Benzinbrüder

Fuel

Spiele
19.06.2009 15:02
Die globale Erderwärmung hat ihren Tribut gefordert und in Codemasters Racinggame "Fuel" den Westen der USA total verwüstet. Schutz vor dem Chaos suchend, flüchten die Menschen in neue Städte, in denen die Nutzung von erneuerbaren Energiequellen eine umweltverträgliche Lebensweise garantieren soll. Ein paar Hartgesottene wollen oder können aber nicht so recht auf den Geruch von verbranntem Gummi auf dem Asphalt und Auspuffgasen verzichten und versammeln sich daher inmitten des von heftigen Stürmen, Gewittern und sintflutartigen Regenfällen heimgesuchten Katastrophengebiets zu waghalsigen Rennen, um mit ihren Zwei- und Vierrädern auch den letzten Tropfen Benzin zu vergeuden.

Weniger die für ein Rennspiel außergewöhnliche Hintergrundgeschichte als vielmehr die gigantische offene Spielwelt war es jedoch, mit der "Fuel" bereits vor der Veröffentlichung von sich reden machte. Mit einer Fläche von 14.400 Quadratkilometern bietet das Game die bislang größte Spielwelt in einem Videospiel, was Codemasters einen Eintrag in der kommenden Gamer's Edition des Guinness-Buchs der Rekorde sichern dürfte. Von einer Seite der Spielwelt zur anderen benötigen Spieler selbst auf direktem Weg und mit Vollgas günstigstenfalls noch immer volle drei Stunden. Wer sich die 19 verschiedenen, auf Satelliten-Daten des Nordwestens der USA basierenden Spielgebiete ansehen möchte, sollte allerdings etliche Stunden mehr einplanen.

Die Begeisterung, einmal quer durch die USA zu tuckern, hält sich in der Praxis allerdings in Grenzen. Zwar warten zahlreiche Extras wie neue Outfits und Lackierungen, diverse Aussichtspunkte und das eine oder andere spezielle Fahrzeug darauf, in der Wildnis entdeckt zu werden, davon abgesehen ist die Fahrt über Stock und Stein jedoch recht öde. Zivilisten gibt es schließlich keine mehr und bis auf vereinzelten Gegenverkehr herrscht gähnende Langeweile auf den Straßen. Der Freeride-Modus, mit dessen Hilfe sich dem Spieler die landschaftliche Schönheit bzw. das, was davon noch übrig geblieben ist, erschließen soll, vermag demnach nur kurz zu begeistern.

Dutzende Rennen und Herausforderungen
Aber "Fuel" hat noch mehr zu bieten. Da wäre zum einen der Karriere-Modus, der über sogenannte Camps führt, in denen jeweils drei Rennen zu absolvieren sind, ehe ein weiterer "Außenhandelsposten" in einem anderen Territorium angesteuert werden kann. Geboten werden dabei neben gewöhnlichen Rundkursen und Checkpoint-Rennen auch Rennen, in denen es dem Spieler überlassen bleibt, auf welchem Weg er ins Ziel gelangt.  Das Navi leistet dabei gute Dienste und weist mittels Pfeilen auf der Strecke die beste Route, hin und wieder kann es jedoch auch hilfreich sein, sich auf seinen Instinkt zu verlassen. Beispielsweise bei den "Herausforderungen", die zum Karriere-Modus die optionalen Nebenmissionen darstellen und den Spieler mit zusätzlichem Fuel, der Spielwährung, sowie Bonus-Items belohnen. Unter anderem gilt es hier vor einem Helikopter oder Ablauf der Zeit das Ziel zu überqueren, in Ausscheidungsrennen zu bestehen oder einen Kontrahenten zu suchen und zu zerstören.

Bikes, SUVs, Trucks und mehr
Über 70 verschiedene Fahrzeuge, darunter aufgemotzte Autos, Motorräder, SUVs, Trucks, Quads oder auch Hovercrafts, stehen dafür zur Auswahl. Sie alle unterscheiden sich neben Design und Sound in punkto Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bodenhaftung und auch Bremsleistung voneinander, können vom Spieler aber nur hinsichtlich ihres Aussehens verändert werden. Nicht ganz nachvollziehbar ist in diesem Zusammenhang, warum aus dem eigenen Fuhrpark nur während des Freeride-Modus frei gewählt werden kann, während bei den Rennen der jeweilige Fahrzeugtyp vorgegeben ist. So kommt es, dass man auf gewissen Strecken mit einem Fahrzeug antreten muss, obwohl sich für diese Art von Rennen ein anderes Vehikel besser eignen würde.

Die Letzten werden die Ersten sein
Glücklicherweise, muss man da schon fast sagen, ist es mit der KI der Kollegen jedoch nicht zum Besten gestellt, so dass sich etwaige Mankos beim Fahrzeug durch spielerisches Können leicht wieder wettmachen lassen. Das gegnerische Fahrerfeld verheddert sich nicht nur gerne im Gestrüpp, weitaus schwerer wiegt der Umstand, dass der Konkurrenz dank unausgewogenem Balancing meist in der letzten Runde der Saft ausgeht. Kommen die Fahrer beim Start noch erstaunlich flott vom Fleck, lassen sie sich recht bald darauf zurückfallen, was beim Spieler zu Lasten der Motivation geht. Geschenkt bekommen will man den Sieg ja auch nicht, wenngleich sich als Zweit- und Drittplatzierter bei "Fuel" rein gar nichts verdienen lässt. Nur der Erste sackt die Preisgelder ein und darf damit seinen Fuhrpark ausbauen.

Multiplayer-Rennen mit bis zu 16 Spielern
Wer den Problemchen mit der KI aus dem Weg gehen möchte, greift am besten auf den Mehrspieler-Modus zurück, in dem bis zu 16 Spieler in Rennen und Herausforderungen gegeneinander antreten oder gemeinsam dem Freeride frönen können. Für langfristigen Spielspaß sorgt dabei ein integrierter Streckeneditor, mit dessen Hilfe sich innerhalb der gigantischen Karte eigenhändig neue Parcours abstecken lassen.

In technischer Hinsicht gibt es an "Fuel" kaum etwas zu bemäkeln. Die riesige Spielwelt präsentiert sich nicht nur landschaftlich abwechslungsreich, sondern vor allem flüssig. Lediglich zwischen den einzelnen Rennen kommt es zu kurzen Verzögerungen durch Ladezeiten. Besonders gut gefallen haben neben der Weitsicht die dynamischen Wettereffekte wie Tornados, die einem das Leben während eines Rennens zur Hölle machen können, sowie der Wechsel von Tag und Nacht. Einzig die Fahrer- und Fahrzeugtexturen hätten etwas feiner ausgearbeitet werden können. Der Motorensound hingegen gibt sich knackig kernig und sorgt in Verbindung mit rockiger Mucke für den passenden Klang.

Fazit: Nach "DiRT" und "GRID" beschert Codemasters dem Gamer mit "Fuel" abermals ein sehr gutes Rennspiel, dessen vordergründiges Verkaufsargument - die offene Spielwelt – in der Praxis jedoch nicht ganz den Erwartungen gerecht werden kann. Nur die wenigsten dürften Zeit und Muße finden, in der öden Landschaft sämtliche versteckten Extras einzusammeln. Zieht man die offene Spielwelt ab, bleiben unterm Strich aber noch immer jede Menge abwechslungsreicher Rennen und Fahrzeuge sowie, last but not least, der Mehrspielermodus, der dank Streckeneditor schließlich auch der freien Spielwelt wieder ihre Daseinsberechtigung verleiht.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, PC
Publisher: Codemasters
krone.at-Wertung: 8/10

von Sebastian Räuchle

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