Berührende Feier

Italien nimmt Abschied von den Erdbebenopfern

Ausland
11.04.2009 09:11
Italien hat am Karfreitag der Opfer des schweren Erdbebens in den Abruzzen gedacht. An der bewegenden Trauerfeier in der Regionalhauptstadt L'Aquila beteiligten sich rund 10.000 Menschen - darunter 1.600 Familienangehörige. Die Messe wurde unter anderem von der Nummer zwei des Vatikans, Kardinal Tarcisio Bertone, zelebriert und landesweit im Fernsehen übertragen. Der Vatikan erteilte dafür eigens eine Sondergenehmigung, weil der Karfreitag der einzige Tag im katholischen Kirchenjahr ist, an dem keine Messe gefeiert werden soll. Zum Gedenken sind die italienischen Flaggen im ganzen Land auf Halbmast gesetzt worden.

Die Trauerzeremonie für Opfer des Erdstoßes fand auf dem Platz vor einer Polizeischule in L'Aquila statt, weil die Kirchen zerstört oder einsturzgefährdet sind. Eine lange Reihe von 205 Särgen wurde auf dem Platz aufgestellt. Das jüngste Opfer war nur drei Monate alt und war in den Armen seines Vaters gestorben, der ebenfalls beim Erdbeben ums Leben gekommen ist. Am Begräbnis beteiligten sich hochrangigste italienische Politiker, angefangen bei Regierungschef Silvio Berlusconi und Staatspräsident Giorgio Napolitano.

Österreichischer Botschafter vor Ort
Auch der österreichische Botschafter in Rom, Christian Berlakovits, nahm an den Trauerfeierlichkeiten teil. "Es war eine rührende Zeremonie, die mich beeindruckt hat", betonte der Botschafter. In den Abruzzen habe er Kontakte mit einigen Österreichern aufgenommen, die in der Region leben. Alle seien wohlauf.

Bilder der Trauerzeremonie findest du in der Infobox!

Papst trauert mit den Familien
In einer Botschaft des Papstes, die von seinem Sekretär Georg Gänswein bei der Trauerzeremonie verlesen wurde, betonte der Heilige Vater, er trauere mit den Familien um die Opfer dieser Katastrophe. Er habe persönlich die Entwicklungen des Erdbebens seit Montag verfolgt, das auch im Vatikan gespürt worden war. Der Papst lobte die Solidaritätswelle, die sich nach der Katastrophe in Gange gesetzt habe, er selbst will das Erdbebengebiet nach Ostern besuchen. 

"Auch der Heilige Stuhl will mit den Pfarreien, den religiösen Institutionen und den Laien-Organisationen seine Rolle spielen, um den Obdachlosen Hilfe zu bringen", betonte der Heilige Vater. "Nur die Solidarität ermöglicht den Menschen, diese so schmerzhafte Zeit zu überwinden", sagte der Papst. Für die Trauerzeremonie in L'Aquila entsendete Benedikt XVI. die heiligen Öle, die er in der Peterskirche gesegnet hatte. Auch der Kelch, der bei der Trauerzeremonie verwendet wurde, kam aus dem Vatikan.

Berlusconi verspricht Opfern den Neuaufbau
Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi versprach indes seinen vollen Einsatz, um so rasch wie möglich das Erdbebengebiet in der Region Abruzzen neu aufzubauen. "Ich habe es vor den Särgen der Opfer versprochen", berichtete Berlusconi auf einer Pressekonferenz in der Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila. Der italienische Staat werde Private fördern, die selbstständig ihre beschädigten Gebäude renovieren. 

"Wenn Private den Wiederaufbau in die Hand nehmen, kann alles schneller vorangehen", meinte der Premierminister. 39.500 Menschen sind nach Angaben des Premierministers derzeit obdachlos, 24.136 wurden in Zeltlagern untergebracht, 15.350 in 139 Hotels an der Adria-Küste und 1.680 in Privatwohnungen. "Wir werden die Obdachlosen nicht ewig in Zeltlagern halten, wir werden für alle eine würdevolle Unterkunft finden", versicherte der Ministerpräsident.

Angst vor Plünderern steigt
12.131 Helfer seien aktuell im Krisengebiet im Einsatz. "Wir brauchen keine Helfer mehr. Die Rettungseinheiten haben eine fantastische Arbeit geleistet", betonte Berlusconi. 700 Soldaten sollen Plünderungen in den beschädigten Wohnungen verhindern. Am Freitag wurden vier Ausländer wegen Plünderung eines leeren Gebäudes festgenommen.

Berlusconi appellierte an die EU-Länder, sich am Wiederaufbau zu beteiligen und die Restaurierung jener beschädigten Monumente zu finanzieren, die ihnen aus kulturellen und historischen Gründen am nächsten liegen. "In L'Aquila gibt es zum Beispiel eine spanische Festung. Es wäre schön, wenn Spaniens Premierminister (Jose Luis) Zapatero für die Restaurierungskosten aufkommen würde", so Berlusconi.

290 Todesopfer geborgen
Die Zahl der Todesopfer des Erdbebens stieg unterdessen auf 290, wie italienische Medien berichteten, darunter 20 Kinder. Bis zu 30 Menschen werden noch vermisst. Verletzt wurden 1.170 Menschen, 179 von ihnen schwer. Rund 10.000 Häuser wurden zerstört. Am Donnerstag wurden bereits die ersten Opfer der Naturkatastrophe beigesetzt (siehe Video in der Infobox).

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