Manager in Angst
“Bossnapping”-Serie durch Arbeiter reißt nicht ab
Viele Manager bereiten sich mittlerweile auf mögliche Geiselnahmen vor und lagern Zahnbürsten und Lebensmittel im Büro. Berater bieten Kurse an, wie man sich bei Betriebsbesetzungen und Abriegelung des Büros verhalten soll. Normalerweise schalten die Unternehmen nicht die Justiz ein, sondern machen den Arbeitnehmern finanzielle Zugeständnisse. So sagten Caterpillar, Sony und 3M nach Geiselnahmen von Managern höhere Abfindungen zu.
In der französischen Öffentlichkeit hat mittlerweile eine rege Diskussion über das "Bossnapping" getaufte Phänomen eingesetzt. Gewerkschaftsführer Bernard Thibault sagte am Freitag dem Sender RTL, es wundere ihn nicht, wenn Beschäftigte "Aufsehen erregende Aktionen" veranstalteten. Schließlich müssten sie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, damit ihnen Gehör geschenkt werde. Die Regierung jedenfalls habe den Massenkündigungen jedenfalls bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Sarkozy "wird das nicht hinnehmen"
Präsident Nicolas Sarkozy hatte bereits am Dienstag gesagt, er verstehe die Beunruhigung und die Verzweiflung der Beschäftigten, die zum Opfer der Wirtschaftskrise würden. Gleichzeitig kritisierte er die "Gefangennahme" von Managern scharf. "Wir sind in einem Rechtsstaat, so etwas werde ich nicht hinnehmen", sagte er.
Mittelstands-Staatssekretär Herve Novelli forderte ein Ende der Bossnappings, lehnte aber ein staatliches Eingreifen ab. Man könne "auf die Illegalität nicht mit Gewalt antworten, die unnütz sein kann, wenn sich die Dinge regeln". Doch "wenn die Lage sich verschlimmert, muss man eine Ordnung wieder herstellen, die nicht mehr existiert".
Weite Teile der Bevölkerung zeigen Verständnis
Bei vielen Franzosen bis weit ins bürgerlich-konservative Lager hinein stößt das "Bossnapping" auf Verständnis. Die linksliberale "Liberation" begründet dies mit dem fest verwurzelten Wunsch der Franzosen nach Gleichheit und dem Fehlen eines sozialen Dialogs, das die Opfer wirtschaftlicher Maßnahmen zu Notwehrmaßnahmen zwinge.
Gewerkschafter erklären, die Aktienoptionen und "Goldene Handschläge" für Manager verbreiteten bei den Arbeitnehmern ein Gefühl krasser Ungerechtigkeit. Das trifft auch den Nerv vieler Mittelständler. "Die Aktienoptionen und dieser ganze Unsinn haben das Klima verdorben", erklärt der Unternehmer Francois Turcas der "Libération". "Ich verstehe die Verbitterung. Die Leute haben kein anderes Mittel mehr, sich Gehör zu verschaffen."
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