Alles möglich
Präsidenten-Stichwahl in Slowakei offen
In den Umfragen vor der Wahl hatte Gasparovic bei mehr als 50 Prozent gelegen, Radicova war auf rund 30 Prozent gekommen. Diese Kluft von rund 20 Prozent verringerte sich im realen Wahlgang auf nicht einmal zehn Prozent. Politische Beobachter werteten daher die Kampagne der Ex-Sozialministerin als wesentlich effizienter als jene von Gasparovic, der ja vom Amtsbonus hätte profitieren sollen.
Weit abgeschlagen fanden sich die anderen Kandidatinnen und Kandidaten: Zuzana Martinakova erreichte 5,11 Prozent, Frantisek Miklosko 5,42 Prozent, Milan Melnik 2,44 Prozent, Dagmar Bollova 1,15 Prozent und Milan Sidor 1,12 Prozent.
Radicova in Bratislava vorne
Radicova gewann in drei westslowakischen Regionen - Bratislava, Trnava und Nitra. Gasparovic setzte sich in fünf nord- und ostslowakischen Regionen (Trencin, Zilina, Banska Bystrica, Kosice, Presov) durch. In der Region Bratislava vereinte Radicova 52,6 Prozent auf sich, Gasparovic 33,21 Prozent. Das beste Ergebnis in einer großen Gemeinde hat Radicova in der südslowakischen Stadt Dunajska Streda. In dieser Stadt, wo die ungarische Volksgruppe die Mehrheit hält, kam Radicova auf 88,55 Prozent der Stimmen.
Fico: "Ziel erreicht"
Premier Robert Fico von der linksgerichteten Smer ("Richtung"), der sich vehement für Gasparovic eingesetzt hat, kommentierte den Ausgang des ersten Durchgangs so: "Wir haben unser Ziel erreicht, unser Kandidat hat gewonnen. Ich kenne mich aus in der Politik, und ich bin mir sicher, der zweite Durchgang wird die gleichen Ergebnisse bringen wie der erste."
Fico betonte, die Slowakei brauche derzeit "ein stabiles und festes Dreieck der Macht: Präsident, Premier und Parlamentspräsident müssen koordiniert handeln". Dass Gasparovic einen kleineren Vorsprung erzielt hat, als es die Umfragen signalisierten, wollte Fico indes nicht kommentieren. Es sei auch nicht bedeutsam: "Ivan Gasparovic soll die Wahl gewinnen, selbst wenn es nur um eine Stimme ist, aber er soll sie gewinnen."
Opposition nimmt Wahl zwiespältig auf
Ex-Premier Mikulas Dzurinda, der Vorsitzende der oppositionellen Slowakischen Demokratischen und Christlichen Union (SDKU), äußerte Zufriedenheit mit den Wahlergebnissen und erklärte, die Slowakei habe die große Chance, "endlich ein Staatsoberhaupt zu haben, das die Bürger eint und nicht teilt."
Mit Verbitterung reagierte Ex-Premier Vladimir Meciar, der Chef der Bewegung für Demokratische Slowakei (HZDS). Er hatte vor fünf Jahren die Stichwahl um das Präsidentenamt gegen Gasparovic verloren. Für Meciar stellen Gasparovic und Radicova "zwei Übel dar, zwischen denen es keine Wahl gibt". Meciar sagte, er werde in keinem Fall Unterstützung für Gasparovic äußern - "Ich kenne ihn zu gut". Gasparovic gehörte in Jahren 1992 - 2002 zu den engsten Mitarbeitern von Meciar. Im Jahr 2002 gründete er nach einem Konflikt mit Meciar seine eigene Partei, die Bewegung für Demokratie (HZD).
Keine Wahlempfehlung
Die Kandidaten, die sich auf Platz drei und vier befinden, Frantisek Miklosko (Konservative Demokraten/KDS) und Zuzana Martinakova (Freies Forum), wollen nach ersten Stellungnahmen keine Empfehlungen für den zweiten Wahlgang abgeben. Martinakova erklärte, die Präsidentenwahl verwandle sich in ein persönliches Duell zwischen Fico und Dzurinda. "Das ist eine schlechte Nachricht für die Slowakei, wir würden lieber einen von den Parteien unabhängigen Präsidenten haben", betonte Martinakova.
Stichwahl notwendig
Selbst wenn der Stimmenanteil von Gasparovic über 50 Prozent gelegen wäre, wäre er damit noch nicht gewählt gewesen. Damit ein Kandidat schon im ersten Durchgang als gewählt gilt, muss er nämlich die absolute Stimmenmehrheit aller Wahlberechtigten und nicht nur der gültig abgegebenen Stimmen erhalten. Da die Wahlbeteiligung aber unter 50 Prozent blieb, ist die Stichwahl am 4. April notwendig.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.