Schwere Vorwürfe

Freund: Neda von Paramilitärs erschossen

Ausland
24.06.2009 08:52
Der Freund der Iranerin Neda Agha-Soltan, die laut einem im Internet kursierenden Video bei den Protesten in Teheran gewaltsam ums Leben kam, sieht die Verantwortung für ihren Tod bei der Bassij-Miliz. Es sei klar, "dass wahrscheinlich Paramilitärs der Bassij in Zivilkleidung absichtlich auf sie zielten", sagte der iranische Forojournalist Caspian Makan. Seine 19-jährige Freundin sei in die Brust getroffen worden und binnen weniger Minuten gestorben. Die iranische Führung hingegen bezweifelt sowohl die Echtheit des Videos als auch die Identität Makans.

Neda habe nicht an einer Demonstration teilgenommen, erklärte Makan am Dienstag der persischen Ausgabe des britischen Rundfunksenders BBC sowie dem Büro der Nachrichtenagentur AP in Los Angeles. Vielmehr habe sich die Musikstudentin in der Nähe der Proteste nur kurz die Beine vertreten wollen, weil sie mit ihrem Musiklehrer im Stau gesteckt und ihr heiß gewesen sei. Dies würden Videos von dem Vorfall und Berichte von Augenzeugen belegen. Neda habe keiner der rivalisierenden Gruppen angehört. "Sie hat nur immer gesagt, dass sie eines will: Sie wollte Demokratie und Freiheit für die Menschen im Iran", erklärte Makan. 

Behörden verboten Trauerfeier für Neda
Makan kritisierte, dass die Behörden Nedas Leiche erst nach hartnäckigen Bitten freigegeben hätten. Die Familie habe Neda auf dem Behesht-e-Sahra-Friedhof im Süden Teherans bestattet, eine Trauerfeier in einer Moschee hätten die Behörden aus Angst vor "unerwünschter Aufmerksamkeit" nicht erlaubt.

Bassij: Paramilitärische Freiwilligenorganisation
Die beschuldigte Bassij-Miliz Ist eine den Revolutionsgarden unterstellte paramilitärische Freiwilligenorganisation, die sich nach der islamischen Revolution als "Sittenwächter" betätigte und heute häufig gegen Dissidenten eingesetzt wird. Schätzungen zufolge zehn Millionen Menschen Mitglieder der Miliz, das wären 15 Prozent der Bevölkerung.

Schah-Sohn ergriffen von Nedas Schicksal
Nedas Schicksal hat auch den im Exil lebenden Sohn des früheren Schahs tief berührt. Er zähle die junge Frau von nun an zu seinen Töchtern, sagte Reza Pahlavi am Montag in Washington. Gegen Tränen kämpfend holte er aus seiner Brusttasche einen Stapel Fotos hervor, die seine Frau Yasmine, seine drei Töchter Noor, Iman und Farah sowie Neda zeigen. Nedas "einzige Sünde" sei ihre Forderung nach Freiheit gewesen, sagte Pahlavi.

Durch Tod zur Ikone der Proteste geworden
Die junge Frau war in den vergangenen Tagen zur Ikone der Proteste im Iran geworden, eine unabhängige Bestätigung für die Echtheit des Videos gibt es allerdings nicht. Seit Samstag kursiert ein Video von Neda im Internet, das sie blutverschmiert auf einer Straße liegend zeigt. Der Film wurde bereits Hunderttausende Male im Internet angeklickt. Bei Protesten in aller Welt gegen die iranische Führung zeigen Demonstranten nun Fotos von Neda. "Es sieht so aus, als hätte sie eine magische Wirkung auf viele Menschen im Iran und in anderen Ländern", meinte dazu ihr Freund Caspian. 

Teheran: Video ist eine Fälschung
Das staatliche Fernsehen in Teheran wiederum behauptet, das Video über den Tod der19-jährigen Neda Agha-Soltan bei einer Protestkundgebung sei gefälscht. Der Sender Khabar berichtete am Dienstag, es sei offensichtlich, dass diejenigen, die die Aufnahmen machten, auf etwas gewartet hätten und das Ganze dann aus mehreren Winkeln gefilmt hätten. Zudem wurde in dem Beitrag die Identität des Mannes angezweifelt, der sich als Freund Nedas ausgegeben hatte. Weitere Beweise für den Fälschungsvorwurf lieferte der Sender nicht. Auch in Medienberichten im Ausland war immer darauf hingewiesen worden, dass es keinen Beweis für die Echtheit des Videos gebe, doch hatten Experten die Meinung vertreten, es sei authentisch.

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