Traurige Statistik

Zahl der Hinrichtungen weltweit verdoppelt

Ausland
23.03.2009 15:45
Trotz der Olympischen Spiele in Peking hat China im vergangenen Jahr wieder mehr Menschen hingerichtet als jedes andere Land. Über zwei Drittel der Exekutionen weltweit entfielen auf die Volksrepublik. Nach dem Jahresbericht von Amnesty International (ai), der am Dienstag offiziell veröffentlicht wird, wurden dort 2008 mindestens 1.718 Frauen und Männer nach Todesurteilen erschossen oder mit der Giftspritze getötet. Insgesamt wurden weltweit mindestens 2.390 Menschen exekutiert. Das sind doppelt so viele Hinrichtungen wie im Jahr davor, als 1.252 verzeichnet wurden. Der starke Anstieg ist laut ai im Wesentlichen auf die Entwicklung in China zurückzuführen, wobei die Dunkelziffer noch weitaus höher liegen dürfte.

Nach Amnesty-Angaben wurden in der Volksrepublik mindestens 1.248 Todesurteile mehr vollstreckt als im Jahr zuvor. Dabei handelt es sich allerdings nur um die Zahl der bekannt gewordenen Exekutionen. 

10.000 Fälle pro Jahr vermutet
Die tatsächliche Zahl der Hinrichtungen liegt nach Amnesty-Einschätzung "um ein Vielfaches höher". Die Schätzungen von Menschenrechtlern reichen bis zu 10.000 Fällen pro Jahr. Hoffnungen, dass die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2008 an Peking am Umgang mit der Todesstrafe in China etwas ändern könnte, erfüllten sich damit nicht. Das bevölkerungsreichste Land der Welt sei weiterhin "grausamer Weltmeister bei der Todesstrafe", kritisierte ai.

59 Staaten praktizieren Todesstrafe
Auf die Volksrepublik folgen in der Statistik der Iran (mindestens 346 Exekutionen), Saudi-Arabien (mindestens 102), USA (37) und Pakistan (mindestens 36). Als einziges Land in Europa ließ Weißrussland noch vier Menschen töten. Insgesamt wird die Todesstrafe nach Amnesty-Angaben noch in 59 Staaten praktiziert. Vielfach gibt es dort keine offiziellen Zahlen zu Hinrichtungen. Die Dunkelziffer liege nicht nur in China "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich höher", heißt es in dem Amnesty-Bericht.

"Jede Hinrichtung ist eine zu viel"
Demgegenüber ist in insgesamt 138 Staaten die Todesstrafe abgeschafft oder wird in der Praxis nicht mehr vollstreckt. Im vergangenen Jahr kamen Argentinien und Usbekistan hinzu. Vergangene Woche beschloss New Mexico als 15. US-Staat, keine Todesurteile mehr zu vollstrecken. Amnesty-Experte Oliver Hendrich erklärte, insgesamt rücke die Welt "näher in Richtung weltweiter Abschaffung. Doch jede Hinrichtung ist eine zu viel."

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