Welle der Gewalt

Über 600 Tote bei Kämpfen mit Sekte in Nigeria

Ausland
02.08.2009 13:54
Bei heftigen Kämpfen zwischen nigerianischen Sicherheitskräften und Anhängern einer radikal-islamischen Sekte sind Hunderte Menschen gestorben. Über 600 Tote seien geborgen worden, sagte am Sonntag ein Sprecher der Polizei in Maiduguri, der Hochburg der Rebellen. Ein Armeevertreter sprach sogar von 700 Toten. Generell wird aber noch mit einem Ansteigen der Opferzahlen gerechnet. Die Polizeikräfte mussten in den vergangenen Tagen dabei helfen, die Leichen von den Straßen der im Norden gelegenen Stadt zu schaffen.

Die von den Behördenvertretern genannte neue Opferzahl bezog sich nur auf Maiduguri, die Kämpfe erstreckten sich aber auch auf weitere Städte des Nordens. Wie viele Menschen insgesamt getötet wurden, ist nicht bekannt. Bisher hatten die Behörden von rund 300 Toten bei den Kämpfen mit den islamistischen Rebellen gesprochen.

Es habe bereits Massenbegräbnisse gegeben, um eine weitere Zersetzung der Leichen in der Hitze zu vermeiden, sagte Oberst Ben Ahanotu am Samstag. Eine Sprecherin des Roten Kreuzes befürchtete den Ausbruch von Seuchen, weil hunderte Leichen tagelang auf der Straße gelegen seien.

Hohe Gewaltbereitschaft der Sekte
Mehrere muslimische Geistliche erklärten am Sonntag, sie hätten die Behörden mehrfach vergeblich vor der Gewaltbereitschaft der Sekte Boko Haram ("Westliche Bildung ist Sünde") gewarnt. Die Sekte setzt sich - wie die Taliban in Afghanistan - für die Einführung einer strengen Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia, ein. Seit 12 der 36 Staaten des ölreichen Nigeria 1999 mit der Einführung von Formen der Scharia begonnen haben, kommt es immer wieder zu Gewalttaten.

Die Welle der Gewalt begann am 26. Juli, als islamistische Kämpfer mehrere Polizeistationen, Kirchen, Gefängnisse und Regierungsgebäude angriffen. In den vier betroffenen Staaten im Norden Nigerias ergriffen etwa 4.000 Menschen die Flucht. Zuletzt attackierten Regierungstruppen das Hauptquartier der Islamisten in Maiduguru sowie eine ihrer Moscheen und töteten etwa 100 Menschen. Sektenführer Mohammed Yusuf wurde am Donnerstag getötet. Die Polizisten nahmen ihn zunächst fest, erschossen ihn aber wenig später mit der Begründung, er habe zu fliehen versucht.

Harter Polizeieinsatz kritisiert
Menschenrechtler forderten eine Untersuchung der Umstände, unter denen Yusuf ums Leben gekommen ist. Ihren Angaben zufolge fielen dem harten Polizeieinsatz gegen die Boko Haram auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer. Die Polizei habe willkürlich geschossen, sagte Shamake Gad Peter von der nigerianischen Menschenrechtsliga dem UNO-Nachrichtendienst IRIN. Andere Augenzeugen hätten beobachtet, wie Polizisten gefangene Sektenmitglieder vor einer Polizeistation aus nächster Nähe erschossen hätten.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
02.08.2009 13:54
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung