Sa, 21. Juli 2018

"Nie mehr Krieg"

15.05.2009 23:03

Papst beendete Nahost-Reise mit Friedensappell

Papst Benedikt XVI. hat zum Abschluss seiner einwöchigen Reise in den Nahen Osten einen flammenden Friedensappell an Israel und die Palästinenser gerichtet. "Nie mehr Blutvergießen! Nie mehr Kampf! Nie mehr Terrorismus! Nie mehr Krieg!", sagte Benedikt am Freitag. Deutlicher als in den Tagen zuvor sprach sich das Oberhaupt der katholischen Kirche auch für eine Zwei-Staaten-Lösung aus, bei der Israelis und Palästinenser friedlich nebeneinander leben. "Lasst die Zwei-Staaten-Lösung Realität werden und nicht einen Traum bleiben", sagte er. Benedikt traf am späten Nachmittag wieder in Rom ein.

Angesichts anhaltender Kritik in Israel an seiner Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Montag stellte Benedikt noch einmal unmissverständlich klar, dass der Holocaust eine "brutale Ausrottung" von Juden war und als schreckliches Kapitel in der Geschichte weder geleugnet noch vergessen werden dürfe. Kritiker in Israel hatten Benedikt nach der Rede in Yad Vashem vorgeworfen, dass er nicht ausdrücklich die Zahl der sechs Millionen ermordeten Juden genannt und nicht die Verantwortung der Nazis und Deutschen erwähnt habe. Andere hielten Benedikt vor, er habe mehr Emotionen beim Besuch der Palästinenser in Bethlehem gezeigt als beim Besuch von Yad Vashem.

"Holocaust darf niemals vergessen werden"
Dazu erklärte der Papst, dass der Besuch dort und die Begegnung mit Holocaust-Überlebenden die "traurigsten Momente" seines Aufenthaltes in Israel gewesen seien. "Diese tief bewegende Begegnung hat die Erinnerung an meinen Besuch im Todeslager Auschwitz vor drei Jahren zurückgebracht, wo so viele Juden - Mütter, Väter, Ehemänner, Ehefrauen, Brüder, Schwestern und Freunde - brutal ausgerottet wurden von einem gottlosen Regime, das eine Ideologie des Antisemitismus und des Hasses propagiert hat", sagte Benedikt. "Dieses schreckliche Kapitel in der Geschichte darf niemals vergessen oder geleugnet werden."

"Lasst uns den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen"
Benedikt warb am letzten Tag seines Aufenthaltes im Heiligen Land noch einmal für Toleranz, Religionsfreiheit sowie ein friedliches Miteinander der Gläubigen aller Religionen. "Lasst uns den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen", forderte der Papst. Er sei als Freund Israels und der Palästinenser gleichermaßen ins Heilige Land gekommen, sagte der Pontifex. Als einen der "traurigsten Anblicke" seiner Reise bezeichnete Benedikt den Anblick der meterhohen Sperrmauer zwischen Israel und dem Westjordanland. Er habe für eine Zukunft gebetet, "in der die Menschen im Heiligen Land in Frieden und Harmonie leben können und ohne Notwendigkeit für ein solches Instrument der Sicherheit und Trennung", sagte Benedikt. Israel und die Palästinenser sollten allen Formen der Gewalt und der Aggression abschwören.

"Wir begegnen uns als Brüder"
Während der Abschiedszeremonie mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv erinnerte Benedikt an die gemeinsamen geistigen Wurzeln von Christen und Juden. "Wir begegnen uns als Brüder; als Brüder, die zeitweise in unserer Geschichte ein angespanntes Verhältnis hatten, aber sich heute fest dafür einsetzen, Brücken einer dauerhaften Freundschaft zu schlagen", sagte er.

Peres bezeichnete den Besuch als bedeutsamen Beitrag für die neuen Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan. Die Erklärungen Benedikts in den vergangenen Tagen hätten substanzielles Gewicht; "insbesondere die Aussage, dass der Holocaust weder geleugnet noch vergessen werden darf und dass Antisemitismus sowie Diskriminierung in jeder Form und überall in der Welt energisch bekämpft werden müssen".

Höhepunkt mit Besuch der Grabeskirche in Betlehem
Zum Abschluss der einwöchigen Reise, die den Papst nach Jordanien, Israel und in das palästinensische Westjordanland geführt hatte, gab es noch einen spirituellen Höhepunkt: Der 82-Jährige besuchte in Jerusalem die Grabeskirche, die an der biblisch überlieferten Stelle des Grabes Jesu steht. "Hier ist Christus gestorben und wieder auferstanden, um nie wieder zu sterben. Hier wurde die Geschichte der Menschheit entscheidend geändert", sagte Benedikt. Christus lehre, dass das Böse nie das letzte Wort habe, dass Liebe stärker als der Tod sei und die Zukunft der gesamten Menschheit in den Händen Gottes liege. "Durch Gottes Gnade möge Hoffnung immer wieder neu in den Herzen aller Menschen aufkommen, die in dieser Region leben", fügte er hinzu.

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