"Nicht akzeptabel"
Massaker an Armeniern: Obama erzürnt Türkei
In einer schriftlichen Erklärung, die das Weiße Haus am Freitag in Washington veröffentlicht hatte, verwendete Obama entgegen seinem Wahlkampfversprechen nicht den Begriff "Völkermord". Er sprach im Hinblick auf die bürokratisch geplante Verfolgung der Armenier im Osmanischen Reich vielmehr von "einer der schlimmsten Gräueltaten des 20. Jahrhunderts". Zudem griff Obama auf die armenische Bezeichnung "Meds Yeghern" zurück, die übersetzt "Das große Unglück" bedeutet und von vielen Armeniern als Synonym für den Massenmord verwendet wird. "Meds Yeghern muss in unserer Erinnerung bleiben, so wie es immer in den Herzen des armenischen Volks sein wird", erklärte Obama.
Obamas Worte und Wahrnehmung "inakzeptabel"
Einige Ausdrücke und Obamas Wahrnehmung der geschichtlichen Ereignisse ab 1915 seien nicht nachvollziehbar, urteilte das türkische Außenministerium. Die Beurteilung der Vorkommnisse solle einzig und allein Historikern überlassen werden. "Die gemeinsame Geschichte des türkischen und des armenischen Volkes darf nur durch unabhängige und wissenschaftliche Daten bewertet werden. Historiker dürfen nur darauf ihre Bewertungen aufbauen", hieß es in der Mitteilung aus Ankara weiter.
Auch Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat Obamas Erklärung als "nicht befriedigend" bezeichnet, auch wenn sie ausgewogen scheine. Der türkische Premier wies Obamas Äußerungen als "nicht akzeptable" Auslegung der Geschichte zurück. Ein Missbrauch historischer Vorgänge behindere die Annäherung zwischen Türken und Armeniern, warnte Erdogan.
Historiker vermuten bis zu 1,5 Millionen Opfer
Am Freitag war in Armenien und von den armenischen Exilgemeinden der bis zu 1,5 Millionen Opfer gedacht worden, die nach armenischer Darstellung und Historikererkenntnissen im ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts zwischen 1915 und 1917 umgekommen waren. Die Türkei betrachtet die Ereignisse dagegen als Unruhen vor dem Hintergrund der Auflösung des Osmanischen Reichs, lehnt den Völkermordvorwurf ab und setzt die Zahl der Opfer weit niedriger an.
Wegen des Streits unterhält die Türkei seit der Unabhängigkeit Armeniens im Jahr 1991 keine diplomatischen Beziehungen zu der ehemaligen Sowjetrepublik. Als erster Staatschef der Türkei hatte Gül im September vergangenen Jahres das Nachbarland besucht. In der Vorwoche verständigten sich Ankara und Eriwan auf einen Fahrplan zur Normalisierung der Beziehungen. Obama hatte bei seinem Türkei-Besuch Anfang April erklärt, er wolle die Aussöhnung nicht durch die Verwendung kontroverser Begriffe stören.
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