Mallorca-Attentäter

Juan Carlos: Terroristen “auf den Kopf hauen”

Ausland
02.08.2009 14:00
Das spanische Königspaar ist am Samstag auf der von einem Terroranschlag erschütterten Mittelmeerinsel Mallorca eingetroffen, um dort seinen traditionellen Sommerurlaub anzutreten. Gefragt, wie sich der Rechtsstaat gegenüber den ETA-Terroristen verhalten solle, antwortete König Juan Carlos nach Angaben der Zeitung "El Pais": "Man muss ihnen solange auf den Kopf hauen, bis sie erledigt sind."

Als ein Journalist vom Monarchen wissen wollte, ob er angesichts der Ermordung zweier Polizisten keine Angst auf Mallorca verspüre, meinte Juan Carlos: "Mir geht es ausgezeichnet, ich fühle mich völlig sicher." 

Das mutmaßlich von der baskischen Untergrundorganisation ETA organisierte Attentat hatte sich am Donnerstag nur acht Kilometer von der Sommerresidenz des Königspaares, des Palacio de Marivent, ereignet.

Großfahndung bisher ohne Erfolg
Die Großfahndung nach den Drahtziehern des blutigen Anschlags ist am Wochenende weiter ohne Erfolg geblieben. Trotz des Einsatzes von mehr als tausend Beamten und strikter Kontrollen auf der ganzen Insel fehlte von den Tätern zunächst weiterhin jede Spur. 

Die Großfahndung der Polizei konzentrierte sich nach Angaben spanischer Zeitungen auf ein Paar, das sich kürzlich ein Hotelzimmer auf Mallorca gemietet hatte. Rund 1600 Beamte durchkämmten die Ferieninsel und kontrollierten insbesondere Passagiere von Flugzeugen und Schiffen. Auch Hotels wurden systematisch daraufhin überprüft, ob sie womöglich Mitglieder der baskischen Untergrundorganisation ETA beherbergen, welche die Ermittler für den Anschlag verantwortlich machen.

Am Donnerstag waren bei dem Bombenanschlag in Palmanova zwei Polizisten getötet worden. Am Mittwoch wurden vor einer Kaserne der Guardia Civil im nordspanischen Burgos 64 Menschen durch eine Autobombe verletzt. Beide Anschläge wurden der ETA zugeschrieben.

Bomben mit Verzögerungsmechanismus
Ob sich die Attentäter noch auf Mallorca befinden, blieb unklar. Die am Auto der beiden getöteten Polizeibeamten befestigte Haftbombe sowie eine später kontrolliert gezündete Bombe waren nach Zeitungsberichten mit einem Verzögerungsmechanismus und einem Bewegungsmelder ausgestattet. Der Sprengsatz sei so eingestellt gewesen, dass er erst Stunden nach dem Start des Wagens explodierte, hieß es unter Berufung auf Ermittlerkreise. Den Attentätern wäre so genügend Zeit geblieben zu fliehen.

Die bereits durch die Finanzkrise angeschlagene spanische Tourismusbranche fürchtet nach dem Attentat mitten in der Urlaubssaison nun weitere Einbrüche. "Wir leugnen nicht, dass diese Attacke den Sektor erschüttert hat", sagte Pedro Iriondo von der Vereinigung der Reiseagenturen auf den Balearen. "Wir haben mit diesem Anschlag wirklich nicht gerechnet." Bisher hätten die Reiseveranstalter jedoch noch keine Touren abgesagt.

Zum Zeitpunkt des Attentats befanden sich nach spanischen Angaben rund 400.000 Touristen auf der Ferieninsel, darunter bis zu 200.000 Deutsche und 5.000 Österreicher. Im Anschlagsort Palmanova zogen es viele Urlauber angesichts der massiven Sicherheitsvorkehrungen vor, zunächst in ihren Hotelzimmern zu bleiben.

Schlag gegen den Tourismus
Spanische Medien sprachen von einem "Schlag gegen das Epizentrum des Tourismus auf den Balearen". Dort leidet die Branche bereits wegen der Wirtschaftskrise und der Konkurrenz zu preiswerteren Reisezielen in der Türkei und in Tunesien unter herben Einbrüchen. Die vier Balearen-Inseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera ziehen rund 80 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung direkt oder indirekt aus dem Tourismus.

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