"Krone"-Interview

“Bin kein Gas-Befürworter”

Kärnten
06.08.2009 09:27
Eine Unterschrift auf einer Liste der Bürgerinitiative gegen das geplante Gas-Großdampfkraftwerk (GDK) in Klagenfurt sorgt für Zündstoff: Es ist die Signatur des Landeshauptmanns! Im Interview mit der „Krone“ erklärt Gerhard Dörfler, warum er kein Befürworter des Projekts ist und trotzdem alle Betroffenen zur Ruhe ermahnt.

Herr Landeshauptmann, die Bürgerinitiative legt eine Unterschriftenliste gegen das Kraftwerk mit Ihrem Namen drauf vor. Kann das sein?
Hm, dieses Gerücht kursiert schon länger.

Dann ist das also nicht Ihre Unterschrift?
Ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, bewusst gegen das Kraftwerk unterschrieben zu haben.

Und unbewusst?
Also, wenn da mein Name und meine Signatur stehen, dann werde ich das wohl unterschrieben haben. Ich stehe dazu, dass ich kein Befürworter der Anlage bin...

Dennoch wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach wohl gebaut werden.
...ich bin aber auch kein fanatischer Gegner. Weil es noch keine Alternativen gibt! Aber nehmen wir doch den Ausgang der Umweltverträglichkeitsprüfung nicht vorweg. Das ist ein qualitativ erprobtes Instrument, um solche Vorhaben umzusetzen oder auch nicht. Ich werde jeden Ausgang der UVP respektieren. Geht's positiv aus, wird gebaut. Und wenn nicht...

Was wäre dann?
Dann hat Klagenfurt ein ganz veritables Problem. Weil in Wahrheit ist dieses Kraftwerk aus der Altlast der Stadt resultiert. Man weiß schon ewig, dass man mit dem Fernheizwerk eine Dreckschleuder hat und dass etwas getan werden muss. Aber man hat es versäumt.

Gas ist aber wohl auch keine langfristige Option.
Nein, das ist nur eine Überbrückung für 20, 30 Jahre. Das ist uns bewusst. Bis dahin müssen Alternativenergien endlich weit genug entwickelt sein.

Was wäre mit Biomasse?
Kärnten hat aber nicht genug Holz, um damit soviel Strom  zu produzieren.

Moment, es heißt doch immer, das Gaswerk würde in erster Linie Wärme liefern.
Der Strom kommt jetzt aber auch nicht nur aus der Steckdose – jeder braucht's, keiner will mehr wissen.

Er wird importiert.
Genau. Und er hat kein Mascherl. Da könnte Atomstrom dabei sein. Das wäre mit dem GDK nicht der Fall.

Trotzdem: Das Kraftwerk wurde in den vergangenen Jahren anders verkauft.
Klar – Harald Scheucher ist ja wohl auch deswegen nicht mehr Bürgermeister von Klagenfurt, weil er die Bürger bei vielen Großprojekten nicht so informiert hat, wie er es hätte sollen: ECE, Stadion, GDK – durch sein Schweigen und Drüberfahren ist Misstrauen jetzt die Begleitmusik in der Stadt. Man hätte viel früher ehrlich über alles reden sollen. Deswegen sage ich offen: Kommt das GDK, ist der Doppelnutzen durch die hohe Stromproduktion wenigstens von Vorteil.

Kritiker meinen, die Belastung für Umwelt und Gesundheit würden die Vorteile nicht aufwiegen.
Solche Sorgen muss man auch ernst nehmen. Aber dafür gibt's ja die UVP. Die Gegner haben ja alle Möglichkeiten – bis zum Verwaltungsgerichtshof. Es sollten halt alle ruhig bleiben, nicht so heftig werden.

Wo liegt für Kärnten denn die Energie der Zukunft?
In Photovoltaik! Man sieht ja, wie interessiert da die Bürger sind, so schnell war das gesamte Fördervolumen weg. Da kann, da muss viel investiert werden.

von Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"

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