Verrückte Welt

MadWorld

Spiele
26.03.2009 12:32
Blut spritzt und Knochen brechen, wenn Mechaniker Jack mit seinem Kettensägen-Arm in Segas "MadWorld" zum Rundumschlag ausholt und dabei zwangsweise die Frage aufwirft, wie gewalttätig ein Videospiel sein darf. In Deutschland hat man die Antwort darauf bereits gefunden und das Spiel erst gar nicht veröffentlicht. Hierzulande steht der brutalen Klopperei für Nintendos bis dato als "Kinder- und Familienkonsole" verschriene Wii hingegen nichts im Wege. Volljährigkeit vorausgesetzt.

Die Geschichte zu "MadWorld" ist schnell erzählt und weckt Erinnerungen an Arnold Schwarzeneggers "Running Man": Eine Terror-Organisation namens "The Organizers" hat Varrigan City in Beschlag genommen und kurzerhand in eine einzige Game-Show verwandelt. Für ein Preisgeld von 100 Millionen Dollar kämpfen die einstigen Bewohner fortan um ihr Überleben. Unter ihnen auch Mechaniker und Ex-Marine Jack, der praktischerweise statt eines rechten Arms eine Kettensäge sein Eigen nennt und mit selbiger versucht, ein wenig Ordnung in das Chaos zu bringen.

Seine Aufgabe ist simpel: möglichst viele Widersacher möglichst kunstvoll zu zerstückeln. Für jeden Game-Show-Kill gibt es Punkte, ehe schließlich eine ganz besondere Herausforderung auf Jack wartet. Die Aufgaben tragen den illustren Namen "Blutbad" und haben letzten Endes wieder nur eins zum Ziel, nämlich – erraten - möglichst viele Widersacher möglichst kunstvoll zu zerstückeln. Die Vorgehensweise ist dabei allerdings vorgegeben, gilt es doch beispielsweise Gegner in eine rotierende Flugzeugturbine zu schleudern, unter eine "Saftpresse" zu schubsen oder mittels Baseballschläger auf eine überdimensionale Dart-Scheibe zu klatschen. Je fleißiger Jack metzelt, umso mehr Herausforderungen und schließlich auch Boss-Gegner, aber auch Extraleben und neue Waffen werden im Laufe des Spiels freigeschaltet.

Gesteuert wird der Held des Spiels auf seiner Tour de Force per Nunchuk, um seine Kontrahenten vergleichsweise sanft per Faustschlag (A-Button) oder eher heftig mittels Kettensäge (B-Button) zu attackieren. Letztere kann unter Zuhilfenahme der lautstark ratternden Wii-Mote sowohl vertikal als auch horizontal ausgeführt werden. Der A-Knopf eignet sich zudem vorzüglich für das Packen und Schleudern von Gegnern und Objekten aller Art, was es dem Spieler wiederum ermöglicht, punktelastige Kombos zu kreieren: So können Feinde durch das Überstülpen ausgedienter Autoreifen beispielsweise bewegungsunfähig gemacht werden, um ihnen anschließend etwa Verkehrsschilder in den Hirnkasten zu rammen. Die Kür ist damit allerdings noch nicht vorbei: Den Highscore gibt es erst, wenn der ohnehin schon reichlich ramponierte Widersacher auch noch gepackt und unter kreisenden Wii-Mote-Bewegungen in eine Stachelwand geworfen wird. 

Dass das ungemein brutal, mitunter geschmacklos und definitiv nichts für Kinderhände ist, steht außer Frage. Dass "MadWorld" ungeachtet seiner Brutalität Spaß machen kann allerdings auch. Das liegt zum einen an der – von der bockigen Kamera einmal abgesehen – präzisen Steuerung, zum anderen an der für die Wii geradezu prädestinierten Schwarz-Weiß-und-viel-Rot-Optik à la "Sin City", mit der die Entwickler von Platinum Games ("Viewtiful Joe", "Okami") einmal mehr ihr Händchen für künstlerische Darstellung beweisen. Auch die akustische Untermalung kann sich hören lassen: Zu knackigen Hip-Hop-Beats liefern die Sprecher Greg Proops und John DiMaggio, bekannt als Bender aus "Futurama", einen untergriffigen Spruch nach dem nächsten. Das alles ist derart übertrieben abgefahren, schräg und bizarr, dass Trash-Fans voll auf ihre Kosten kommen – auf Wunsch auch mit einem weiteren Spieler im Splitscreen-Modus, um die einzelnen Herausforderungen gemeinsam in Angriff zu nehmen. Auf einen Online-Part wurde leider verzichtet.

Fazit: Dass "MadWorld" ab 18 Jahren freigeben ist und in einigen Ländern erst gar nicht zum Verkauf angeboten wird, kommt nicht von ungefähr. Die zur Schau gestellte Brutalität ist definitiv nichts für Zartbesaitete und hat in den Händen Kinder und Jugendlicher nichts verloren. Erwachsene bekommen ein recht kurzweiliges, bis auf die bockige Kamera technisch nahezu perfektes Action-Game geboten, das vor allem in grafischer Hinsicht neue Akzente setzt. Auf Dauer bietet die Brutalo-Klopperei jedoch zu wenig Tiefgang, um langfristig begeistern zu können.

Plattform: Wii
Publisher: Sega
krone.at-Wertung: 7/10

von Sebastian Räuchle

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Spiele
26.03.2009 12:32
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

KMM
krone.at
krone.at
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung