Überfälle auf Schiffe
Prozesse gegen Piraten in den USA und in Kenia
Die US-Verteidigung hatte erklärt, der Beschuldigte sei erst 16 Jahre alt, das hätten seine Eltern gesagt. Die Staatsanwaltschaft hingegen meinte, diese Angaben seien unglaubwürdig - der Angeklagte müsse mindestens schon 18 Jahre alt sein. Auch über seinen Namen gibt es Unklarheit.
Der Mann ist der einzig überlebende Täter der Geiselnahme vom 8. April. Die drei anderen Seeräuber wurden Tage später bei der Befreiung des Kapitäns von einem Rettungsboot von US-Scharfschützen erschossen. Dem Mann drohe bei einer Verurteilung wegen Piraterie lebenslange Haft, erklärte die Staatsanwaltschaft am Dienstag in New York.
Erster US-Piraten-Prozess seit 100 Jahren
Der Fall soll vor einem Bundesgericht verhandelt werden, das Erfahrung mit Verbrechen an Amerikanern im Ausland hat. Nach internationalem Recht kann jedes Land Piratenattacken verfolgen, wenn sie in internationalen Gewässern geschehen. Für die USA wäre es der wohl erste Prozess wegen Seeräuberei seit mehr als hundert Jahren.
Auch Kenia stellt Piraten vor Gericht
In der kenianischen Hafenstadt Mombasa stehen seit Mittwoch neun mutmaßliche Piraten vor Gericht, die vor eineinhalb Monaten von der deutschen Bundeswehr vor Somalia gefasst wurden. Den Somaliern wird vorgeworfen, das deutsche Handelsschiff "MV Courier" beschossen zu haben. Der Prozess in der Hafenstadt könnte allerdings schnell vertagt werden, weil der Auftritt wichtiger Zeugen fraglich ist.
Die Somalier wurden am 3. März von der deutschen Fregatte "Rheinland-Pfalz" aufgegriffen und aufgrund eines EU-Abkommens nach Kenia überstellt. Ihre Waffen hatte die Bundeswehr nach der Festnahme im Meer versenkt. Der Zeugenaussage des philippinischen Kapitäns der "MV Courier" kommt deshalb bei der Beweisführung eine hohe Bedeutung zu.
Frankreich überstellt Gefangene an Kenia
Die französische Marine überstellte unterdessen elf der Piraterie verdächtigte Somalier an Kenia. Sie sollen sich auf einem sogenannten Mutterschiff befunden haben. Nun werden sie voraussichtlich bereits am Donnerstag einem Richter vorgeführt.
EU-Millionen für Somalia
Angesichts der heiklen Sicherheitslage und der Piraterie in Somalia sagte die Europäische Union dem Land Millionenhilfen zu. Bei der internationalen Somalia-Konferenz am Donnerstag in Brüssel werde die EU mindestens 60 Millionen Euro zusagen, erklärte die EU-Kommission. Das ist rund die Hälfte des Betrags, auf den die Vereinten Nationen hoffen. Nach UN-Angaben sind insgesamt rund 128 Millionen Euro nötig, um die Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AMISOM) in dem ostafrikanischen Land sowie die somalischen Sicherheitskräfte zu unterstützen.
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