Video-Botschaft

Taliban drohen mit Ermordung von US-Soldat

Ausland
20.07.2009 11:49
Die radikal-islamischen Taliban haben ein 28-minütiges Video mit einem Ende Juni in Afghanistan verschleppten US-Soldaten verbreitet. In dem auf mehreren Internet-Seiten veröffentlichten Video spricht der junge Soldat (Bild) unter anderem über seine Entführung und die US-Invasion in Afghanistan. Die US-Armee, die bisher keine Angaben zur Identität des Entführten machte, bestätigte die Echtheit des Videos.

Das Video enthält ein Logo (im Bild rechts oben) einer Produktionsgruppe, das bereits früher im Zusammenhang mit Taliban-Videos aufgetaucht ist. Der US-Soldat, der im Osten Afghanistans stationiert war, gilt seit Ende Juni als vermisst. Die Taliban haben mit seiner Ermordung gedroht.

Video im Internet veröffentlicht
Ein Taliban-Sprecher ließ der Nachrichtenagentur AFP in der Nacht auf Sonntag einen Link zu dem im Internet veröffentlichten Video zukommen, es ist inzwischen auf zahlreichen Websites zu sehen. Auf dem Video erscheint nur der Soldat mit glatt rasiertem Kopf und einem kurzen Bart. Er trägt traditionelle afghanische Kleidung, trinkt Tee und beantwortet ihm gestellte Fragen. Er wirkt nervös und ängstlich. In einem Ausschnitt filmen die Entführer auch die Identifikationsmarke des Soldaten, auf der sein Name zu sehen ist.

Der Soldat gibt sein Alter mit 23 Jahren an und sagt, er stamme aus dem US-Staat Idaho. Er sei außerhalb eines Militärlagers in der Provinz Paktika im Südosten Afghanistans entführt worden, als er den Anschluss an eine Patrouille verloren habe. "Ich habe Angst, nicht mehr nach Hause zurückkehren zu können", sagt der Entführte und bittet die USA, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Die Taliban würden ihn "wie einen Gast" behandeln.

Über den Krieg in Afghanistan sagt er, die USA seien in ein "eigenständiges Land" eingefallen. Die US-Armee habe ihm und den anderen Soldaten klar gemacht, dass Opfer unter der afghanischen Zivilbevölkerung während des Krieges akzeptiert werden müssten und dass sie "nichts zählen" würden. Auch seien in Afghanistan mehr US-Soldaten ums Leben gekommen, als von Washington behauptet. Die Taliban seien "normale Menschen, die für ihren Glauben, ihre Religion und ihr Land" kämpften.

US-Armee verurteilt Aufnahmen als "Propaganda"
Ein Sprecher der US-Armee in Kabul bestätigte, dass es sich bei dem in dem Video gezeigten Mann um den am 30. Juni entführten Soldaten handelte. Bisher machte die US-Armee keine Angaben zur Identität des Verschleppten. Die Verbreitung des Videos verurteilte der Sprecher scharf, der Soldat würde von den Taliban zu "Propagandazwecken" missbraucht. Die Koalitionstruppen würden alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um den Soldaten unversehrt aus den Händen der Taliban zu befreien.

Die US-Armee hatte am 2. Juli die Verschleppung des Soldaten bekanntgegeben, daraufhin bestätigten die Taliban die Entführung. Es handelt sich um die erste bekanntgewordene Entführung eines US-Soldaten in Afghanistan seit dem Beginn des Krieges 2001. Die Gewalt hat in Afghanistan in den vergangenen Wochen stark zugenommen. Tausender Soldaten aus den USA, Großbritannien und Afghanistan kämpfen in einer Offensive im Süden des Landes gegen Aufständische. Ziel ist es, die Sicherheitslage vor den Präsidentschaftswahlen im August zu verbessern.

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