Auch wenn der Gamer in "Box Office Bust" gar nicht die Kontrolle über den eigentlichen Helden der Serie sondern dessen Neffen Larry Lovage übernimmt: Seinem berühmten Onkel gehört mittlerweile ein Filmstudio. Und da der junge Held der Geschichte endlich mit dem College fertig ist und nun nichts zu tun hat, fängt der junge Larry doch gleich dort an zu arbeiten. Natürlich aber nicht in der Chefetage, wie sich das Lovage vorstellt, sondern als Hauswart und Postbote. Das Onkelchen bittet ihn nämlich einen Spion zu entlarven, was nur aus der untersten Position heraus Erfolg verspreche. Klein-Larry fügt sich also in sein Schicksal und schon kann es los gehen in eines der plumpsten Abenteuer aller Gaming-Zeiten.
Erst gestartet, arbeitet sich Lovage durch unzählige Jump-and-Run-Missionen. Die Aufträge erhält er von anderen Beschäftigten des Studios oder Bewohnern von Landschaften wie dem Wilden Westen, in die Larry in seinen Träumen flüchtet. Die anzutreffenden Charaktere zeichnen sich dabei leider selten durch lebendige Darstellung und packende Geschichten aus. Vielmehr sind die meisten vor allem eines: vulgäre Vollidioten. Da Larry denen aber um nichts nachsteht, laufen die Dialoge meist unter der Gürtellinie ab und beinhalten so oft nur irgend möglich Bezeichnungen für Geschlechtsteile oder Sexualpraktiken. Leider fast immer ganz ohne Augenzwinkern und deshalb eigentlich nur als derb zu bezeichnen. Lustig geht jedenfalls anders.
In den Missionen gilt es meist, etwas von A nach B zu bringen und irgendwelche Häuser oder Berge zu besteigen (leider nicht Mal c-klassige Wortspiele dieser Art hat das Spiel zu bieten). Dabei fällt vor allem eines auf: Die Steuerung ist leider absolut misslungen. Egal wie sehr sich der Gamer auch bemüht – die ungenaue Steuerung macht ihm immer wieder einen Strich durch langwierige Kletterpartien oder schnelle Fahrten mit den reichlich vorhandenen Golfwägen. In weiteren Mini-Games gilt es, kurze Schlägereien und Schießereien, das Fotografieren von nichts ahnenden, dafür aber leichtbekleideten Mädels oder das Regieführen zu absolvieren. Auch diese Spielchen bieten nicht viel Abwechslung, muss der Spieler doch beim Fotografieren etwa nur die sechs Eingabetasten in unterschiedlicher Reihenfolge drücken oder beim Regieführen eine von drei Kameraperspektiven wählen.
Zur miesen Steuerung kommt die katastrophal unübersichtliche Kameraführung, die viel zu oft die Perspektive wechselt. Bei einigen Bergsteigsequenzen kann es den Gamer schon an den Rand der Verzweiflung treiben, immer wieder ins Unbekannte hüpfen zu müssen, da die Perspektive sich nicht wechseln lässt. Dem vorprogrammierten Absturz folgt natürlich die gesamte Sequenz von vorne – speichern lässt sich der Spielfortschritt während der Missionen nämlich nicht.
Abseits der Mini-Games lässt sich die Spielwelt frei erkunden. Das klingt aber spannender als es ist, denn mit den anderen Figuren ist keine Interaktion möglich. Insgesamt fühlt sich die ganze Spielumgebung deshalb äußerst statisch aus. Auch die Grafik lässt zu wünschen übrig und glänzt vor allem durch Bugs. Außerdem haben die Figuren keine Mimik, die Gebäude sehen meist wie irgendwelche Lego-Hütten aus und überhaupt: der Comic-Look ist schön und gut, aber die "scharfen" Bräute, mit denen Larry von einem Techtelmechtel zum nächsten eilen möchte, sehen aus wie missglückte Schönheits-OP-Kandidatinnen. Abgesehen davon, dass so ein Vorbau das Gehen äußerst schwierig machen dürfte.
Fazit: Was haben die Entwickler nur aus der einst glorreichen Larry-Reihe gemacht? Statt Adventure-Lust gibt’s hier nur Jump-and-Run-Frust. Nicht nur die Steuerung, Kameraführung und Grafik sind echte Launekiller. Auch die offensichtliche Absenz jedweder skurrilen oder gar humoristischen Idee schmerzt besonders. Das war es nämlich, was die Larry-Games früher auszeichnete: Eine gute Portion Humor. In "Leisure Suit Larry: Box Office Bust" herrschen hingegen plumpe Anmache und "tiefe" Sprüche. Larry-Fans sollten definitiv die Finger hiervon lassen - eigentlich alle anderen auch.
Plattform: Xbox 360, PS3, PC (getestet)
Publisher: Codemasters
krone.at-Wertung: 3/10
von Stefan Taferner
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