Wie schafft man es, dass sein Model trotz 30 Grad im Schatten "cool bleibt"? Kommentarlos zeigt ein deutscher Künstler auf eine mobile Klimaanlage im hinteren Bereich seines Zeltes.
Sechs Stunden für ein kurzes Vergnügen
"Man kann auch einen Ventilator hinhalten", wirft seine Kollegin ein, während sie den Bauch eines Mädchens mit leuchtendem Rot bepinselt. "Mindestens sechs Stunden" würde es wohl dauern, bis der gesamte Körper zu einem Bild geworden ist - ein Bild von nur kurzer Dauer, denn ein paar Wassertropfen machen das Werk sogleich zunichte. "Aber es macht Spaß!"
"Es ist Familientradition", erklärt ein junger Russe. "Wir kommen seit Jahren hierher - meine Mutter, mein Vater und ich. Ich hoffe wir gewinnen, wir wollen gewinnen", zeigt er sich hoffnungsvoll. Damit ist er nicht allein - im Zelt des südkoreanischen Teams wuseln hektisch drei Frauen mit Pinseln und Schwämmen bewaffnet um ihr "Kunstwerk".
"Es ist nicht nur der Wettbewerb, es ist einfach großartig", meint ein junger Mann. "Unser Thema ist die Natur im Geist und im Herzen. Wir hoffen zu gewinnen, aber wir wissen nicht, wie hoch der Level der anderen Teilnehmer ist."
"Spaß, angeschaut zu werden"
Mit einem tiefen Seufzer streckt und dehnt sich eine junge Frau in alle Richtungen - jeder Quadratzentimeter ihrer Haut ist in den schrillsten Farben bemalt. "Seit eineinhalb Stunden steh' ich bereits hier", sagt sie. Ein Ende ist noch lange nicht abzusehen. "Aber das geht schon, man muss einfach immer andere Bewegungen machen." Zum dritten Mal hat sie sich als Model zur Verfügung gestellt - allen Strapazen zum Trotz. "Es macht einfach Spaß von allen angeschaut und bewundert zu werden."
200 Künstlerteams aus 40 Nationen, unter ihnen die USA, China, Russland, Israel und Großbritannien, werden am Sonntag, wenn die Preise vergeben werden, zittern und fiebern. Und im nächsten Jahr, werden sie wiederkommen und erneut auf die begehrten Auszeichnungen hoffen. Bodypainting ist eben genau so Kunstform wie Sucht.
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