'Jetzt ein Pflegefall'

Frau im Wachkoma – ist Spital Schuld?

Burgenland
05.06.2009 08:53
50 Jahre sind sie fast auf den Tag genau verheiratet, Ernst und Angela Derkovits. Vieles haben sie erlebt. Schönes ebenso wie Trauriges. Haben mit viel Liebe zwei Kinder großgezogen. Sich ein schönes Zuhause geschaffen. Bis am 24. April 2007 ihr gemeinsames Glück zu Ende war. Schlagartig. Abrupt.

Es war nur eine Übelkeit, mit der  die heute 73-Jährige ins LKH Oberwart gekommen war. Stunden später sagte ein Arzt zu ihrem Mann: „Ihre Frau, die ist jetzt ein Pflegefall.“ Und seit diesem Tag liegt die einst so lebenslustige Frau hilflos im Wachkoma. Das Lachen ist aus ihrem Gesicht verschwunden, sie reagiert auch nicht auf die liebevollen Gesten ihres Mannes.

Aufopfernde Pflege
Jede Nacht wacht der rüstige Burgenländer aus Rotenturm bei ihr im Zimmer, tagtäglich pflegt er sie aufopfernd. Und das seit mittlerweile mehr als zwei Jahren. Eine lange Zeit, dennoch hat er sich nie dran gewöhnt, seine Angela so zu sehen. Immer wieder laufen Tränen über sein Gesicht.

Lebensfreude pur
„Sie war so eine Lustige“, erzählt der 72-Jährige. Ihre ganze Leidenschaft waren das Kartenspielen und der Chor. „Wenn sie im Garten gesungen hat, sind die Leute stehen geblieben und haben zugehört.“

"Verhängnisvolle Fehler"
Rückblende: 24. April 2007, kurz nach drei Uhr früh. Angela Derkovits klagt über Übelkeit. „Ich hab nach ihren Händen gegriffen, und die waren ganz kalt.“ Mit einem der beiden Söhne (49) fuhren sie ins Krankenhaus nach Oberwart. Da konnte Angela noch  problemlos gehen und sprechen. „Und dann sind diese verhängnisvollen Fehler alle passiert“, erzählt der Ehemann.
Seine Schilderung der Abläufe: Fünf Minuten mussten  sie warten, bis der Portier kam. Und auch die junge Ärztin, die zur Erstuntersuchung eilte,  schien mit der Situation völlig überfordert. Wieder warten. Die Pensionistin klagt mittlerweile über Atemprobleme. „Doch es hat mehr als 15 Minuten gedauert, bis ein Pfleger mit einer Sauerstoffflasche kam. Und die war dann auch noch leer“, erzählt der Pensionist erschüttert.

"Mama ist jetzt ein Pflegefall"
Ganz grau seien die Augen der „Mama“ geworden, und dann sei sie zusammen gesunken. „Wir mussten auf dem Gang warten. Dann kam ein Arzt zu mir und sagte, dass die ,Mama‘ jetzt ein Pflegefall ist.“
Ernst Derkovits kann nicht verstehen, warum es so weit gekommen ist, und beauftragte den Wiener Anwalt Alfred Boran, Klage einzureichen. Es gilt abzuklären, inwieweit das Krankenhaus Schuld trägt und wer vor allem die monatlichen Pflegekosten von 4000 Euro trägt.

"Will nur Gerechtigkeit"
„Ich will doch nur Gerechtigkeit“, sagt er. „Es kann nämlich nicht sein, dass keiner die Verantwortung dafür übernimmt, was mit meiner Frau geschehen ist.“ Von Seiten der Burgenländischen Krankenanstalten Ges.m.b.H. wurde der „Krone“ auf Anfrage schriftlich mitgeteilt, dass  sich in dem nachhaltig beeinträchtigten Gesundheitszustand der Patientin ein mit dem Status eines akuten Lungenödems und eines akuten Herz-Kreislauf-Stillstandes stets verbundenes – wenngleich schicksalhaftes – Risiko verwirklicht habe, das (...) Bedauern hervorrufe, allerdings keinesfalls auf einen Therapiefehler der behandelnden Ärzte zurückzuführen sei. Zudem sei der Fall von der Patientenanwaltschaft hinreichend  (...) geprüft worden.

"Die nächste Strafe" 
„Mein Mandant hätte sich eine außergerichtliche Einigung mehr als verdient“, ist Alfred Boran, überzeugt. „Der nun folgende Prozess ist für ihn die nächste Strafe.“

von Eva Molitschnig, Kronen Zeitung

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