjährige Opfer des Tschetschenien-Krieges ein und will verhindern, dass Jugendliche von einer der bewaffneten Gruppen in der zu Russland gehörenden autonomen Republik rekrutiert werden. Sadulajewas Mann hatte bei der medizinischen Behandlung und der Versorgung der Kinder mit Prothesen mitgewirkt. Sadulajewa engagierte sich seit mehreren Jahren für notleidende Kinder und organisierte außerdem medizinische Behandlungen.
Auch dagestanischer Journalist getötet
Weiters wurde am Dienstag ein lokaler Zeitungsjournalist in Dagestan nach Polizeiangaben erschossen. "Die Leiche von Malik Achmedilow wurde am Mittag mit einer Kopfschuss-Wunde gefunden", teilte ein Polizeisprecher mit. Achmedilow war ein Redakteur der Zeitung "Chakikat", die in der awarischen Sprache Dagestans erschien.
Tschetschenen-Präsident: "Zynisch und unmenschlich"
Tschetscheniens pro-russischer Präsident Ramsan Kadyrow bezeichnete die Taten der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge als "zynisch" und "unmenschlich". Menschenrechtsorganisationen werfen dem von Moskau gestützten Präsidenten jedoch vor, mit einer eigenen Miliz Entführungen zu planen und Gegner zu foltern. Nach dem Mord an der Memorial-Mitarbeiterin Estemirowa im Juli hatte die Organisation Kadyrow für die Tat verantwortlich gemacht, was dieser zurückwies.
Kadyrow wies ebenso Anschuldigungen einer möglichen Verwicklung in das Verbrechen am Dienstag zurück. Der Tod Sadulajewas sei ein Versuch, die Republik zu destabilisieren und die Menschen einzuschüchtern, sagte er russischen Nachrichtenagenturen zufolge. Nach Aussagen von Kritikern hat sich Kadyrow in Tschetschenien jedoch eine auf Angst, Schrecken und Straflosigkeit basierende Herrschaft geschaffen. Die rückhaltlose Unterstützung Moskaus sichere Kadyrow dabei ab.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.