Zurück in D.C.

Obama beendet ersten Afrika-Besuch

Ausland
12.07.2009 10:02
US-Präsident Barack Obama hat am Samstagabend in Accra seinen knapp 24-stündigen Besuch im westafrikanischen Ghana beendet. Es sei eine "besonders bedeutsame Reise" für ihn gewesen, sagte er kurz vor dem Rückflug nach Washington über seinen ersten Besuch in Schwarzafrika seit seinem Amtsantritt. Er werde nie den Anblick seiner Töchter, der Nachkommen von Afrikanern und Afro-Amerikanern, in Ghana vergessen. Zuvor hatte sich Obama während seiner Rede vor dem ghanaischen Parlament für ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen den USA und Afrika ausgesprochen und versichert, dass Afrika ein "wesentlicher Teil unserer miteinander verbundenen Welt" sei.

Kurz vor dem Abflug in die USA hatte die Präsidentenfamilie ein ehemaliges Sklavenfort in Cape Coast etwa 160 Kilometer von der ghanaischen Hauptstadt Accra entfernt besucht. Aufmerksam und mit ernstem Gesicht lauschte Obama dort den Erklärungen zweier einheimischer Führer. Die Besichtigung bezeichnete er anschließend als "bewegenden Moment".

Tausende jubelten Obama zu
Wie bereits bei Obamas Ankunft in der Nacht zu Samstag hatten sich mehrere tausend Menschen zur Verabschiedung des ersten schwarzen US-Präsidenten versammelt. 

In seiner mit Spannung erwarteten Rede vor dem ghanaischen Parlament hatte sich Obama in besonderem Maße für ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Afrika und den USA ausgesprochen. Zugleich erklärte er, in seinen Adern fließe afrikanisches Blut. Zu lange habe sich Washington als Patron der afrikanischen Länder verstanden, nicht als Partner in Fragen der Weltpolitik. Nun sei es an der Zeit, dies zu ändern, kündigte Obama an. Außerdem versicherte der US-Präsident Ghanas Staatschef John Atta Mills, dass Afrika in die internationale Politik eingebunden sei.

Westen nicht für alles verantwortlich
Der Westen habe sich in der Vergangenheit nicht immer partnerschaftlich verhalten. "Aber der Westen ist nicht verantwortlich für die Zerstörung der simbabwesischen Wirtschaft im vergangenen Jahrzehnt, oder für Kriege, in denen Kinder als Soldaten eingezogen werden", erklärte Obama. Er rief insbesondere die Jugend Afrikas zur Gestaltung der afrikanischen Zukunft auf. Doch das Potenzial Afrikas könne sich nur entfalten, wenn gute Regierungsführung und demokratische Strukturen gewährleistet seien.

Obama beklagte die häufigen Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent. An einigen Orten seien sie so allgegenwärtig "wie die Sonne". Für zu viele Menschen in Afrika seien Kämpfe ein Teil ihres Lebens. Eine derartige Instabilität sei der "Mühlstein um Afrikas Hals". Den Einsatz von Kindersoldaten bezeichnete der US-Präsident als "Todesstrafe für eine Gesellschaft".

Kritik an weitverbreiteter Korruption in Afrika
Nachdrücklich kritisierte Obama die in vielen Staaten Afrikas verbreitete Korruption: "Kein Land wird Wohlstand erreichen, wenn seine Führer die Wirtschaft ausbeuten, um sich selbst zu bereichern, oder wenn die Polizei von Drogenhändlern gekauft werden kann."

"Was hier geschieht, hat überall Auswirkungen"
Obama war am Freitagabend nach dem Abschluss des G-8-Gipfels zu seinem eintägigen Besuch in Ghana eingetroffen. Vor seiner Rede im Parlament war er mit Staatschef John Atta Mills zusammengekommen. Obama versicherte, Afrika sei in die internationale Politik eingebunden und in die Weltwirtschaft integriert. "Afrika ist nicht getrennt vom Weltgeschehen. Was hier geschieht, hat überall Auswirkungen", sagte der US-Präsident.

Ghana wird vielfach als Musterland für demokratische Entwicklung in Afrika gepriesen. Auch Obama beglückwünschte den westafrikanischen Staat für seine demokratische Tradition. Ghana sei ein Vorbild für andere Länder auf dem Kontinent. Afrika benötige starke Institutionen, keine starken Männer.

"Dies ist ein neuer Augenblick der Verheißung"
Mit den Worten "Yes you can" - einer Variation seines eigenen Wahlkampfmottos - rief der US-Präsident die Völker Afrikas auf, die Chance auf Frieden, Demokratie und Wohlstand zu ergreifen. "Dies ist ein neuer Augenblick der Verheißung", sagte er. Entwicklung hänge allerdings von verantwortungsbewusster Regierungsführung ab. "Das ist der Wandel, der Afrikas Potenzial zur Entfaltung bringen kann."

"Obama, du bist der wahre Sohn Afrikas" 
In Ghanas Hauptstadt Accra hatte bereits seit Wochen ein wahres Obama-Fieber geherrscht. In den Buchläden waren die Lager mit Obamas Buch "Hoffnung wagen" erst kürzlich neu aufgefüllt worden. Überall wurden T-Shirts mit dem Bild des ersten schwarzen Präsidenten verkauft. Nicht verwunderlich war es deshalb auch, dass am Samstag Hunderte Menschen die Straßen am Präsidentenpalast säumten, um einen Blick auf Obama erhaschen zu können. Sie schwenkten Fahnen und hielten Plakate mit der Aufschrift "Obama, du bist der wahre Sohn Afrikas" hoch. Überall auf den Straßen hingen Poster von Obama und Atta Mills. Zahlreiche jubelnde Menschen trugen T-Shirts und Mützen mit dem Bildnis des US-Präsidenten. 

Hilfe für Entwicklungsländer auf Gipfel beschlossen
Obama hatte zuvor am G-8-Treffen in Italien teilgenommen, wo die führenden Industriestaaten und Russland eine 20-Milliarden-Dollar-Hilfe zugunsten der Landwirtschaft in der Dritten Welt beschlossen hatten. Zugleich hatte Obama die Mitverantwortung afrikanischer Politiker für die Probleme auf dem Schwarzen Kontinent betont. Der US-Präsident verwies auf die weit verbreitete Korruption und den Mangel an effizienter Verwaltung und Organisation. Im Zuge seines Italien-Aufenthalts hatte Obama auch Papst Benedikt XVI. getroffen (siehe Artikel in der Infobox).

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
12.07.2009 10:02
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung