"Barbarisch"
Gefangene in USA stirbt nach Hitzequal
Der 19. Mai endete für die zu 27 Monaten Haft verurteilte Powell qualvoll. In einen Käfig gesperrt musste die Prostituierte ohne Schatten auf ihre Verlegung warten: Nach rund vier Stunden brach sie zusammen, tags darauf starb sie im Krankenhaus. Experten gehen davon aus, dass ein gesunder männlicher Erwachsener bei Temperaturen über 38 Grad Celsius ohne Wasser binnen fünf Stunden stirbt. In Arizona wird es im Sommer bis zu 49 Grad heiß.
Gefängnisaufsicht ermittelt
Jetzt ermittelt die Gefängnisaufsicht Arizonas im Fall Powell. "Sie sollte eigentlich nur zwei Stunden dort draußen sein", sagte ein Sprecher. Die Ermittlungsergebnisse würden Ende des Monats erwartet. Vorsorglich seien nach dem Vorfall alle insgesamt 233 Käfigzellen in den Gefängnissen Arizonas geschlossen worden. Die Zellen gebe es seit den 60er Jahren. Sie würden aber nur für Kurzaufenthalte genutzt, wenn Häftlinge verlegt werden sollten.
"Eine Tragödie und ein Versagen"
Behördenchef Ryan räumte ein Versagen des Strafvollzugs ein: Powells Tod sei "eine Tragödie und ein Versagen." Die Ermittlungen sollten mögliche Verstöße oder Unterlassungen ans Tageslicht zu bringen. "Es liegt in unserer Verantwortung, für das Wohl und die Bewachung der Häftlinge zu sorgen."
"Mittelalterlich und barbarisch"
Vertreter von Häftlingsorganisationen reagierten empört. Die Praxis in den zehn staatlichen Gefängnissen Arizonas sei "mittelalterlich und barbarisch", sagte Donna Leone Hamm von der Organisation Middle Ground Prison Reform. In Arizona dürfe man keinen Hund schutzlos und ohne Wasser der Hitze aussetzen. Dass die Gefängnisbehörde den Häftlingen so etwas bisher routinemäßig angetan habe, zeige, wie es um die Menschenrechte im Lande bestellt sei.
Mit ihrer Forderung einer unabhängigen Untersuchung wandte sich Hamm an die Bundespolizei FBI und das Justizministerium. Sie habe kein Vertrauen in die Unabhängigkeit der Behörden Arizonas: "Sie sollten das nicht selber untersuchen. Wir haben damit so viele Probleme in so vielen Richtungen, dass wir das kaum in Worte fassen können."
"Käfige wie Hundezwinger"
Nach eigenen Worten beschwerte sich die Menschenrechtlerin bereits im Dezember 2007 beim Chef der Gefängnisbehörde, dass Häftlinge im Winter ohne Jacken und Decken in die Käfige gesperrt würden. Gefängnisaufseher hätten die Organisation zudem informiert, dass in einigen Fällen Häftlinge zehn Tage lang rund um die Uhr in den Außenzellen gefangen gehalten worden seien.
Die Behörde spreche von "Außengehegen", sagte Hamm. "Das sind Käfige, wie Hundezwinger mit Maschendrahtzaun ringsum und oben. Für Menschen hoch genug zum Stehen, ohne Sitze oder Sessel." Sie wüsste gern, ob Powell Trinkwasser bekommen habe.
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